Sonntag, 10. Februar 2013

::: Rezension: Die Tiefen deines Herzens ~ Antje Szillat :::


< --- Geblubber: Wie gehe ich vor, wenn ich eine Rezension schreibe?


Die Tiefen deines Herzens

·  Autor: Antje Szillat
·  Medium: Hardcover (304 Seiten)
·  Verlag: Coppenrath Verlag (Januar 2013)
·  ISBN: 978-3-649-61113-4
·  Genre: Jugendroman
·  Preis: 14,95 Euro 


 


 


Kurzbeschreibung des Verlages

Marc und ich. Ich und Marc. Wie im Rausch. So stark, so mächtig, so dunkel. Alles andere um mich herum verblasst. Berlin. Meine Eltern. Und auch Felix, mein lieber, wunderbarer Felix, der zu Hause auf mich wartet … 

Während der Sommerferien am Meer begegnet die siebzehnjährige Leni Marc, einem Boxer aus England, der eine unbändige Anziehungskraft auf sie ausübt. Lenis Gefühle für Marc stellen selbst ihre gerade begonnene Liebebeziehung zu ihrem Kindheitsfreund Felix in den Schatten. Als ihre Eltern ihr den Umgang mit Marc verbieten wollen, flieht sie kurzerhand mit ihm nach London. Doch sie muss bald einsehen, dass sie damit einen großen Fehler begangen hat …

Ankas Geblubber

Die erfolgreiche Kinder- und Jugendbuchautorin Antje Szillat entführt ihre Leser erst auf die Ostseeinsel Usedom und dann in die Großstadt London und lässt sie dort eine außergewöhnliche Liebesgeschichte zweier junger Menschen erleben, die dramatischer nicht sein könnte.

"Das hier fühlte sich richtig an. Das war es, was ich wollte. So sollte es sein, so sollte es bleiben. Am besten für immer."
S. 166

Leni ist 17 Jahre alt und gerade mächtig überrumpelt von ihren eigenen Gefühlen. Hatte sie und ihren besten Freund Felix eben nur eine jahrelange und innige Freundschaft verbunden, so hüten sie nun ein süßes Geheimnis, das aus ihnen mehr als Freunde macht. Nach einer Feier kommen sich die zwei näher, küssen sich und schließlich gesteht Felix der verwirrten Leni seine Gefühle. Auch in Lenis Bauch schwirren jede Menge Schmetterlinge. Blöd nur, dass die zwei ihre plötzliche Zuneigung füreinander nicht weiter auskosten können, denn Leni muss die Ferien bei ihrer Tante auf der Ostseeinsel Usedom verbringen, ihre Gedanken bleiben jedoch (vorerst) bei ihrem Felix in Berlin.
Auf Usedom lernt sie Marc, den Stiefsohn ihrer Tante kennen. Marc ist Boxer, wohnt in London und trägt ein düsteres Geheimnis mit sich herum. Seine etwas aufdringliche und neckische Art geht Leni anfangs ziemlich auf den Keks, wobei sie sie auch irgendwie neugierig macht. Alle Versuche, dem attraktiven Sportler aus dem Weg zu gehen, scheitern und schließlich kann sie sich gegen die Anziehungskraft, die von Marc ausgeht, nicht mehr wehren. Nach einem zickigen Schlagabtausch, lassen beide die Hüllen fallen. Der Magnetismus, der anscheinend zwischen den zwei jungen Menschen herrscht, scheint so stark zu sein, dass Leni bereit ist, alles aufzugeben und ihrem Boxer, ohne groß über die Konsequenzen nachzudenken, nach London folgt. In der englischen Metropole zeigt sich, dass Liebe auch zu einer Art Wahn werden und die Mauern schneller zum Einsturz bringen kann, als Leni es je für möglich gehalten hätte...

Auf den ersten Seiten lernen wir Leni und Felix kennen, erleben, wie sie sich als Kinder angefreundet haben und schließlich zu besten Freunden wurden. Herzerwärmend ist mir insbesondere die Baumhaus-Szene, verbunden mit dem süßen Eintritt, in Erinnerung geblieben. Auch der Moment, in dem sich die zwei Jugendlichen näher kommen, wurde so kribbelig und süß beschrieben, dass ich leise aufseufzen musste. Dann beginnt die Zeit plötzlich zu rasen und ich suchte erfolglos nach der Handbremse, um der Story ein bisschen die Geschwindigkeit zu nehmen. Leni sitzt im Zug - Leni ist auf Usedom - 2 Wochen später ist sie immernoch dort - zwischenzeitlich hat sie Marc kennen gelernt... halt, Stop! Das ging mir alles ein bisschen zu schnell. Vielleicht ist es mir deshalb nicht gelungen, einen Draht zu Leni aufzubauen. Auch wenn die junge Protagonistin schon/erst 17 Jahre alt ist, wirkte sie auf mich wie mitten in der Pupertät. Tatsächlich habe ich mich dabei erwischt, wie ich die Seiten zurückblätterte und nochmal nach ihrer Altersangabe suchte. Natürlich verhalten sich alle Jugendlichen anders. Einige mögen mit 17 schon viel weiter und vernünftiger sein als andere, das ist mir bewusst. Trotzdem bereitete mir Lenis zeitweise etwas naives Verhalten Kopfzerbrechen und verständnisloses Schulterzucken. Im Nachhinein denke ich, dass diese Geschichte einfach nochmal 100 Seiten mehr gebraucht hätte, insbesondere im ersten Drittel. Gern hätte ich Leni näher kennen gelernt, um sie schließlich besser verstehen zu können.

Dann kommt Marc ins Spiel. Nicht nur Leni, auch mich hat er fasziniert, vor allem als ich von seinem dunklen Geheimnis erfuhr. Auch über ihn hätte ich gern mehr erfahren und mir ein bisschen mehr Tiefe gewünscht. So konnte ihm dann nur Leni verfallen und zwar hoffnungslos, ganz und gar, mit Haut und Haaren. Warum die zwei ihre Finger nicht so richtig voneinander lassen können, war für mich, aufgrund der fehlenden Bindung zwischen mir und den Charakteren, nicht ganz klar. Natürlich habe ich die Attraktivität gespürt, aber die Emotion, die vor allem auch von Marcs Seite ausgeht, konnte ich nicht so richtig nachvollziehen.

Lenis Gefühlschaos nimmt nun noch größere Ausmaße an, denn was ist mit Felix, den sie doch eigentlich liebt? Sie könnte ihn nie verletzen... oder doch? Diesen Zwiespalt beschreibt die Autorin sehr authentisch. Leni ist hin und hergerissen, wehrt sich mit allen Kräften und setzt einen letzten, verzweifelten telefonischen Hilferuf ab, der (leider) zu spät von Felix wahrgenommen wird und somit zu einem Missverständnis führt. Manchmal ist aller Widerstand zwecklos und schließlich kommt es zu einem Erlebnis, das mich ein bisschen erschreckt hat. Die aufkeimende Leidenschaft, die Neugierde und die beschriebene Anziehungskraft bringt die zwei Protagonisten in eine Situation, in der sie sämtliche Hüllen fallen lassen. Zwar denkt Leni kurz ans Thema Verhütung, verdrängt es dann aber ebenso schnell wieder. Im Nachhinein beschleicht sie ein leichtes schlechtes Gewissen, welches aber von anderen Gedanken verscheucht wird. Ich bin der Meinung, dass diese Botschaft in einem Buch für Jugendliche falsch rüberkommen kann. Auf der anderen Seite wäre es auch ziemlich unpassend gewesen, an dieser Stelle den mahnenden und belehrenden Zeigefinger zu erheben, trotzdem hätte ein Stück weit mehr Aufklärung und Ernstheit dem Thema gut getan, vielleicht in Form eines Gespräches mit der besten Freundin.

Über den spontanen Aufbruch nach London selbst möchte ich keine weiteren Worte verlieren, vielmehr über die Wandlung der Geschichte, die hier passiert. Plötzlich gewann sie für mich spürbar an Dramatik und zeigte mir ganz andere Seiten auf, mit denen ich so gar nicht gerechnet hatte. Die Seiten flogen nur so dahin und ich konnte gar nicht glauben, in welche Richtung sich die Geschichte entwickelt und welches dramatische Ende sie schließlich nimmt. Obwohl ich nicht ganz an die Protagonisten rankam, wurde ich von meinen eigenen Emotionen überrumpelt. Die Tränen flossen, und das nicht zu knapp. Antje Szillat berührte mich mit ihrem einfühlsamen Schreibstil sehr und ich musste an ihren Jugendroman "Solange du schläfst" zurückdenken, der ebenfalls sehr gefühlvoll und herzerwärmend geschrieben ist und mich im Gesamten mehr auf der Gefühlsebene packen konnte.

Mein Highlight dieser Leseerfahrung war nicht nur mein überraschender Tränenausbruch, sondern auch die wundervolle Aufmachung des Buches. Schon allein das Cover macht dieses Buch zu einem Schmankerl fürs Auge. Zwischen den zwei hübschen Buchdeckeln leitet die Autorin jedes Kapitel mit einem passenden Zitat ein, das ein Stück weit auf die folgenden Entwicklungen hindeutet. Ein Zitat war schöner als das andere und passte jedes Mal perfekt in die Geschichte.

Abschließend muss ich gestehen, dass mich die sympathische Autorin Antje Szillat zwar nicht von Anfang an bis hin in die Tiefen meines Herzens berühren konnte, mir jedoch ein besonderes Leseerlebnis beschert hat. Nie hätte ich mit solch einer Wendung gerechnet und nie hätte ich nach den ersten 150 Seiten gedacht, dass mich das Buch am Ende doch noch so mitnehmen kann.

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Antje Szillat hat sich in mein Autoren Poesiealbum eingetragen

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