Mittwoch, 27. März 2019

Das Honigmädchen | Claudia Winter

Einfach mal alles hinter sich lassen – davon träumen viele. Jeden Tag wird von einem erwartet, dass man alles gibt. Sowohl im Berufs- als auch im Privatleben kann einen der immense Leistungsdruck, verbunden mit der ständigen Erreichbarkeit, schnell überrennen.

Camilla ist alleinerziehend und kämpft tagtäglich mit den Herausforderungen des Lebens. Ihr Job verlangt ihr einiges ab, an den Folgen der Trennung von ihrem Mann hat sie noch immer zu knabbern und zu allem Überfluss scheint ihr ihre Teenager-Tochter von Sekunde zu Sekunde mehr zu entgleiten. Auch zu Hause findet sie nicht wirklich Entspannung, denn ihr neuer Nachbar, ein Lebemann wie er im Buche steht, hat von den Begriffen „Zimmerlautstärke“ und „Rücksicht“ noch nicht so viel gehört – und das, obwohl er Schriftsteller ist. Kein Wunder, dass Camillas Zündschnur immer kürzer wird. Sie will es allen recht machen und bemerkt nicht, dass sie selbst dabei völlig auf der Strecke bleibt.

Ich denke, dass sich viele Leserinnen und Leser ein Stück weit in Camilla wiederfinden. Überforderung auf ganzer Linie, das Leben rast an einem vorbei und man selbst versucht hinterher zu hechten. Die Schnelllebigkeit unserer Gesellschaft macht krank, kann schnell zu Depressionen oder einem Burnout führen und gleichzeitig auch Beziehungen kaputt machen. Das Zwischenmenschliche bleibt viel zu oft auf der Strecke. Wie wäre es, wenn man einfach mal stehen bleibt und innehält? Leichter gesagt, als getan? Camilla hat das große Glück, dass das Leben (das Schicksal? der liebe Gott? oder doch einfach nur ihr sorgender Vater?) ihr genau diese Möglichkeit aufzeigt. Drohte ihr eben noch ihr komplettes Leben um die Ohren zu fliegen, sitzt sie jetzt mit ihrer rebellierenden Tochter in einem verschlafenen Örtchen in der Provence. Umgeben von summenden Bienen, duftenden Lavendelfeldern und dem mürrischen Henri, findet sie etwas, nach dem sie eigentlich gar nicht gesucht hat.

Mittwoch, 20. März 2019

Cinder & Ella | Kelly Oram

Aschenputtel im heutigen Hollywood. Gibt es nicht? Gibt es doch!

CINDER & ELLA erzählt ein eigentlich sehr altes Märchen, welches jedoch von der amerikanischen Autorin Kelly Oram geschickt, wie eine Erdbeere ins Schoko-Fondue, in die heutige Zeit getaucht und von moderner Frische ummantelt wurde. Es wird gechattet, Schauplatz ist u.a. eine Fantasy Convention und der Prinz ist ein umjubelter Filmstar. Unser Aschenputtel Ella ist Bloggerin, liebt Bücher und Filme und muss sich nach einem schweren Unfall nicht nur mit dessen heftigen Folgen, sondern auch mit ihrer anstrengenden Stief-Familie herumschlagen.

Auch wenn das Cover vielleicht etwas anderes vermuten lässt, handelt es sich bei CINDER & ELLA nicht um eine New Adult Geschichte, sondern um einen Liebesroman mit Protagonisten im Alter von 18 und 22 Jahren.

Gleich zu Beginn der Geschichte erleben wir den furchtbaren Autounfall mit, bei dem Ellas Mutter ums Leben kommt und Ella selbst lebensbedrohliche Verletzungen davonträgt. Sie erleidet an 70% ihres Körpers Verbrennungen, muss mehrfach operiert werden und verbringt harte acht Monate in einem Krankenhaus, bis sie endlich entlassen wird. Ihr vorheriges Leben scheint wie ausgelöscht. Der Kontakt zu ihren Freunden ist abgebrochen und ihr einstiges Zuhause existiert nicht mehr. Ihr Vater, der seine Familie vor zehn Jahren verlassen hat, wird zu Ellas neuem Vormund und nimmt sie in seine neue „perfekte“ Hollywood-Familie auf.

Sonntag, 17. März 2019

Booktube Empfehlungen

#sharethelove - das Motto meines heutigen Videos! Da Booktube seit vielen vielen Jahren zu meinem Alltag dazugehört und ihn massiv bereichert, möchte ich euch heute meine aktuellen Lieblingskanäle vorstellen. Welche Kanäle schaut ihr am liebsten? Macht mit und #sharethelove


Mittwoch, 13. März 2019

Kaschmirgefühl | Berndhard Aichner

Bildquelle: vorablesen.de
Pünktlich zu seinem Erscheinen habe ich mir das Hörbuch zu Bernhard Aichners neuem Roman „Kaschmirgefühl“ angehört. Hierbei sind gleich zwei Fakten besonders spannend. Zum einen kennen wir Bernhard Aichner als ausgezeichneten Thriller-Autor. Mit „Kaschmirgefühl“ präsentiert er nun seinen ersten Liebesroman. Kann ein Thrillerautor auch Liebesromane?

Zum anderen fällt „Kaschmirgefühl“ aufgrund seiner Erzählweise besonders auf. Brief- oder E-Mail-bzw. Chatromane haben wir schon viele gelesen, doch wie sieht es mit „Telefon-Romanen“ aus? Bernhard Aichner lässt seine zwei Protagonisten ausschließlich telefonieren, d.h. das komplette Buch besteht aus einem (durch kurze Pausen unterbrochenen) Dialog.

Somit haben wir es hier mit gleich drei ersten Malen zu tun:
  1. Bernhard Aichner hat seinen ersten Liebesroman geschrieben.
  2. Dies ist (meines Wissens) der erste Roman, der ausschließlich aus Telefongesprächen besteht.
  3. Unser Protagonist Gottlieb ruft zum ersten Mal bei einer Sex-Hotline an.
Und genau so starten wir in die Geschichte. Zum Inhalt selbst möchte ich gar nicht viele Worte verlieren, nur so viel: Gottlieb ruft bei einer Sex-Hotline an, jedoch nicht aus demselben Grund, den andere Anrufer haben. Am Telefon hat er Yvonne, die ihm ein unvergessliches Telefonat verspricht. Eigentlich heißt Yvonne Marie und eigentlich sind ihre Absichten ebenfalls ganz andere.

Dienstag, 5. März 2019

Lucky Loser | Heidemarie Brosche

Manchmal scheint es so, als würde wirklich alles schief gehen. Erst wird Lukas „Lucky“ Loser zum wiederholten Mal beim Schwarzfahren erwischt und daraufhin zu Sozialstunden im Altenheim verdonnert, dann blockiert ihn seine Freundin Kim plötzlich auf WhatsApp. Der 15-jährige würde sich am liebsten in sein Zimmer verkrümeln, GTA zocken und all den Problemen den Rücken zukehren, doch stattdessen stapft er missmutig in das Altenheim, in dem er in den kommenden Tagen seine „Strafe“ ableisten muss. Dass ausgerechnet ein alter Mann mit einem dunklen Geheimnis Lukas Leben verändern wird, ahnt der Junge natürlich noch nicht, als er das Büro der Heimleitung betritt.

Ich bin erstaunt, welch schöne und intensive Geschichte man auf nur 144 Seiten erzählen kann. Aufgrund des nicht wirklich ansprechenden Covers war ich zu Beginn noch etwas skeptisch, doch bereits nach wenigen Seiten hatte mich die Geschichte in ihren Bann gezogen. Das lag nicht zuletzt an dem herrlichen Humor, den die Autorin Heidemarie Brosche ihrem jungen Helden schenkt. Gespickt mit viel Situationskomik erzählt sie erfrischend und frech die berührende Geschichte über die Begegnung zwischen Lukas und Willy Winning.