Samstag, 6. September 2014

Johannas Gast~Geblubber | Lost Places - auf den Spuren der Zeit

Ich freue mich sehr darüber, dass ich heute meine Bloggerkollegin Johanna von


mit einem ganz besonderen Gastbeitrag hier bei Ankas Geblubber begrüßen darf. Auf Johannas Blog findet ihr nicht nur tolle Beiträge zum Thema Buch, sondern auch jede Menge beeindruckende, professionelle und einfach schöne Fotos. Es lohnt sich, bei ihr vorbeizuschauen, aber nehmt euch ein bisschen Zeit mit, denn die vergesst ihr schnell, wenn ihr erstmal in Johannas Blog eingetaucht seid! Für ihren Gastbeitrag hat uns Johanna einen interessanten Beitrag zum Thema "Lost Places" mitgebracht und diesen mit atmosphärischen Fotos umrahmt.
Liebe Johanna, herzlich Willkommen bei Ankas Geblubber!

Ich bin 24 Jahre alt, arbeite ganz spießig beim Steuerberater und versuche in meiner Freizeit so gut es geht die Balance aus Abenteuer und Ruhe zu halten. Ich liebe alles was mit Kreativität zu tun hat, zeichne, mache Musik und fotografiere und pflege meinen Blog. Ab und zu schreibe ich auch selbst Kurzgeschichten, diese aber bisher immer nur für mich. Bücher bedeuten mir sehr viel und mein großer Traum wäre es, mal selbst ein Buch zu schreiben. Da gab es schon ein paar Versuche zu aber ich habe nie lange durchgehalten und bin deswegen leider sehr weit entfernt von diesem Ziel. Ansonsten gehe ich gerne auf Konzerte und Lesungen und beschäftige mich seit ein paar Monaten ausgiebig mit meinen zwei süßen Katzen, die ich nicht mehr missen möchte.


Das morsche Holz unter deinen Füßen knarrt und gibt verdächtig nach, sodass du kurz die Luft anhälst und dich fragst, was du hier eigentlich tust. Ein paar Sekunden lang traust du dich nicht einzuatmen denn an diesem Ort wirkt selbst ein leiser Atemzug unglaublich laut und du bist dir nicht sicher ob die Luft in deinen Lungen dich nicht vielleicht doch ein Bisschen zu schwer für dieses verrottete Brett macht, auf dem du gerade stehst. Du zählst bis 3, nimmst deinen ganzen Mut zusammen und springst. Als deine Füße aufkommen weißt du, dass du dich in einer anderen Welt befindest denn hier ist schon vor langem die Zeit stehen geblieben. Den Weg durch den Wald zum versteckten Eingang dieses Lost Places hast du schon geschafft. Auch der beschwerliche Abstieg zum eingeschlagenen Kellerfenster ist dir geglückt und doch hast du gezögert als du gesehen hast, dass unter dem Kellerfenster vor allem eines ist: Dunkelheit. Und doch bist du gesprungen und jetzt weißt du auch wieder wieso. Weil diese Welt eine ganz besondere ist und heute machst du sie zu deiner Welt.


Lost Place – Was ist das?
Ein Lost Place ist wie der Name es schon sagt im Grunde nichts weiter als ein verlassener Ort.
Dabei kann es sich um ein altes Fabrikgebäude, eine Schule oder einen Bunker handeln. Manchmal stehen auch ganze Hotels oder Schlösser leer, ab und zu gibt es sogar Geisterstädte. Und das ganze mitten in Deutschland!

Aber warum?
Die meisten leerstehenden Gebäude sind zwar in Privatbesitz, dennoch kümmert sich niemand um sie. Das liegt hauptsächlich daran, dass die Abriss- oder die Sanierungskosten zu hoch sind und die Gebäude deswegen sich selbst überlassen werden. Manchmal gibt es Kameras und einen Wachschutz , der dafür sorgen soll, dass sich niemand unerlaubt Eintritt verschafft. Aufmerksame Nachbarn sind jedoch meist der beste Wachschutz. Manche Eigentümer haben sich aber auch mit dem Verfall ihres Besitzes abgefunden und erlauben geführte Touren durch Lost Places. Das ist jedoch eher die Ausnahme.


Was macht Lost Places so interessant?
Sobald man einen Lost Place betritt taucht man in eine verlorene Welt ein. Hier hat mal jemand gelebt, geliebt, gelitten und vielleicht ist hier mal jemand gestorben. Hier wurde gearbeitet oder gelehrt – in jedem Fall aber wurden hier Geschichten geschrieben. Besonders eindrucksvoll ist so ein Ort wenn er aussieht als könnten die Bewohner jederzeit wiederkommen. Wenn es wirkt als wäre alles stehen und liegen gelassen worden. Man ist Gast im Leben eines anderen Menschen und lernt so einiges über ihn.
Und sind wir Bücher-Liebhaber mal ehrlich: Geht es uns beim lesen nicht auch so? Wollen wir nicht auch dort in eine fremde Welt eintauchen und unseren Alltag vergessen? Lost Places üben auf mich die selbe Faszination aus wie richtig gute Bücher. Ich vergesse alles und tauche ab. Ich stelle mir die Personen und ihre Tagesabläufe vor und spinne die Geschichte im Kopf weiter.


Fotografen, die sich für Lost Places interessieren, haben ein Motto, sozusagen einen Ehrenkodex:
Take nothing but pictures, leave nothing but footprints.“
Man versucht so wenig wie möglich zu verändern wenn man so einen Ort betritt und dennoch will man mit der Kamera einen Blickwinkel einfangen, den man so noch nicht gesehen hat. Leider führt dieser Wetteifer um das perfekte Foto manchmal dazu, dass Menschen die vorhandenen Möbel umstellen oder Fotos inszenieren. Das finde ich persönlich sehr schade weil es mir bei Lost Places darum geht, einen möglichst unberührten Ort aufzufinden. Je natürlicher die Gebäude belassen sind desto größer ist mein Kopfkino.


Rechtliches – die andere Seite der Medaille
Doch das Urban Exploring, wie das Betreten von Lost Places gemeinhin genannt wird, ist nicht nur ein Weg dem Alltag zu entkommen und in ein fremdes Leben einzutauchen sondern auch ein Spaziergang durch die Grauzonen der Gesetzgebung. Auf das unerlaubte Eindringen in leerstehende Gebäude steht im besten Fall Hausfriedensbruch und ein Platzverweis, im schlechtesten auch eine Geld- oder Freiheitsstrafe. Am einfachsten ist dieses Hobby wenn man vor seiner Fototour den Eigentümer kontaktiert und um Erlaubnis fragt. Zudem sind sehr viele Lost Places stark einsturzgefährdet und sollten deswegen nicht betreten werden. Das kann euch aber auch der Eigentümer sagen.


Wer im Raum Berlin wohnt hat es besonders einfach: Das nette Team von Go2Know (www.go2know.de) bietet euch Fototouren in die beliebtesten Lost Places im Umkreis an und ist sein Geld wert. Im kleinen Kreis erkundet ihr zum Beispiel eine alte Lungenheilanstalt für Tuberkulose-Kranke oder den Flughafen Tempelhof und bekommt viele Hintergrundinformationen mit auf den Weg gegeben.

Lost Places haben meine Sicht auf die Dinge verändert. Ich gehe mit offeneren Augen durch die Straßen und fange an zu fantasieren wenn ich eingeschlagene Fenster in einer Fabrik entdecke. Doch zu blauäugig sollte man an dieses Thema nicht herangehen denn diese Orte sind sehr schwer zu finden. Adressen werden eigentlich nie bekanntgegeben und das hat seine Gründe. Die Orte sollen vor Vandalismus geschützt werden und so werden die Adressen gehütet wie die größten Geheimnisse. Und das ist auch gut so denn was passt besser zu so einem Ort als ein Geheimnis?

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Liebe Johanna, vielen Dank für deinen Besuch hier bei Ankas Geblubber. Dein Beitrag hat mir unheimlich gut gefallen und mir Lust auf eine geführte Fototour zu einem Lost Place gemacht.

Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr Johanna auf ihrem Blog "dunkelbunt" besucht und ihr liebe Grüße von mir ausrichtet. Ich stöbere immer sehr gerne bei ihr.
Wenn auch DU als "Gast-Blubberer" einen Beitrag für Ankas Geblubber schreiben möchtest, bekommst du HIER weitere Informationen!

Johanna und ich freuen uns sehr auf euer Feedback in den Kommentaren und ich denke, dass Johanna auch gern eure Fragen zum Thema beantworten wird!

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Kommentare:

  1. Huhu, der Beitrag von Johanna macht richtig Lust mal selber auf die Suche nach versteckten Orten zu gehen, und sich vorzustellen, was hier passiert sein könnte...

    Liebe Grüße

    Rea

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    1. Liebe Rea,
      das freut mich sehr! Man glaubt gar nicht wo man überall solche Gebäude entdecken kann wenn man mit offenen Augen durch die Stadt geht. Also nur zu :)
      Liebe Grüße,
      Johanna

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  2. Hui genial, da hat sie ja genau mein Thema getroffen! Ich liebe Lost Places, auch wenn ich selbst noch keinen besucht habe... schaue mir aber super gern Videos auf Youtube an, kaufe mir Bücher zum Thema oder durchforste einfach das Internet auf der Suche nach Fotos, Berichten etc.
    Ich würde so gern mal eine solche Tour machen, aber ist ja leider nicht so ganz legal und allein auch recht gefährlich, am liebsten hätte ich da jemanden bei mir, der sich etwas auskennt ;)

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    1. Liebe Steffi,
      freut mich dass ich damit einen Nerv bei dir getroffen habe :)
      Wenn du gerne mal bei so einer Tour dabei sein willst dann kann ich dir empfehlen dich mal in Lost Places Foren anzumelden. Da bekommt man auch nicht ohne weiteres einfach Adressen genannt aber viele Fotografen nehmen auch unerfahrene Leute gerne mit :)
      Ich hab auch eine schöne Homepage für LP's in Dresden und Umgebung gefunden, vielleicht hilft dir das ja weiter: http://www.reiss.cc/2012/08/01/lost-places-sanatorium-dresden/

      Liebe Grüße und viel Spaß,
      Johanna

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