Dienstag, 9. April 2013

Rezension ~ Sei lieb und büße ~ Janet Clark




·  Titel: Sei lieb und büße
·  Autor: Janet Clark
·  Medium: Klappenbroschur (336 Seiten)
·  Verlag: Loewe Verlag (März 2013)
·  ISBN: 978-3-7855-7573-4
·  Genre: Jugendthriller (ab 14 Jahren)
·  Preis: 12,00 Euro 








K U R Z B E S C H R E I B U N G   D E S   V E R L A G E S

Das Spiel ist aus.
Die Maus ist tot.
Die Katze hat gewonnen.

Sina ist untröstlich. Weshalb musste ihre Familie ausgerechnet von Berlin nach Kranbach ziehen? Der einzige Lichtblick: Die angesagtesten Mädchen der Schule freunden sich mit ihr an und sogar ihr Schwarm Frederik scheint in sie verliebt zu sein. Aber kurz nach ihrem ersten Kuss verunglückt Rik und fällt ins Koma. Sina findet Halt bei ihren neuen Freundinnen – doch sie weiß nicht, dass hinter deren strahlender Fassade ein tiefer, grausamer Abgrund lauert. Plötzlich nimmt ein übles Spiel seinen Lauf, das Sinas schlimmste Albträume wahr werden lässt. Und ein Ende ist nicht abzusehen ...

Textquelle: Loewe Verlag

A N K A S   G E B L U B B E R


Schon letztes Jahr konnte mich Janet Clark (deren Name zwar sehr amerikanisch klingt, hinter dem sich aber eine super sympathische deutsche Autorin verbirgt) mit ihrem ersten Jugendthriller "Schweig still, süßer Mund" (meine ausführliche Rezension findet ihr HIER) begeistern... und das lag nicht nur an dem wunderschönen, auffälligen Cover. Im Januar 2013 verschlang ich dann ihren zweiten Erwachsenenthriller und kürte ihn direkt zu meinem Lesehighlight des Monats. Vor wenigen Wochen erschien nun ihr zweiter Jugendthriller - natürlich musste auch dieser sofort von mir gelesen werden.

In "Sei lieb und büße" geht es um das Schicksal der 17-jährigen Sina, die vor Kurzem mit ihrer Familie von Berlin nach Kranbach gezogen ist. Es fällt ihr schwer, neue Freunde zu finden. Erst als sie sich Hals über Kopf in ihren Basketballtrainer Rik verknallt, er ihr nicht abgeneigt zu sein scheint und sich sogar mit ihr treffen möchte, blüht sie auf. Doch zu diesem Treffen kommt es nie. Rik hat einen Fahrradunfall und liegt von nun an im Koma. Sina glaubt nicht an einen Zufall, schließlich wollte er ihr ein Geheimnis anvertrauen, das ihn wohl ziemlich belastet hat. Schnell scheint eine Verdächtige gefunden und Sina erhält überraschende Unterstützung. Drei Mädchen aus ihrer Stufe, um die sie bisher eher einen großen Bogen gemacht hat, bieten ihr ihre Hilfe und ihre Freundschaft an.
Leider merkt Sina nicht, welche Absicht hinter dem vorgegaukelten Interesse ihrer drei neuen Freundinnen steckt und befindet sich schließlich mittendrin, eingesperrt in einem Käfig aus Rache, Schuldgefühlen, Angst, Wut, Verzweiflung, Mobbing und... Mord.

Wir haben es hier nicht mit einem Thriller zu tun, in dem die Autorin ein großes Geheimnis um den Täter macht - nein, ganz im Gegenteil. Direkt zu Beginn präsentiert sie ihren Lesern, wer die Rolle "des Bösen" innehat. Man könnte meinen, dass sich so die ganze Spannung in Luft auflöst, aber nein. Janet Clark erschafft eine ganz andere Art von Spannung, fokussiert ihre Protagonistin, geht ganz dicht ran und schafft es so, Sinas Angst auf ihre Leser zu transportieren.

Obwohl ich die Täter von Anfang an kannte, wollte ich wissen, wie sich das Drama um Sina und Rik entwickelt. So entstand ein flotter Lesefluss, je tiefer ich in die erschreckende Geschichte eintauchte. Ich habe sehr mit der jungen Sina mitgefühlt, über der ein wahres Unwetter ausbricht. Umzingelt von dunklen Gewitterwolken trägt sie jedoch weiterhin ihre rosarote Sonnenbrille und bemerkt das Unheil erst, als die ersten Blitze bereits über den Himmel zucken, das erste laute Donnergrollen wie ein Echo widerhallt und die Chance, das Unwetter unbeschadet zu überstehen, gleich 0 ist. 

Janet Clark widmet sich in ihrem neuen Jugendthriller gleich zwei brisanten Themen. 
Zum einen zeigt sie die Unberechenbarkeit des Cyber-Mobbings auf. Was früher lediglich "im kleinen/überschaubaren Rahmen" mit bösen Streichen und Erpressung in der Schule begann, weitet sich heutzutage schnell auf die sozialen Netzwerke wie Facebook, SchülerVZ und Co. aus. Gerüchte verbreiten sich schneller und die Hemmschwelle, doch mal ordentlich mitzumischen, fällt, da im Internet eine gewisse Anonymität gewährleistet ist. Hier wird beleidigt, aufgehetzt und fertig gemacht. Wozu dieser immense Druck führen kann, erfahren die Leser dieses Thrillers in aller Deutlichkeit. Ich wollte die Hand ausstrecken, mich von den Seiten losreißen und dem jungen Mädchen zu Hilfe eilen, als alle anderen wegsahen...

Das zweite Thema, das Janet Clark hier anspricht und das mich persönlich im ersten Moment noch mehr erschüttert hat, ist Sinas manisch depressive Mutter. Auch hier haben wir es wieder mit einer gewissen Unberechenbarkeit zu tun. Die Ausbrüche kommen von einer Sekunde auf die andere. Teller, Gläser und Vasen fliegen, sodass Sina ihren kleinen Bruder nur noch schnell mitziehen und in Sicherheit bringen kann, bevor er zur lebenden Zielscheibe eines Geschosses wird. Sina ist so ein bewundernswertes Mädchen. Was sie mit ihren jungen Jahren alles leistet, wie rührend sie sich um ihren kleinen Bruder kümmert, wie toll sie den Haushalt schmeißt, wie sehr sie (trotz allem) ihre Mutter liebt und wie stark sie sich nach außen hin zeigt... Was dieses Mädchen alles ertragen muss, ist unvorstellbar. Die Rolle des Vaters in dieser Geschichte hat mich unglaublich wütend gemacht. Er weiß um die Krankheit seiner Frau, weiß, wie sehr seine Kinder leiden, flüchtet sich aber lieber in Arbeit und bleibt oft tagelang "verschollen". 

Mich hat dieses Buch sehr bewegt und erschreckt, da die Beschreibungen absolut realistisch erscheinen. Natürlich ist "Sei lieb und büße" ein fiktiver Roman, aber sicherlich existiert Sina irgendwo. Sie heißt dann vielleicht Sandra, Michelle oder Jessica, aber ich bin mir sicher, dass es viele solcher Schicksale gibt, die leider unentdeckt bleiben, weil "wegschauen" einfach bequemer ist, als einzugreifen.

Insgesamt haben mir der Plot und der Aufbau der Geschichte gut gefallen. Auch die Charaktere handelten meines Erachtens schlüssig und wirkten auf mich sehr authentisch. Die Geschichte wird aus drei verschiedenen Blickwinkeln betrachtet und erzählt, sodass man als Leser stets genau im Bilde über sämtliche Geschehnisse ist, während die Protagonisten oft noch im Dunkeln tappen. Eine tolle Möglichkeit, die Geschichte zu erzählen, besonders die Tagebucheinträge haben mir gut gefallen. Janet Clark hat mir mit ihrem neuesten Jugendthriller spannende und bewegende Lesestunden beschert. "Sei lieb und büße" zählt definitiv zu den Büchern, die mich noch lange Zeit begleiten werden.


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Kommentare:

  1. Mir hat Schweißg still süßer Mund auch schon gut gefallen. Das Buch klingt sehr spannend und behandelt wirklich interessante und wichtige Themen. Es landet gleich mal auf meine Wunschliste.
    Danke für deine tolle Rezenion!

    Liebe Grüße
    Vanessa

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  2. Ich muss mir endlich auch mal ein Buch von der Autorin besorgen :) Alle schreiben so viel Gutes und die Bücher klingen wirklich spannend.. Aber zur Zeit ist Kaufverbot und SuB Abbau angesagt :S

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  3. Hallo Anka.
    Den mordenden Butler bereits zu Anfang einer Geschichte zu kennen, ist allerspätestens seit Inspektor Columbo ("Eine Frage hätte ich da noch!")kein Grund mehr für Spannungsarmut. Definitiv!
    Zudem erwartet die Leserschaft Gerechtigkeit - im überschaubaren Kosmos einer Story auf jeden Fall.

    Words kill, heißt es nicht grundlos. Mobbing, Ausgrenzung oder kollektiv begangene Erniedrigung - all dies solide Grundsteine, auf denen sich in letzter Konsequenz jede normierte Unmenschlichkeit errichten läßt.
    Wie Du treffend anführst, ein gutes Buch!

    bonté

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  4. Tolle Rezension. Das Buch schaue ich mir mal näher an :)
    Liebe Grüße!

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