Mittwoch, 10. August 2011

[Rezi] Die Frau am Fenster - Elk von Lyck



·  Taschenbuch: 338 Seiten
·  Verlag: BoD (März. 2010)
·  ISBN: 978-3839164303
·  Preis: 21,90 Euro


Klappentext:
Achim Oster leidet unter Schlaflosigkeit. Eines Morgens steht er in aller Frühe auf und erwirbt bei einem Trödler einen Haufen alter Fotos. Darunter befindet sich das Porträt einer jungen Frau, welches im Jahre 1929 angefertigt wurde. Die Frau, sie sitzt an einem Fenster, besitzt eine außergewöhnliche Ausstrahlung, ihr Blick und ihr Lächeln faszinieren Achim.
Wegen seiner Schlaflosigkeit sucht Achim einen Psychotherapeuten auf. Eine Rückversetzung in seine Kindheit mittels Hypnose erinnert ihn an einen Traum, in dem ein Zug eine wichtige Rolle spielt. Weitere Sitzungen erbringen Hinweise auf ein Trauma, welches im Zusammenhang mit der Ladung des Zuges, einem Flugzeugwrack, steht. Es hat den Anschein, als sei er in das Leben eines Mannes geraten, der Max Lehnfeldt hieß und als Pilot und Kunstmaler arbeitete - und dieser Mann ist er selbst.
Achim zweifelt an seiner geistigen Gesundheit, doch er ist auch neugierig. Bei jeder Sitzung kommt mehr von dieser anderen Existenz zum Vorschein. Nicht bloß Details, ihm begegnet auch jene Frau, die er bislang nur von dem Foto kannte. Er fängt an, nachzuforschen. 
(Quelle)

Die Frau am Fenster - ein Roman, der mich sehr beeindruckt hat. Normalerweise bin ich kein Fan von "ruhigen" Romanen - ich brauche immer ein bisschen Spannung oder Witz. Doch bereits nach den ersten Seiten war mir klar, das mir dieser Roman doch gefallen wird. Der Autor Elk von Lyck hat einen wortreichen, bildlichen, intelligenten und sehr angenehmen Schreibstil, der sich flüssig lesen lässt.
Zu Beginn des Buches lernen wir Achim kennen, einen erfolgreichen Rechtsanwalt, der von Schlafproblemen geplagt wird. Seine Lebensgefährtin rät ihm, einen Psychologen aufzusuchen. Obwohl Achim ziemlich skeptisch ist, vereinbart er einen Termin und findet sich wenig später in einer Hypnose wieder. Er reist in seine Kindheit, um auf Ursachensuche zu gehen. Der Psychologe ist sich sicher, dass ein traumatisches Erlebnis zu Achims Schlafstörungen geführt hat. Bald ist ein Auslöser gefunden, der Achim aber noch weiter zurück führt - in sein früheres Leben als Max Lehnfeldt. Achim ist Feuer und Flamme und will mehr über Max und sein früheres Ich erfahren. So begibt er sich immer und immer wieder zurück in die 20er/30er Jahre.

Elk von Lyck nimmt den Leser mit auf eine spannende Reise durch die Zeit. Nachdem wir auf einem Spaziergang mit Achim seine Stadt Berlin kennengerlent haben, begegnen wir Max in Paris. Max ist ein junger Künstler, der den Durchbruch jedoch noch nicht geschafft hat. Zusammen mit seinen Künstlerfreunden lässt er sich von der Stadt der Liebe inspirieren. Er lernt Fiona kennen, eine junge Engländerin, die ihn und Achim nicht mehr loslässt. Denn auch Achim ist dieser Frau bereits begegnet - auf einem alten Foto, das er auf einem Trödelmarkt erstanden hat.

Für diesen Roman war wohl eine umfangreiche Recherche und ein großes Wissen nötig. Auf einer Sightseeing Tour von Max und Fiona in Paris lernt auch der Leser das alte Paris detailgetreu kennen. Obwohl man teilweise das Gefühl hat, dass sich der Autor in zu detaillierten Beschreibungen verliert, haben sie dem Lesefluss keinen Abbruch getan, ganz im Gegenteil, mich haben sie sogar gefesselt und noch tiefer in den Roman eintauchen lassen. Ich konnte Paris förmlich riechen, die Geräusche hören und die beschriebenen Speisen schmecken.

Auch die nächste Station, Max Heimat Ostpreußen, wird wunderbar beschrieben und man merkt, dass der Autor sicherlich selbst vor Ort war und sich die Schauplätze für seinen Roman gut eingeprägt hat.

Ich könnte noch viel mehr von diesem gelungenen Debüt schwärmen. Immer wieder musste ich eine Lesepause einlegen, um mir geistreiche, interessante und schöne Zitate zu notieren. Nie hätte ich gedacht, dass ich mal so begeistert von einem Roman dieser Art sein werde. Im Gedächtnis geblieben ist mir vor allem die Sightseeing Tour durch Paris, insbesondere der Besuch in einer Boutique. Eine Gänsehaut bekam ich, als sich Achim im Heute auf die Suche nach einer Verbindung zu seiner Vergangenheit macht, als er die Wohnung von Agnes, Max jüngerer Schwester findet oder ein altes Gemälde von Max.

Die Liebesgeschichte von Max und Fiona wird nicht intensiviert, sondern bleibt einfach etwas besonderes, unnahbares und unantastbares, was mir sehr gut gefallen hat.

Alles in allem ein wundervoller Roman, für den man sich Zeit nehmen sollte, der sich nicht mal eben so nebenbei lesen lässt und der einen belohnt, indem er seinen Leser auf einer wunderbare Reise durch die Zeit entführt.


Wenn ihr mehr über den Autor erfahren wollt, besucht ihn doch mal auf seiner Homepage.
Dort findet ihr, neben weiteren Infos zum Buch, eine Fotogalerie von den Originalschauplätzen des Romans. Ebenso gewährt der Autor Einblick in sein nächstes Projekt.

Kommentare:

  1. Toll geschrieben! Wie ich sehe, hat dich das Buch auch sehr beeindruckt. :)

    LG Sylvia

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  2. Eine sehr schöne und nach meinem Empfinden sehr treffende Rezension. Mir hat auch die präzise / umfangreiche Recherche die im Roman offenbar wird sehr imponiert.
    Gruß, Kane

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