Samstag, 15. April 2017

Work, work, work | 15./16.01.2017 - Teil 2 | Namibia Diary 2017

< ---- 15.01.2017 - TEIL 1 - Ich renne um mein Leben 

Sonntag, der 15. Januar 2017

Endlich löst sich die Schockstarre. Ohne den Nashornbullen aus den Augen zu lassen, stolpern wir ins Unterholz. Mitten durchs Gebüsch bahnen wir uns einen Weg Richtung Car-Park. Dort suchen wir, mit klopfenden Herzen, hinter den Fahrzeugen Schutz. Alter Schwede! Eine völlig surreale Situation. Aug in Aug mit einem Nashorn. Ohne Zaun. Ohne Mauer. Nur wenige Schritte von uns entfernt. Hallo Afrika! Die Entscheidung, was wir jetzt machen sollen, wird uns kurze Zeit später abgenommen. Wie von einer Tarantel gestochen, flitzt das große Tier plötzlich am Car-Park vorbei. Mir war gar nicht bewusst, wie schnell Nashörner rennen können. Gut, dass wir rechtzeitig Schutz gesucht haben.

Völlig fertig mit den Nerven kehren wir in den Prep-Room zurück. Als wir Simone von unserer Begegnung erzählen, fühlt sie sich in ihren Anweisungen bestätigt und wir erinnern uns an die Verhaltens-Infos vom ersten Tag zurück. Wir haben noch geschmunzelt, als sie gesagt hat, dass wir genau gucken sollen, wo wir hinlaufen. Die meisten Tiere sind frei und können sich dort aufhalten, wo sie möchten. Auch wenn sie nicht explizit auf Tuchfühlung gehen möchten, kann es eben doch mal vorkommen, dass sich, wie in unserem Fall, ein Nashorn ein geschütztes Plätzchen sucht und wir es nicht sofort entdecken.

Noch immer rasen unsere Herzen wie verrückt und wirklich begreifen, was wir gerade erlebt haben, können wir auch noch nicht. So machen wir uns ans Auffüllen der Futtereimer und bereiten die Fütterung für den nächsten Morgen vor. Vor dem Prep treffen wir auf Mama-Pfau. Doch wo sind ihre Babys? Es regnet weiterhin, deshalb fällt es uns nicht ganz so leicht, die Umgebung abzusuchen. „Die Küken sitzen bestimmt unter dem Gefieder“, vermute ich und werde sofort von Alana und Fiona ausgelacht. Wie sollen denn drei große Küken unter das Gefieder der sitzenden Pfau-Mama passen? Als ich auch Minuten später noch mit meiner Vermutung belächelt werde, wird es mir zu bunt. Wir laufen zurück zu Mama-Pfau, ich entschuldige mich im Voraus und klatsche laut in die Hände. Mama-Pfau steht auf… und siehe da! Unter ihr kommen drei trockene Küken zum Vorschein. In diesem Moment genieße ich die staunenden Gesichter der Mädels.

Nach einer kurzen Pause auf dem Zimmer, treffen wir beim Abendessen auf Mathew. Auf dieses Wiedersehen habe ich mich ganz besonders gefreut. Er ist einer der Guides, der sich bereits letztes Jahr um uns gekümmert hat und der einzige, mit dem ich auch, zurück in Deutschland, noch Kontakt gehalten habe. Es ist schön ihn wiederzusehen, auch wenn er ziemlich gerädert ist. Die letzten Tage hatte er frei und ist gerade von seiner Familie, die viele viele hundert Kilometer entfernt wohnt, zurückgekehrt. Eine lange Fahrt liegt hinter ihm. So fallen Abendessen und Small Talk relativ kurz aus, denn auch wir sind müde.

Montag, der 16. Januar 2017

Tatkräftige Unterstützung vom jungen Ziegenbock
Der meist gefürchtetste Tag der Woche steht uns bevor: CLEANING DAY! Beim Frühstück greifen wir beherzt zu, denn wir ahnen, dass uns ein anstrengender, Kräfte zehrender Tag bevorsteht. Die morgendliche Fütterungsrunde verläuft ohne große Ereignisse, sodass wir schnell fertig sind und uns mit Josua und Mathew, bewaffnet mit Schaufeln, Rechen und Schubkarren, bei den Ziegen treffen. Obwohl der gestrige Regen kurzzeitig für eine Abkühlung gesorgt hat, brennt die Sonne heute Vormittag wieder mächtig vom Himmel. Nichtsdestotrotz müssen Gehege und Unterstand gründlich sauber gemacht werden. Zuerst schrubben Alana und ich die Tränke, in der sich eine Algenschicht abgesetzt hat. Auch wenn wir im Wasser „planschen“, ist die körperliche Arbeit in der afrikanischen Sonne sehr schweißtreibend. Anschließend werden Kot und Heu zusammengefegt, in die Schubkarren geschaufelt und aus dem Gehege gekarrt. Immer wieder stützen wir uns auf unsere Schaufeln, verschnaufen kurz und trinken einen Schluck Wasser, bevor es weitergeht. Immer häufiger muss ich zum Taschentuch greifen. Als dann auch noch meine Augen zu brennen beginnen, befürchte ich, dass ich allergisch reagiere. Ist es der aufgewirbelte Staub? Oder sind es die Luzerne? Womöglich die Sonne? Doch alles Grübeln hilft nichts, es muss schließlich weitergehen.
Nach einer gefühlten Ewigkeit sind wir fertig. Völlig KO schleppen wir uns für eine Mini-Pause auf die Terrasse, wo wir uns über den bereitstehenden Eistee hermachen. Noch nie hat er so gut geschmeckt, wie in diesem Moment. Da sich Mathew und Josua bereits auf den Weg zum nächsten Gehege gemacht haben, nehmen wir für sie ebenfalls zwei große Gläser mit und steuern schließlich träge die Big Aviary an.

Josua und Mathew sind gerade dabei, das Wasser aus dem Schwimmteich, in dem sich einige wunderschöne Enten tummeln, abzulassen. Sie freuen sich über den Eistee und erklären uns, was wir zu tun haben. Da wir hier mehr oder weniger im Schatten arbeiten, ist es auch nicht ganz so anstrengend. Wir tragen übrigens riesige weiße Gummistiefel, die uns mehrere Nummern zu groß sind. Wie Astronauten schlappen wir durchs Gehege und müssen im Schwimmteich sehr aufpassen, nicht auszurutschen. Mit Bürsten wird der algenbewucherte Grund geschrubbt. Eimerweise schöpfen wir das Wasser aus dem Bassin und genießen die leichte Abkühlung. Wir sind alle froh, dass sich die Arbeit hier als viel leichter herausstellt. Wir haben jede Menge Spaß und ständig etwas zu lachen. Ganz besonders laut lachen müssen wir, als es tatsächlich einen von uns erwischt. Josua rutscht aus und landet unsanft im fast leeren Teich. Flatsch, rein in den Schmodder! Wir können uns kaum noch halten vor Lachen.

Okutala
Cleaning Day unter der Aufsicht von 3 Aras

Okutala

Okutala

Okutala

Kurze Zeit später können wir den Wasserschlauch ins Becken legen und den Hahn aufdrehen. Als klares Wasser in den sauberen Schwimmteich läuft, sind wir zufrieden. Ganz besonders, als wir etwas später die Enten dabei beobachten, wie sie sich ins Vergnügen stürzen. Für diesen schönen Anblick lohnt sich die Schufterei allemal. Nun wird noch fix der Boden gekehrt und dann dürfen wir in die redlich verdiente Mittagspause verschwinden. Nach dem Mittag schlürfen wir in unseren Bungalow. Kurz abduschen, das Bett mit dem Badetuch abdecken, drauflegen und Augen zu. Wir sind fix und alle. Um 15:00 Uhr werden wir durch das Klingeln des Weckers aufgeweckt. Die Stunde Schlaf hat uns gut getan, auch wenn das Aufstehen nicht ganz so leicht fällt. Auf dem Pooldeck erwarten uns Cupcakes und Kaffee. Wir erfahren, dass sich Jacob am Morgen um die Gehege der Kleintiere gekümmert hat und wir uns nach der Abendfütterung auf einen besonderen Ausflug freuen können. Außerdem hat Simone eine weitere, spannende Nachricht für uns. Ein Nachbarsfarmer hat leider am Morgen aufgrund von Krankheit ein Schaf verloren. Dieses Schaf hat vor kurzem zwei Lämmchen geboren, die nun auf dem Weg nach Okutala seien und von uns mit der Flasche aufgezogen werden sollen. Sobald sie kräftig und alt genug sind, dürfen sie zu ihrer Herde zurückkehren. Ohne unseren Einsatz hätten sie jedoch keine Überlebenschance. Sofort sind wir wieder putzmunter und freuen uns auf die uns bevorstehende Aufgabe. Dass die kommenden Tage für uns und die Lämmchen kein Zuckerschlecken werden, ahnen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Nachdem alle Tiere versorgt sind und auch die Katzen ihr „Fast-Food“ bekommen haben (mein Wurf über den Zaun war glücklicherweise wieder erfolgreich), fahren wir am Ziegengehege vorbei, um einen ersten Blick auf die zwei Neuankömmlinge zu werfen. Verängstigt drücken sich die Lämmchen in eine Ecke und werden von den Ziegen noch nicht so wirklich wahrgenommen. Heute kümmert sich Jacob um die Fütterung, morgen sind wir dann dran. Wir hoffen, dass die zwei Sorgenkinder die Nacht gut überstehen und machen uns auf den Weg in den Bungalow, um dort unsere Rucksäcke zu packen. Unser erster Sleep-Out steht uns bevor …

Fortsetzung folgt… am nächsten Freitag!
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Mein Namibia Diary 2017:

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