Freitag, 9. September 2011

[Rezi] Zwischen zwei Nächten - Edith Kneifl


 
·  Paperback: 152 Seiten
·  Verlag: Haymon Tb. (Juli 2011)
·  ISBN: 978-3-85218-888-1
·  Preis: 9,95 Euro

Infos über die Autorin







Als ich dieses tolle Cover das erste Mal entdeckte, war ich sofort hin und weg. Man sieht den Arm und die Hand einer Frau, die einen Spiegel hält, in dem sich ein junges Frauengesicht spiegelt. Nachdem ich auch den Klappentext gelesen hatte, war mir klar, dass ich diesen Roman unbedingt lesen möchte.

Auf 149 Seiten erzählt die mehrfach ausgezeichnete Autorin Edith Kneifl die Geschichte zweier Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Ann-Marie pumpt sich Geld von sämtlichen Bekannten, um von New York zurück in ihre alte Heimat Wien zu reisen. Jedoch ist der Anlass ihrer Reise ein dramatischer. Ihre langjährige Freundin Anna hat sich, laut Aussagen ihres Mannes, das Leben genommen. Ann-Marie kann und will das nicht glauben, denn in wenigen Tagen wollte Anna ihren Mann und ihre Heimat verlassen, um zusammen mit ihrer Freundin in New York ein neues Leben zu beginnen. 

"Ich sehne mich nach einem wilden, unsicheren Leben, ich will endlich dieser trügerischen Dachterrrassenidylle entkommen. Eingesperrt in meinen Elfenbeinturm, hoch über den Dächern der Stadt, denke ich an nichts anderes mehr als an Flucht."
S. 72

Der Aufbau des Romanes hat mir sehr gefallen. In kurzen, sich abwechselnden Absätzen werden Vergangenheit und Gegenwart geschildert. Vor zwei Monaten nämlich, war Ann-Marie bereits schon mal in Wien. Zu diesem Zeitpunkt hat ihr Anna eröffnet, dass sie einen Schlussstrich unter ihr Leben als erfolgreiche Architektin und betrogene Ehefrau setzen und neu in New York beginnen möchte. Der Leser lernt die Frau in den Vierzigern in den Rückblenden sehr gut kennen. Aufgrund ihrer reichen Eltern hat es ihr nie an Geld oder materiellen Dinge gefehlt. In Alfred hat sie einen anfangs sehr fürsorglichen Ehemann gefunden. Doch der Schein trügt und Anna fühlt sich mehr und mehr einsam.
In den Absätzen, die in der Gegenwart spielen, geht der Leser an Ann-Maries Seite auf Spurensuche.

Nach einem etwas holprigen Start, begann mich die Geschichte neugierig zu machen. Anfangs haben mich die doch sehr ähnlichen Namen Ann-Marie und Anna verwirrt und auch der schnelle Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit hat mich irritiert. Doch nach wenigen Seiten hatte ich mich an diesen Schreibstil gewöhnt und ließ die Seiten nur so fliegen.
Ich hatte das Gefühl, dass die Autorin auf großartige Textausschmückungen verzichtet. Hier stehen die Dialoge, Monologe und Gedanken im Mittelpunkt. Der Leser spürt, dass die zwei Freundinnen eine innige, gefühlvolle Beziehung verbunden hat.

"Eines Tages erkannte ich, dass meine Existenz bloß noch eine reine Formalität war. Jeder nahm sich das Recht heraus, über mich zu bestimmen. Ich begriff plötzlich, dass ich immer nur das gewesen bin, was andere aus mir gemacht haben (...)"
S. 57

Die Absätze sind meistens sehr kurz gehalten. Sie erstrecken sich über eine bis zwei Seiten. Die Übergänge sind der Autorin hervorragend gelungen. Spricht Anna in einem Absatz in der Vergangenheit über Kälte, wird im nächsten Absatz in der Gegenwart die Heizung angedreht.

Die wohl merkwürdigste Textstelle erstreckt von Seite 88 bis Seite 102. War es der Leser gewohnt, in kurzen Absätzen zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her zu springen, hängt er plötzlich in einem nicht enden wollenden Monolog von Anna fest. Dieser besteht quasi aus einem Satz. Die Satzzeichen fehlen komplett. Gewöhnungsbedürftig, aber wenn man sich auf diese ungewöhnliche Textpassage einlässt, findet man auch Gefallen daran.

Obwohl die erwartete Spannung eines Kriminalromanes ausblieb, habe ich auf den letzten Seiten die Luft angehalten und mich noch kurz in die Irre führen lassen, doch dann konnte ich das Buch mit einem etwas fiesen Schmunzeln zuschlagen.

Kommentare:

  1. Magst du mal nach dem neuen Design schauen? Ist gut geworden, denk' ich mal. http://sabatea-liburuak-ime.blogspot.com/2011/09/fertig.html

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  2. Dunkel - aber absolut passend zu deinem Blog :)

    LG, Anka

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