Sonntag, 11. März 2012

[Hörbuch-Rezension] Julischatten - Antje Babendererde


·  Titel: Julischatten
·  Autor: Antje Babendererde
·  Sprecherin: Inga Reuters
·  Hörbuch: 4 CDs (Laufzeit 4h 54 min)

·  Verlag: Jumbo Verlag (Februar 2012)

·  ISBN: ISBN 978-3-8337-2930-0

·  FSK: empfohlen ab 12 - 15 Jahren

·  Preis: 19,99 Euro
 
Kurzbeschreibung
Sim heißt eigentlich Simona und will um jeden Preis auffallen. Und das tut sie wie ein bunter Hund im Reservat Pine Ridge im Nordwesten der USA, mit ihren merkwürdigen kurzen Haaren, ihren verrückten Klamotten und dem schiefen Lächeln. Doch als sie die unzertrennlichen Freunde Jimi und Lukas kennenlernt, ändert sich etwas für sie. Denn der blinde Lukas zeigt ihr eine ganz neue Sicht auf die Welt und auf sich selbst, und in den attraktiven Jimi verliebt sie sich Hals über Kopf. Doch die Dinge in Pine Ridge sind nicht so, wie sie scheinen. Während die Ereignisse sich überschlagen, muss Sim erkennen, dass sie sich für einen der beiden Jungen entscheiden muss.

Ankas Geblubber

Schon das ein oder andere Mal bin ich an einem der Jugendbücher von Antje Babendererde hängen geblieben und habe mir die Kurzbeschreibung durchgelesen. Das Thema Indianer wurde in jeder Beschreibung groß geschrieben. Obwohl ich ein großer Winnetou-Fan bin, haben es die Bücher jedoch nie geschafft, meine Neugierde so anzufachen, dass ich auch zu einem gegriffen habe. Als ich nun aber das neueste Hörbuch der Autorin entdeckt habe, wusste ich, nun ist die richtige Zeit gekommen! Und so machte ich mich, an Sims Seite, auf in das große Indianerreservat Pine Ridge und lernte dort ein ganz anderes Leben kennen.

Sim ist ein junges deutsches Mädchen, das mitten in der Pupertät steckt, ihre Grenzen austestet, versucht sich selbst zu finden und dabei die positiven und negativen Auswirkungen des Alkohols kennen lernt. Wie (heutzutage leider viel zu) viele Jugendliche, versucht sie ihre Probleme und Ängste im Alkohol zu ertränken, was zum wiederholten Mal nicht nur für Ärger sorgt, sondern auch mit einer Alkoholvergiftung endet. Sims Eltern sind ratlos und schicken ihre Tochter zu ihrer Tante, die vor Jahren nach Amerika ausgewandert ist. Dort betreibt sie einen kleinen Shop im Indianerreservat Pine Ridge. Im Reservat sind Alkohol und Drogen strengstens verboten. Das junge Mädchen soll ihre Tante unterstützen, ihr bei der Arbeit helfen und sich um die Pferde kümmern. Natürlich ist sie alles andere als begeistert, fügt sich aber ihrem Schicksal.
In Pine Ridge angekommen, lernt sie gleich die zwei "Blutsbrüder" Jimi und Lukas kennen. Jimi ist der typische Schönling und Macho, Lukas hingegen wirkt eher ruhiger, melancholisch und freundlich. Er ist blind und sieht die Welt "mit anderen Augen". Sim ist fasziniert von beiden. Lukas wird für sie ein echter Freund, dem sie ihre Ängste anvertrauen kann und zu Jimi fühlt sie sich von Anfang an hingezogen.


Diese Dreiecksgeschichte hat mich ein bisschen genervt. Sim hat, meiner Meinung nach, sehr bewusst mit den Gefühlen der Jungs gespielt, was sie sehr unsympatisch und egoistisch wirken lässt. Ihre Art ist sehr jugendhaft und naiv und hat mich stellenweise genervt. Jimi oder Lukas? Abenteuer oder Liebe? 
Allein der Charakter Lukas ist mir ans Herz gewachsen. Gern hätte ich mehr über ihn und seine Gedanken erfahren. 


Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Sim, Jimi und Lukas erzählt, sodass einem die Gefühle aller drei sofort bekannt sind und man weiß, was jeder über den anderen denkt.


Das Tolle an diesem Hörbuch war für mich der Einblick ins Reservat Pine Ridge, den uns die Autorin hier gibt. Sie war selbst vor Ort, deshalb fallen ihre Beschreibungen sehr bildlich und authentisch aus. Ich konnte das Reservat quasi vor mir sehen und war fasziniert von ihren Schilderungen. Nichts mit Wild West Romantik, Sonnenuntergängen und langen Ausritten. Obwohl Alkohol und Drogen strikt verboten sind, steht deren Konsum auf der Tagesordnung. Die Hoffnungslosigkeit der Jugendlichen macht sich auch in der hohen Schwangerschaftsrate der unter 18-jährigen bemerkbar. Sie leben in Armut, werden ignoriert und sehen sich täglich mit Gewalt konfrontiert. Was haben diese Jugendlichen für eine Zukunft? Ein erschreckender Einblick, der mir eine ganz neue Welt präsentiert hat.


Das Hörbuch wird von Inga Reuters gelesen. Ihre Stimme klingt angenehm sympatisch und hat das Zuhören ganz leicht gemacht.


Zusammenfassend kann ich sagen, dass das Hörbuch "Julischatten" nicht zu meinen Favoriten gehört. Die jugendlich-naive Geschichte rund um Sim, Jimi und Lukas hat mich stellenweise genervt und gelangweilt. Die Beschreibungen des Reservates jedoch, konnten mich immer wieder fesseln und interessiert aufhorchen lassen. Deshalb wird es sicher nicht das letzte (Hör-)buch der Autorin gewesen sein, das mich in seine Geschichte entführen konnte. Antje Babendererdes Jugendbücher haben größtenteils alle mit dem Leben in einem Reservat zu tun und da mich diese erschreckende Welt sehr berühren konnte, möchte ich zukünftig mehr über sie lesen.

1 Kommentar:

  1. Ein Film über das Leben im Reservat und zwei unterschiedliche Charaktere, die sich auf eine abenteuerliche Reise machen, wäre mein Favorit zum Thema. 'Powwow Highway' ist gleichzeitig so ernst, wie er komisch ist. Ein naives, großes Kind und ein Aktivist raufen sich zusammen.
    Ist vielleicht interessant für Dich (ich kenne leider nicht soviele Bücher) :-)

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