Samstag, 7. April 2012

[Rezension] Amokspiel - Sebastian Fitzek



·  Titel: Amokspiel
·  Autor: Sebastian Fitzek
·  Taschenbuch: 448 Seiten
·  Verlag: Knaur TB (April 2007)
·  ISBN: 978-3-426-63718-0
·  Genre: Psychothriller
·  Preis: 9,99 Euro
 
 
 
 
Kurzbeschreibung
 
Dieser Tag soll ihr letzter sein. Die renommierte Kriminalpsychologin Ira Samin hat ihren Selbstmord sorgfältig vorbereitet. Zu schwer lastet der Tod ihrer ältesten Tochter auf ihrem Gewissen. Doch dann wird sie zu einem brutalen Geiseldrama in einem Radiosender gerufen. Ein Psychopath spielt ein makabres Spiel: Bei laufender Sendung ruft er wahllos Menschen an. Melden die sich am Telefon mit einer bestimmten Parole, wird eine Geisel freigelassen. Wenn nicht, wird eine erschossen. Der Mann droht, so lange weiterzuspielen, bis seine Verlobte zu ihm ins Studio kommt. Doch die ist seit Monaten tot. Ira beginnt mit einer aussichtslosen Verhandlung, bei der ihr Millionen Menschen zuhören …
 
Buchtrailer

 

Ankas Geblubber

Will man einen guten Thriller lesen, greift man zu einem Fitzek - da kann man nichts falsch machen. "Amokspiel" lag nun eine ganze Weile auf meinem SuB und wartete auf den perfekten Lesemoment. Der war nun endlich gekommen und voller großer Erwartungen, schlug ich also die erste Seite auf.

Dem Klappentext nach zu urteilen, würde mir dieser Psychothriller bestimmt wieder sehr gefallen. Bereits nach dem Prolog und den ersten Seiten war ich mir dann zu 100% sicher, einige spannende und aufregende Lesestunden vor mir zu haben.

Ira Samin ist Kriminalpsychologin, aber schon seit einiger Zeit nicht mehr tätig. Nach dem Selbstmord ihrer Tochter, ist sie in ein tiefes Loch gefallen, hat sich den Alkohol zu ihrem besten Freund gemacht und sieht nun keinen Ausweg mehr, als sich ebenfalls das Leben zu nehmen. Mit einer Pistole im Mund wartet sie auf den richtigen Moment abzudrücken. Natürlich hat sie vorher ihre Wohnung präpariert, damit die Sauerei danach nicht ganz so groß ist. Nach kurzem Abwägen entscheidet sie sich dann doch für die Giftkapseln, die sie aber nicht mit Wasser, sondern lieber mit eine Coke Light Lemon hinunterspülen möchte. Nun hat sie die Cola aber nicht im Haus, deshalb geht sie zum Kiosk um die Ecke und gerät unfreiwillig zwischen die Fronten zweier bewaffneter Männer.
Dass Sebastian Fitzek auch jede Menge Humor hat, beweist er mit diesem auf der einen Seite sehr ernsten und bedrückenden, auf der anderen Seite aber auch urkomischen Anfang. Während sich die zwei besagten Kerle nun beinahe die Köpfe einschießen, steht Ira seelenruhig an der Kühltheke und fragt nach ihrer Coke Light Lemon. Herrlich! 

Ira war mir sofort sympatisch. Sie ist ein Mensch mit Ecken und Kanten und weit davon entfernt, perfekt zu sein. Sie ist kurz davor Selbstmord zu begehen und hat deshalb nichts mehr zu verlieren. Ihre rauhe Art hat mich gleich begeistert und ihre trockenen Sprüche konnten mir immer wieder ein Schmunzeln entlocken.

Zu ihrem geplanten Selbstmord kommt es vorerst aber nicht, denn ihre Ex-Kollegen-Affäre Götz taucht plötzlich aus dem Nichts auf und bringt sie zum Ort einer Geiselnahme in einem Berliner Radiosender.
Ein noch unbekannter Geiselnehmer hat nicht nur den berühmten Morning Show Moderator in seine Gewalt gebracht, sondern auch eine kleine Besuchergruppe. Das allseits bekannte Cash Call Spiel (der Moderator ruft eine zufällig ausgewählte Telefonnummer an, meldet sich der Angerufene mit der richtigen Radioparole, gewinnt er eine gewisse Geldsumme) bekommt an diesem Tag neue Regeln auferlegt. Meldet sich der Angerufene mit der richtigen Radioparole, dann wird eine Geisel frei gelassen, meldet er sich jedoch ganz normal mit "Hallo!" oder seinem Namen, wird eine Geisel getötet.
Ein makaberes Spiel und ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, denn der Geiselnehmer droht so lange weiter zu spielen, bis seine Verlobte zu ihm ins Radiostudio kommt. Eigentlich klingt diese Forderung nicht als zu schwer zu erfüllen, hätte sie nicht einen Haken - seine Verlobte ist seit Monaten tot....

Sebastian Fitzek weiß, wo er seine Leser abholen muss, um sie in eine neue, spannende, skurrile, und mitreißende Gänsehaut-Geschichte zu entführen.
Wie erwartet, war ich von Anfang an an dieses Buch gefesselt und flog in Windeseile durch die Seiten. Die Spannung stieg stetig an, je näher die nächste Cash Call Spielrunde kam.

Was mir an diesem Fitzek am meisten gefallen hat, waren die Charaktere. Nicht nur unsere Protagonistin Ira ist einzigartig und interessant ausgearbeitet, sondern auch die Nebencharaktere bekommen ausreichend Raum. Grandios gelungen ist ihm der pyromanisch veranlagte Chefredakteur "Diesel", der die ganze Situation ein bisschen auflockert und direkt zu meiner Lieblingsfigur geworden ist.
Wir bekommen aber auch EInblick in die Psyche des Geiselnehmers Jan May. Haben wir es wirklich mit einem Psychopathen zu tun, oder steckt viel mehr hinter diesem kranken Spiel? Und was hat es mit dem angeblichen Tod seiner Verlobten auf sich?

Mich hat dieses Buch bestens unterhalten und mitgerissen. Auf 428 Seiten ist es Sebastian Fitzek zu 100% gelungen, mich regelrecht zu begeistern. Nach den ersten Seiten waren ihm 4 Sterne sicher und je weiter ich las, desto mehr wurde mir klar, dass ich am Ende volle 5 Sterne vergeben werde. Dieses Buch besteht nun aber aus 448 Seiten... 
Noch immer könnte ich beim Gedanken an die letzten 20 Seiten mit dem Kopf gegen die Wand laufen. Wäre es nicht mitten in der Nacht gewesen, als ich das Buch zugeschlagen hatte, wäre ich sicher in einem Wutanfall schreiend explodiert. Tatsächlich musste ich, nachdem ich die letzten Worte gelesen hatte, erstmal aufs Cover schauen und prüfen, ob da nicht Rosemunde Pilcher steht. Ich weiß, ein ganz böser Vergleich, der mir sicher den ein oder anderen Buh-Ruf schenken wird. Aber ich war wirklich baff. Mal ehrlich, bei einem Psychothriller erwarte ich, mit einer Gänsehaut zurück gelassen zu werden und nicht Zeuge eines triefenden Happy Ends zu werden. Natürlich ist es wünschenswert, dass die Geschichte nicht in einem einzigen schwarzen Loch endet und alle lieb gewonnenen Charaktere mit sich in die Tiefe reißt, aber ein paar mehr dunkle Schatten dürfen es schon sein.

Ich werde zu diesem Ende jetzt nicht mehr verraten, schließlich möchte ich euch die Lesefreude nicht verderben, denn - auch wenn ich am Schluss diesen einzigen Kritikpunkt äußern musste - muss ich euch "Amokspiel" unbedingt ans Herz legen. Die Spannung war in diesem Krimi stets vorhanden und die interessanten Charaktere machten die Geschichte zu einem ganz besonderen Lesevergnügen. Die sehr actionreiche Handlung bietet unerwartete Wendungen und auch den ein oder anderen Schreckensmoment, in dem ich kurzzeitig die Luft anhalten musste. Was will man mehr??? 

Weitere Infos...

"Amokspiel" wurde auch von anderen tollen Bloggerkollegen rezensiert. Seid ihr neugierig geworden? Dann schaut doch mal vorbei bei...


Weitere Bücher von Sebastian Fitzek:

Kommentare:

  1. Hallo liebe Anka!

    Huch, da liest man die ausführliche, wirklich gelungene Rezi und dann steht da auf einmal mein Name :D
    Danke für den Link ;)

    Ich wünsche dir ein schönes langes Osterwochenende!

    Viele Grüße,
    Saendra

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    Antworten
    1. Hey Saendra!
      Danke für deine lieben Worte!!!
      Gern habe ich deine Rezi verlinkt.
      Dir auch ein schönes Osterwochenende,
      liebe Grüße
      Anka

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  2. Hallo Anka,

    schöne Rezi. :)
    Ich hab "Amokspiel" vor ein paar Jahren gelesen und bin ja ein großer Fan von Sebastian Fitzek bzw. seinen Büchern. Meine Lieblinge sind allerdings "Der Seelenbrecher" und "Splitter".

    Schöne Ostertage wünscht dir
    Sabine

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    1. Guten Abend Sabine,
      danke dir!
      "Der Seelenbrecher" ist unschlagbar - ein absolutes Meisterwerk, wie ich finde. Splitter fand ich nicht so toll.
      Dir und deine Lieben auch schöne Ostern!
      Liebe Grüße
      Anka

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    2. Hey Sabine, deine Lieblingsbücher von Fitzek sind genau die beiden, dich ich noch auf meinem SuB habe :D :D
      Ich trau mich keins der Bücher zu lesen, denn dann muss ich doch tatsächlich auf eine Neuerscheinung warten! *hilfe*

      Aber ich merke schon, wie es mich jetzt in den Fingern juckt. Bald muss wieder ein Fitzek dran glauben :D

      Viele Grüße!

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  3. Grüß Dich, Anka.
    Es kann schon ärgerlich sein, wenn ein Roman auf den letzten Seiten quer durch die Kakteen brettert. Ich kann nachfühlen wie Du Dich dabei gefühlt haben mußt. Erging mir mit dem einen bis anderen Film nicht viel besser. Im Geiste beiße ich dann immer in den Sitz vor mir :-))
    Wenn das Ende so garnicht zum Rest paßt - hat sich da der Verlag/Lektor vielleicht ein Happy End "gewünscht"?!

    Die ersten 700 Worte zur Panem-Rezi sind bereits getippt und ich bin guter Dinge, was den Rest betrifft. Ich werd Dir den Text dann noch in ein ansprechendes Layout geben. Das Auge liest ja mit. :-)
    Ganz nebenbei macht das Schreiben diesmal einen besonderen Spaß.
    Apropos...
    Ein Filmplakat von Katniss hängt seit gestern blau gerahmt in meinem Wohnzimmer.

    3 Uhr 57 - es wird Zeit für mich am Futton zu "horchen".
    Und bitte nicht mit dem Kopf gegen die Wand... ;-)

    bonté et plaisir

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