Sonntag, 14. April 2013

::: Lesungsbericht: Elisabeth Herrmann am 10.04.2013 in Aalen :::




Nachdem mir "Schattengrund" von Elisabeth Herrmann im November quasi vor die Füße gefallen ist und mich nicht nur überraschen, sondern auch zu 100% begeistern konnte, behielt ich die erfolgreiche deutsche Krimiautorin im Auge. Ihre Krimis für Erwachsene scheinen nicht so sehr in mein Beuteschema zu passen, dafür sind wohl ihre Jugenthriller genau für mich geschrieben.
Als ich vor wenigen Wochen auf Elisabeth Herrmanns Facebook-Profil las, dass sie für eine Lesung aus "Schattengrund" nach Aalen kommen würde, schlug mein Bücherherz direkt 2 Takte höher. Auf der Leipziger Buchmesse hatte ich die Präsentation zu ihrem aktuellen Krimi "Das Dorf der Mörder" leider verpasst, umso mehr fieberte ich dem Lesungsabend in Aalen entgegen.

Um kurz vor 19:00 Uhr traf ich mich mit meiner sympathischen Bloggerkollegin Jess (ihr Blog heißt "primeballerina's books" und sollte unbedingt von euch besucht werden!!) vor der Aalener Stadtbibliothek. Wir erkannten und verstanden uns sofort. Über Twitter hatten wir uns vor einiger Zeit "kennen gelernt" und festgestellt, dass wir beinahe Nachbarn sind. Die Welt ist klein... und sooo schön! Bis zum Einlass mussten wir nur wenige Minuten warten, dann öffnete uns Michael Steffel (Leiter der Aalener Stadtbibliothek) höchstpersönlich die Tür. Wir wurden freundlich empfangen und ich genoss es, der urigen Bibliothek mal wieder einen Besuch abzustatten. Die kleine, gemütliche Lesungs-Lounge war in der ersten Etage aufgebaut. Anstatt an den meterlangen und prall gefüllten Bücherregalen vorbeizuschlendern und auf Stöberreise zu gehen, ließen wir uns direkt in der ersten Reihe nieder und tauschten uns über unser gemeinsames Hobby aus. Jess erzählte von ihrem Praxissemester bei Lovelybooks und gemeinsam schwärmten wir von unseren aktuellen Lieblingsbüchern. Die Zeit verging wie im Flug. Nach und nach füllten sich die leeren Stühle, doch die Zuschauermenge blieb überschaubar. 10 Minuten vor offiziellem Lesungsbeginn traf die 2012 mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnete Autorin ein. Elisabeth Herrmann nahm direkt an ihrem Lesungstisch Platz, freute sich über die Pepsi Light, die ihr freundlicherweise von den Veranstaltern bereit gestellt wurde und begann sofort zu quasseln. Auf mich machte sie von der ersten Sekunde an einen super natürlichen und sympathischen Eindruck. Als sie dann schließlich von ihrem historischen Roman "Konstanze" erzählte und mich sogar mit dessen Geschichte begeistern konnte (ich lese normalerweise keine historischen Romane), war für mich klar, dass diese Frau einen neuen festen Platz in meinem großen Bücherherz gewonnen hatte.

Als um 19:30 Uhr beinahe alle Stühle belegt waren, begrüßte uns Michael Steffel ganz offiziell und freute sich mit uns auf einen spannenden Abend. Bevor Elisabeth Herrmann zu lesen begann, stellte sie uns "Schattengrund" ganz kurz vor und ließ uns wissen, dass es ihr schönstes Buch sei. Es folgte der Prolog, den die Autorin mit so viel Gefühl in der Stimme vortrug, dass mir direkt eine Gänsehaut die Arme emporkroch. Da ich die Geschichte bereits kannte, konnte der Prolog mich ganz besonders berühren und ich war schon nach wenigen Augenblicken wieder in der berührenden, spannenden, süßen, geheimnisvollen und grausamen Geschichte gefangen.

Dann las Elisabeth Herrmann einen sehr langen Abschnitt vor. Von anderen Lesungen war ich es gewohnt, mehrere kleine Abschnitte präsentiert zu bekommen, deshalb war ich im ersten Moment etwas skeptisch, ob die Zuhörer der Autorin auch für eine so lange Passage ihre vollste Aufmerksamkeit schenken würden. Meine Angst blieb unbegründet. Elisabeth Herrmann gelang es ihr Publikum zu fesseln. Wir hingen förmlich an ihren Lippen, ich vergaß die vielen Bücher und Menschen um mich herum und sah mich an Nicos Seite durch den Schnee stapfen.

Nach ca. 40 Minuten schlug die Autorin "Schattengrund" zu, verlor noch ein paar abschließende Worte zur Geschichte und griff dann zu ihrem aktuellen Krimi "Das Dorf der Mörder". Auch diesen wollte sie uns mit einer kleinen Kostprobe kurz vorstellen - so bekamen wir sogar zwei Lesungen in einer, toll!

Der passionierte Thriller-Leser suchte in ihren Krimis bisher vergeblich nach besonders blutigen Szenen. Deshalb setzte Elisabeth Herrmann bei der Recherche zu "Das Dorf der Mörder" auf den professionellen Rat ihres Autorenkollegen Michael Tsokos (aktuelle Titel: "Die Klaviatur des Todes" und "Abgeschnitten", gemeinsam geschrieben mit Sebastian Fitzek), der gleichzeitig Deutschlands bekanntester Rechtsmediziner ist. So entstand eine Herrmann-untypische Szene, die sie uns mit einem spitzbübischen Grinsen präsentierte. In einem Berliner Tierpark wird ein grausamer Fund gemacht - im Gehege der Pekari Schweine befinden sich Überreste eines toten Menschens. Natürlich wird nicht nur im Gehege, sondern auch in den Tieren selbst nach weiteren "Spuren" des Opfers und des Täters gesucht. Eine grausige Vorstellung - zum Glück verzichtet die Autorin auf detailierte Beschreibungen. Vielmehr beschäftigt sie sich mit der Psyche ihrer Protagonisten und machte mich dadurch unheimlich neugierig auf ihren Roman.

Ginge es nach mir, dann hätte die Autorin um knapp 21:00 Uhr noch nicht aufhören müssen. Ich hätte ihr gern noch ein bisschen länger zugehört, denn sie las ihre Texte so packend und toll, dass sie das Hörbuch (anstelle von Eva Mattes) ruhig hätte selbst einsprechen können.
Nun hatten wir noch die Möglichkeit unsere Fragen loszuwerden. In gemütlicher Runde plauderte Elisabeth Herrmann über ihren nächsten Jugendroman, dem ersten Buch, das übrigens auch ihrer Tochter gefallen hat, da es sich um eine süße Liebesgeschichte handelt. "Seifenblasen küsst man nicht" erscheint am 08. Juli 2013 im cbt Verlag. Sie erzählte uns von der Entstehungsgeschichte von "Das Dorf der Mörder" und der Protagonistin Charlie Rubin, einer Tierpflegerin, die im Tierpark Futtertiere (Ratten, Kaninchen etc.) züchtet. Diese Frau gibt es tatsächlich, natürlich teilt sie nicht dasselbe Schicksal wie die Romanfigur. Aber auch sie kümmert sich liebevoll um kleine Rattenbabys und vergast sie, bevor sie den anderen Zootieren zum Fraß vorgeworfen werden. Diese Frau hat Elisabeth Herrmann sehr inspiriert, weshalb sie diese besondere Begegnung in einem Buch weiterführen wollte.

Eine interessierte Zuhörerin wollte wissen, ob sie sich, bevor sie ein Buch schreibt, Gedanken und einen gewissen Plan zu der zu erzählenden Geschichte macht, oder ob sie einfach drauf los schreibt. Nachdem in ihren ersten Büchern kleine Logikfehler aufgetaucht sind, weil Elisabeth Herrmann eben "einfach drauf losgeschrieben" hat, hat sie nun vor dem eigentlichen Schreiben die gesamte Geschichte im Kopf. Trotzdem kann es vorkommen, dass sich z.B. wie in "Das Dorf der Mörder" eine als Nebenrolle angedachte Protagonistin so in den Vordergrund drängt und an Sympathien gewinnt, dass sie zur Lieblingsfigur der Autorin wird und plötzlich eine viel größere Rolle bekommt. Auch meine Frage zum Namen der Protagonistin aus "Schattengrund" beantwortete sie ausführlich und freundlich. Zum Schluss gab sie uns noch einen kleinen Ausblick und verriet, dass es in Kürze ein Comeback ihres Berliner Anwalts Joachim Vernau geben wird. Nach einer kleinen Pause freut sich die Autorin auf ein "Wiedersehen" mit ihrem alten, lieb gewonnenen Romanhelden (dessen Rolle in den Verfilmungen übrigens von Jan Josef Liefers verkörpert wird).

Noch heute, vier Tage nach der Lesung, denke ich gern an diesen schönen Abend zurück. Elisabeth Herrmann hat mich mit ihrer einnehmenden Ausstrahlung begeistert und beeindruckt - eine tolle, attraktive und super natürlich-sympathische Frau! Ich bin glücklich, dass ich mich nach der Lesung noch persönlich für diesen schönen Abend bei ihr bedanken konnte. Gerne signierte sie mir noch mein Exemplar von "Schattengrund" und posierte für ein Erinnerungsfoto.

Vielen Dank, an dieser Stelle, an die wundervolle Elisabeth Herrmann für eine spannende Lesung, vielen Dank an Michael Steffel für die freundliche Einladung und den netten Kontakt, vielen Dank an die Stadtbibliothek Aalen und die Buchhandlung "Der Bücherwurm", die diese Lesung veranstaltet haben und vielen Dank an die süße Jess, die eine tolle Begleiterin an diesem Abend war.

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Kommentare:

  1. Un jolie jour, Anka.

    Kein Lesen in der cloud, sondern die Lesung live, vor Ort, inmitten realer Bücher. Eine 1.0 Erfahrung quasi. Aber genug der virtuellen Metaphern...
    Gelegentlich brauche ich ein paar Zeilen, um mich warm zu schreiben. Sorry. ;-)

    Seit Zoe Jenny ist mir die Besonderheit bewußt, die eine Autorin/ein Autor bei der Lesung in den eigenen Text zu flechten vermag.
    Beschäftigt mit Kleinarbeit, ließ mich damals Stimme wie Text aus dem Radio innehalten - aufhorchen. Mit ein paar Sätzen nur, hatte die Baselerin ein Mikroversum ihrer Figur erzaubert. Seither habe ich ihr Debüt "Das Blütenstaubzimmer" dreimal durchlesen.
    Stets mit einem kleinen wow.

    Soweit meine erste Erfahrung mit der Wirkung einer Lesung. Eine indirekte - ok!
    Live & in Farbe war es ja damals Markus Heitz. :-)

    Merci pour la application de ta part!

    et

    bonté

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    1. Hallo RoM,

      aucb dir einen schönen Frühlings-Sonntag :) Die Sonne scheint, der Himmel ist blau und der Grill steht bereit, toll!!
      Genau, eine 1.0 Lesung, ganz ohne Livestream oder virtuellen Schnickschnack. Eine Autorin hautnah, live, zum Anfassen!

      Die Autoren kennen ihre Geschichten und ihre Figuren eben am besten und können ihnen wohl am ehesten Leben einhauchen..., wobei ich auch schon Autoren zugehört habe, die es mit dem Vorlesen nicht so hatten. Es gibt solche und solche :))

      Stimmt - Markus Heitz, live und in Farbe. Ist schon wieder eine gefühlte Ewigkeit her, oder?

      Liebe Grüße,
      von der sich nun grill-bereit machenden Anka :))

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    2. ...die Heitz-Lesung ist bald ein Jahr her, indeed.

      bonté

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  2. Hi Anka-Herz,
    DANKE für den schönen Lesungsbericht, uuuund die gleichzeitige Erinnerung an Schattengrund, dass jetzt auf meiner WuLi ist. Ich bin ja auch ein Jugendthriller-Fan u. das Buch spricht mich total an! Ich finde es immer schön, wenn Autoren so gut lesen, dass man meint die wären Hörbuchsprecher. Das war ja bei dir zu Hause mit Claudia auch der Fall ;-) hach, Lesungen sind einfach immer schön!
    Einen sonnigen Sonntag für dich,
    Bussi von Damaris

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    1. Hallo meine liebe Damaris,
      ich freue mich sehr darüber, dass dir der Lesungsbericht gefallen hat. Beim Schreiben bin ich mit den Gedanken immer mal wieder zu unseren anderen Lesungserlebnissen abgeschweift. Wir müssen mal wieder eine Lesung gemeinsam besuchen.
      Au ja, Schattengrund könnte dir auch sehr gut gefallen, weil eben noch soooo viel mehr in der Geschichte steckt.
      Drück dich,
      Anka

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