Mittwoch, 1. Juli 2020

OPFER - Lasst uns hier raus! | Jesper Wung-Sung

Was für die Schülerinnen und Schüler als ein spannendes Abenteuer beginnt, wird, mit jedem Toten, den sie auf dem Sportplatz begraben, schnell zu bitterem Ernst. Benjamin, seine Mitschülerinnen und Mitschüler und natürlich die Lehrer befinden sich in "Opfer - Lasst uns hier raus!" von Jesper Wung-Sung in einer Ausnahmesituation, die mich - insbesondere in der aktuellen Zeit - erschreckende Parallelen zur Realität erkennen lässt. Nachdem eines Morgens ein Lehrer mit Nasenbluten zusammenbricht, wird die Schule in wenigen Stunden zur Quarantänestation. Ein 4 Meter hoher Zaun soll verhindern, dass das Schulgelände verlassen oder betreten wird. Ein hochansteckender Virus breitet sich immer rasanter unter den Isolierten aus. Die Panik steigt. Jedes Hüsteln wird sofort mit misstrauischen Blicken und schließlich mit Ausgrenzung bestraft. Die maulwurfshügelartigen Gräber reichen längst bis zur Mittellinie des Sportplatzes.

Mittwoch, 24. Juni 2020

Neuerscheinungen im Juli 2020


Die erste Hälfte des Jahres 2020 ist so gut wie vorbei. Auch wenn die ersten sechs Monate gänzlich anders verlaufen sind, als wir alle erwartet haben, haben sie uns dennoch viele tolle Neuerscheinungen mitgebracht. Und wisst ihr was? Genau so bunt und abwechslungsreich starten wir auch in die zweite Jahreshälfte. Meine favorisierten Neuerscheinungen möchte ich euch wie immer gern in diesem Beitrag vorstellen. Viel Spaß beim Stöbern!

Thriller




Insel (Hulda #2)
von Ragnar Jónasson
erscheint am 13. Juli 2020 im btb Verlag

Hulda Hermannsdóttir, Kommissarin bei der Polizei Reykjavík, ist auf dem Höhepunkt ihrer Karriere und wird zu einer abgelegenen Insel geschickt. Was ist dort in dem Haus geschehen, das von der Bevölkerung als das isolierteste Haus Islands bezeichnet wird? Huldas Ermittlungen kreuzen Vergangenheit und Gegenwart – und plötzlich ist sie einem Mörder auf der Spur, der möglicherweise nicht nur ein Leben auf dem Gewissen hat …



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Flashback - Was hast du damals getan?
von Andrea Bartz
erscheint am 13. Juli 2020 im Heyne Verlag 

2009: Über den Dächern von Brooklyn feiert eine Gruppe junger New Yorker wie im Rausch. Für Lindsay endet die Party wie so oft mit einem Blackout. Am nächsten Morgen erinnert sie sich an nichts. Doch etwas Schreckliches ist passiert: Während alle feierten, hat sich ihre beste Freundin Edie wenige Stockwerke tiefer erschossen. 2019: Lindsay hat mit den Ereignissen von vor zehn Jahren eigentlich abgeschlossen. Doch dann begegnet sie einer Freundin von damals, und alte Wunden reißen wieder auf. War Edies Tod wirklich Selbstmord? Wer könnte ihr etwas angetan haben? Stück für Stück setzt Lindsay das Bild jener verlorenen Nacht zusammen. Nur ihre eigene Erinnerung lässt sie dabei immer wieder im Stich, und sie beschleicht ein grauenhafter Verdacht.

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Montag, 22. Juni 2020

Nordsee-Nacht | Hannah Häffner | Rezension

Es ist der wahrgewordene Albtraum aller Eltern. Ihr 6-jähriges Kind verschwindet spurlos aus einem Zeltlager und wird auch nach tagelanger intensiver Suche nicht aufgefunden. Dass solch ein grausames Ereignis jedoch nicht nur die Eltern traumatisiert, durfte ich in Hannah Häffners Debütroman „Nordsee-Nacht“ lesen.

Die Autorin beweist ab Seite 1, dass sie einen tollen Blick für Situationen und an ihnen beteiligten Personen hat. Ganz einfühlsam versetzt sie sich in die Lage der quirligen Betreuerin, des an seine Grenzen kommenden Kommissars und eines jungen Einwohners der Kleinstadt Hulthave an der Nordsee, wo das Zeltlager stattgefunden hat. Die gelöste Stimmung im Camp und schließlich die angespannte Atmosphäre nach Friederikes Verschwinden fängt Hannah Häffner feinfühlig ein und macht sie spürbar. Insbesondere Kommissar Wedeland wurde für mich sehr schnell greifbar.

Während der erste Teil des Buches im Jahr 1987 spielt, machen wir im zweiten Teil einen Zeitsprung in die Gegenwart. Friederikes Verschwinden konnte bis heute nicht aufgeklärt werden. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die Presse sofort auf der Matte steht, als am Strand in Hulthave eine bewusstlose Frau aufgefunden wird. Handelt es sich etwa um Friederike? Tatsächlich sind die Ähnlichkeiten frappierend und dass sich die Frau, als sie im Krankenhaus zu sich kommt, an nichts erinnern kann, nicht mal an ihren Namen, befeuert die Journalisten in ihren Schlagzeilen.

Sonntag, 21. Juni 2020

Mittwoch, 17. Juni 2020

MORBUS | Mark Roderick

Das alte, urige Gutshaus inmitten der Weinberge strahlt auf Mara sofort Behaglichkeit aus. Sie ist sich sicher, dass sie hier zur Ruhe kommen und dem städtischen Trubel entfliehen kann. Zusammen mit ihrer kleinen Tochter verlässt sie kurzerhand die laute Großstadt Frankfurt und zieht aufs Land. Angekommen in Naunheim bemerkt sie, wie die Leute hinter vorgehaltener Hand tuscheln. Sie reden vom „Unglückshaus“. Ist damit etwa IHR neuer Rückzugsort gemeint? Liegt es vielleicht daran, dass vor einigen Jahren eine junge Frau im direkten Umfeld des Gutshauses spurlos verschwunden ist? Mara ist Journalistin – klar, dass sie sich sofort in die Recherchen stürzt. Je mehr sie herausfindet, desto unbehaglicher fühlt sie sich. Wird sie beobachtet? Ist sie etwa nicht allein im „Unglückshaus“?

Der neue Thriller von Mark Roderick, erstmals übrigens ein Standalone, klang genau nach meinem Geschmack. Ich liebe es, wenn mich Thriller auf der psychischen Ebene pieksen. Ich brauche kein Blutbad, keine actionreichen Verfolgungsjagden, keine besonders abscheulichen & perfiden Verbrechen. Solch ein leiser Thriller mit der richtigen Portionierung von Grusel- und Spannungsmomenten, im Wechsel mit Phasen zum Durchschnaufen, löst bei mir deutlich mehr aus. Genau zu diesen Büchern zählt MORBUS. Wer einen Schocker erwartet, in dem das Blut nur so spritzt und durch den man atemlos hindurchhetzt, der wird enttäuscht. Wer jedoch nach einem Thriller in leicht unheimlicher Atmosphäre, mit vielen Verdächtigen, unzähligen Fährten und dem ein oder anderen Kribbeln im Nacken sucht, der könnte hier auf ein Lesehighlight stoßen. Aber versteht mich bitte nicht falsch – auch in diesem Thriller passieren grausame Verbrechen. Diese werden beschrieben – ja, aber Mark Roderick lässt seine Leserinnen und Leser nicht „live“ dabei sein. Die etwas zarter Besaiteten unter uns brauchen also nicht mit halb-zugekniffenen Augen lesen...