Donnerstag, 26. April 2012

[Rezension] Der Schattengänger - Monika Feth


·  Titel: Der Schattengänger
·  Autor: Monika Feth
·  Sprecher: J. Nachtmann, R. Lemnitz, J. Suhm
·  Medium: Hörbuch (5 CDs, Laufzeit ca. 06h 01min)
·  Verlag: Goya libre (April 2009)
·  ISBN: 978-3-8337-2278-3
·  Genre: Jugendthriller (FSK 14 Jahre)
·  Preis: 12,99 Euro





Reiheninfo:
(1) Der Erdbeerpflücker
(2) Der Mädchenmaler
(3) Der Scherbensammler
(4) Der Schattengänger
(5) Der Sommerfänger 


Kurzbeschreibung des Verlages 

Ich liebe Dich …
Ich brauche Dich …
Ich werde Dich kriegen!

Gerade ist es wieder ruhig geworden in der WG von Jette und Merle, als Jettes Mutter, die Bestsellerautorin Imke Thalheim, unerwartet verreist. Jette spürt sofort: Da ist etwas nicht in Ordnung. Und tatsächlich - ihre Mutter flieht vor einem Stalker. Er schreibt ihr Briefe, terrorisiert sie mit Telefonanrufen und bricht schließlich sogar in ihr Haus ein. Durch ihre Reise gelingt es Imke, sich ihm zu entziehen. Sie ahnt noch nicht, dass sie Jette damit in tödliche Gefahr bringt.
Das gleichnamige Buch ist im cbt Verlag erschienen.

Hörprobe


Hier könnt ihr mal kurz ins Hörbuch hineinlauschen. Meiner Meinung nach wurde eine tolle Stelle rausgepickt, in der man den Stalker förmlich spüren kann. Außerdem gefällt mir in diesem Abschnitt Regina Lemnitz auch sehr gut. Sie hat eine sehr angenehme Stimme, der man (meistens) gern zuhört.
Ankas Geblubber


Nachdem mich vor einiger Zeit bereits der erste Teil "Der Erdbeerpflücker" der Reihe rund um Jette begeistern konnte, musste ich nicht lang überlegen, als ich "Der Schattengänger" in der Bücherei entdeckte. Ich musste feststellen, dass es bereits der vierte Teil der Feth'schen Thrillerreihe ist, was mir beim Hören aber nicht großartig aufgefallen ist. Alle Geschichten sind in sich abgeschlossen. Natürlich ist es von Vorteil, wenn einem die Vorgeschichte nicht ganz fremd ist, zum Verständnis des einzelnen (Hör-)buches ist sie aber nicht nötig.

Jette hat gerade ihre Schulzeit beendet und absolviert ein Freiwilliges Soziales Jahr in einem Alterswohnheim. Zusammen mit ihrer besten Freundin Merle, die auch gleichzeitig ihre WG-Mitbewohnerin ist, macht sie sich auf die Suche nach einer neuen Bleibe. Mit ihrer alten WG verbinden die Mädchen keine schönen Erinnerungen. Außerdem nimmt Merle, als engagierte Tierschützerin, immer wieder übergangsweise herrenlose Katzen auf, sodass mehr Platz benötigt wird. Während sich die zwei Mädchen also ein altes Bauernhaus anschauen, bekommt Jettes Mutter einen "Fanbrief" der etwas anderen Art. Imke Thalheim ist erfolgreiche Krimiautorin und sieht sich plötzlich mit dem Thema Stalking konfrontiert. Sie erhält Briefe, Anrufe und fühlt sich beobachtet. Es geht sogar soweit, dass der unbekannte Stalker in ihr Haus eindringt und ihr eine Botschaft hinterlässt.
Mit von der Partie ist natürlich auch wieder der sympatische Hauptkommissar Bert Melzig, der den Fall "Thalheim" ganz oben auf seine Proiritätenliste setzt. Dass es sich für ihn hierbei nicht um einen Fall "wie jeder andere" handelt, merken wir schnell. Er fühlt sich zu der attraktiven Autorin hingezogen.

Stalking ist ein sehr komplexes und unheimliches Thema, mit dem ich mich in diesem Hörbuch gern intensiver auseinander gesetzt habe. Dadurch, dass die Geschichte aus vielen verschiedenen Perspektiven erzählt wird, bekam ich die Möglichkeit, auch in die Psyche des Stalkers hineinzuschauen und diesen Menschen kennen zu lernen. Was sind seine Beweggründe? Was fasziniert ihn so an Imke Thalheim? Wie wurde aus Bewunderung Fanatismus bzw. pure Besessenheit? Was geht in ihm vor, wenn er mitbekommt, dass sich Imke vor ihm fürchtet und ihn sogar verabscheut? Gesprochen wird der Stalker Manuel von Johannes Suhm, der mir in diesem Hörbuch von allen drei Sprechern am besten gefallen hat. Er hat Manuel eine einzigartige Stimme verliehen und den Wörtern Leben eingehaucht. 
Weniger gefallen haben mir Julia Nachtmann, die zum wiederholten Male Jette ihre Stimme leiht und Regina Lemnitz, die die anderen Perspektiven z.B. die von Imke Thalheim und Bert Melzig spricht. Beide Stimmen sind zwar sehr angenehm, jedoch hatte ich immer wieder das Gefühl, dass sie sich in der Lautstärke vergreifen. Oft wurde sehr laut gesprochen, wobei das Gefühl auf der Strecke blieb. Erst gegen Ende laufen auch diese beiden Sprecher zur Höchstform auf und reißen einen förmlich mit. Ich habe die Angst, die Verzweiflung und die Panik deutlich gespürt.

Inhaltlich konnte mich Jettes "vierter Fall" voll uns ganz überzeugen. Obwohl mir der Stalker bereits am Anfang vorgestellt wurde und ich ahnen konnte, worauf die Geschichte hinaus läuft, blieb die Spannung konstant erhalten. Besonders toll fand ich es, mehr über Jettes Mutter Imke Thalheim zu erfahren, vor allem über ihre Autorentätigkeit aber auch ihren Umgang mit dem Stalker. Mein persönliches Schmankerl war das leise, verbotene Knistern zwischen der Autorin und dem Hauptkommissar, das wie ein zarter Windhauch immer wieder zu spüren war, aber nie zu einer Böe oder gar einem Orkan ausgeartet ist.

Auch bei Jette knistert es wieder. Nach ihrer ersten großen Liebe, die in einem wahren Albtraum geendet ist, ist das junge Mädchen äußert sensibel und vorsichtig geworden, was den Kontakt zum anderen Geschlecht angeht. So hat es mich anfangs etwas überrascht, wie schnell sie sich auf den ihr noch recht fremden Luke einlässt. Als sie jedoch von dem Stalker ihrer Mutter erfährt, fühlt sie sich in die Vergangenheit zurückkatapultiert und misstraut ihrem neuen verschlossenen Verehrer. Als sie ihn auch noch völlig unerwartet im Haus ihrer Mutter antrifft, befürchtet sie das Schlimmste. Ich bin gespannt, ob Luke im nächsten Fall noch mal auftaucht, denn er wird doch ziemlich geheimnisvoll beschrieben, sodass noch einige Fragen offen bleiben.

"Der Schattengänger" ist der vierte Teil der spannenden Jugendthriller-Reihe von Monika Feth, in dem die sympatischen und lieb gewonnenen Charaktere einem Stalker gegenüber stehen. Spannung, Grusel und Nervenkitzel sind hier vorprogrammiert. Die Stimme des "Schattengängers" geht unter die Haut und beschwert Thrillerfans ein aufwühlendes Hörvergnügen.

Weiterführende Infos

Dieses (Hör-)Buch war auch bei anderen Bloggerkolleginnen bereits Gesprächsthema. Schaut doch mal vorbei bei...


Kommentare:

  1. Ach, ein Hörbuch könnte ich mir auch mal wieder gönnen. Dieses Audiobook hört sich schon mal spannend an und deine Rezi liest sich echt gut. Macht auf jeden Fall Lust drauf, wenngleich ich es schon sehr schaurig finde, in die Gedanken eines Stalkers zu schauen, der das alles halt ganz anders wahrnimmt. Wenns dann noch so gut gesprochen ist ... *bibber*. Die Reihe kenne ich bisher nur vom Cover. Vielleicht leg ich mir da wirklich mal die Hörbücher zu. Danke für den tollen Tipp!

    LG Reni

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    1. Hi Reni!
      Danke für deine lieben Worte. Ich kann dir die Reihe wirklich empfehlen. Und ja, es ist wirklich gruselig, die ganze Situation aus dem Blickwinkel des Stalkers zu erleben. Seine Besessenheit, seine Wut... puh, aber wirklich gut gelesen und vorgetragen. Vielleicht fängst du aber lieber beim Erdbeerpflücker an, um die Charaktere von Anfang an kennen zu lernen.
      Liebe Grüße
      Anka

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  2. Hallo, Anka.
    Ein anregendes Hörbuch, wie Du es beschreibst. Gute Thematik.
    Stalker - egal ob männlich oder weiblich - zeichnen sich durch einen erschreckenden Mangel an Respekt aus. Es zählt nur die Befriedigung der eigenen Obsession. Der Mensch in ihrem Fadenkreuz ist zum Objekt degradiert. Zum angebeteten zwar - aber zum Objekt. Für den Stalker steht völlig außer Acht, das das Opfer nicht für ihn/sie bestimmt ist, nur dadurch überhaupt leben kann. Zwar projeziert der Stalker seine "tiefen Gefühle" auf sein Opfer - aber es bleibt eine Straße ohne Wiederkehr. Stalker sind manisch Ich-bezogen und außer zur Selbstliebe zu keiner anderen mehr fähig.
    Aufrichtige Liebe basiert auf dem Vertrauen von Geben, Nehmen, Teilen. Das Glück des anderen ist einem so wichtig wie das eigene. Wertschätzung wird zum gemeinsamen Gut.

    "Liebe ist nicht das Verlies, dem der Wächter vorsteht. Liebe ist die Selbstlosigkeit den Kerker aufzustoßen und die Wände einzureißen. Respekt aber ist, die Steine erst garnicht aufzutürmen."
    (Myrelles Minotier)

    bonté

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    1. Bonjour bonté!
      Jaaa, eine sehr spannende Thematik, die ich viel gruseliger finde als einen bestialischen Mord. Das Spiel mit der Psyche ist spannend!
      Das Zitat von Myrelles Minotier (ich nehme an, es stammt aus deinem umfangreichen Fundus) ist wieder passend gewählt. Ich werde mal drüber nachdenken. Das Bild des Verlieses ist merkwürdig aber auch interessant... nur selten verbindet man ein Verlies mit der Liebe.
      Danke für deine Worte!
      Auf bald! Anka

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  3. My regard Mistress Anka...oder kurz
    Hi! :-)
    Das Ideal der ehrlichen gegenseitigen Liebe ist natürlich die angenehmst schöne Weise der Gefühlswelle. Wenn Liebe allerdings eigensüchtiger Art ist, scheitert die Beziehung böse. Hinterläßt gar ein zerbrochenes Herz.

    Das Zitat war mir wie stets eine Freude aufzuschreiben. War auch fix bei der Hand. Hmmm, beim Vornamen von Miss Minotier ist mir doch glatt ein "s" reingerutscht. Sorry.
    Auf bald wieder...

    bonté ;-)

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