Sonntag, 20. Mai 2012

[Rezension] Unsichtbare Blicke - Frank M. Reifenberg


 Unsichtbare Blicke

·  Autor: Frank Maria Reifenberg
·  Medium: Paperback (400 Seiten)
·  Verlag: Rowohlt Verlag (März 2012)
·  ISBN: 978-3-499-21617-6
·  Genre: Jugendthriller (empf. ab 16 Jahren)
·  Preis: 12,99 Euro

Kurzbeschreibung des Verlages 

«Du bist ein Schwein», flüsterte ich. «Kannst du mich auch hören?»
«Nein», antwortete er. Dann begann er, sich zu entschuldigen, es schönzureden; dass er auf mich aufgepasst hätte, nicht mehr, nur aufgepasst. Ich starrte auf den Bildschirm, in die winzige Kamera. Sollte er so viele Bilder von mir machen, wie er wollte. Sollte er die Tränen sehen. Und die Wut. Und die Verachtung. «Wer bist du?», schrie ich. Immer wieder. Wer bist du. Wer. Wer. Wer. Bist. Du.
 

Ankas Geblubber

Ist das nicht eine super gruselige Vorstellung? Ihr sitzt vor eurem PC/Laptop und merkt nicht, dass ihr durch die kleine, integrierte Kamera beobachtet werdet... Schon allein bei der Vorstellung läuft mir ein kalter Schauer den Rücken hinunter.
Dass es nicht unmöglich ist, erzählt uns Frank Maria Reifenberg in seinem aktuellen Jugendthriller "Unsichtbare Blicke".

Die Geschichte wird aus drei Hauptperspektiven erzählt. Zuerst lernen wir Josie kennen. Josie ist 17 Jahre alt, geht noch zur Schule, lebt zu Hause bei ihren strengen Eltern und zieht sich am liebsten in die anonymen Weiten des Internets zurück. Schnell lernt sie in einem Chat Geronimo kennen, einen netten Kerl, dem sie sich gern anvertraut. Josies Passagen werden direkt aus der Ich-Perspektive erzählt, sodass einem das junge Mädchen schnell vertraut wird und ich mich ohne Probleme in ihre Gedanken hineinversetzen konnte.

Die kursiv gedruckten Passagen sind aus der Perspektive des Täters geschrieben und geben hauptsächlich Erlebnisse aus seiner Vergangenheit wieder, angefangen in der frühen Kindheit. So lernen wir den Täter Stück für Stück kennen und erfahren, welche grausamen Erlebnisse ihn zu dem Mann gemacht haben, der er heute ist.

Stella van Wahden und Miki Saito kommen ins Spiel, als eine Mädchenleiche entdeckt wird. Dies ist die dritte Erzählperspektive, die uns Einblicke in die Polizeiarbeit, die Spurensuche und die nervenaufreibenden Ermittlungen gewährt. Obwohl wir auch etwas in das Privatleben der Kommissarin hineinschauen können, bleiben die Charaktere in diesen Abschnitten eher blass, wirken aber nicht uninteressant oder unsympatisch.

Eine düstere Spannung zieht der Autor gekonnt wie einen roten Faden durchs gesamte Buch. Wir werden mit vielen Hintergrundinformationen versorgt, insbesondere was den Täter und seinen Werdegang betrifft. Diese Schilderungen sind stellenweise etwas hart, brutal und eklig. Sie ließen mir die Nackenhaare zu Berge stehen. Dass dieser Psychopath keine Schmerzensgrenze besitzt, wurde mir bald klar - umso mehr Angst bekam ich um Josie, die sich der Gefahr, in der sie sich befindet, ganz und gar nicht bewusst ist. Erst als es schon zu spät ist merkt sie, dass sie einen Fehler begangen und zu viele Informationen von sich preisgegeben hat...

Was bewegt nun aber einen Mann dazu, Jagd auf junge Mädchen zu machen, sie einzusperren und zu beobachten? Hätten wir es mit einem 0815-Thriller zu tun, dann wäre der Autor auf diese Frage nicht näher eingegangen. Unser Täter hat aber seine Gründe. Sie liegen vergraben in der Vergangenheit und werden dem Leser Stück für Stück wie kleine Kieselsteinchen vor die Füße geworfen. 
Der Aufbau der Geschichte ist dem Autor wirklich grandios gelungen. Trotz der 400 Seiten wurde der Lesefluss stetig gehalten, zu keiner Zeit unterbrochen oder verlangsamt. Die Aufklärung erscheint mir schlüssig und bietet ein Ende, bei dem Herzrasen vorprogrammiert ist.

Mein persönliches kleines Schmankerl in diesem Buch war mein Name, der plötzlich wie aus dem Nichts auftauchte. Tatsächlich heißt ein Charakter "Anka". Ist euch das schon mal passiert? Okay, wenn ihr Lena, Marie oder Lisa heißt, dann ganz bestimmt, aber wenn ihr auch einen eher seltenen Namen tragt, dann wisst ihr, was ich meine. Leider wurde "Anka" nur 2x kurz erwähnt und hat keine große Rolle gespielt. Sie hat in der Vergangenheit als verdeckte Ermittlerin gearbeitet, hat wohl irgendwas mit Callboys zu tun gehabt... ja, ich musste schmunzeln.

"Unsichtbare Blicke" ist ein spannender Thriller, der eine Portion Nervenkitzel für seine Leser bereit hält und ein Thema anspricht, das absolut brisant und aktuell ist. Man selbst macht sich beim Lesen Gedanken über sein Verhalten im Internet und auch ich habe mich beim vorsichtigen Schielen zu meiner Laptop-Webcam erwischt.

Dieser Thriller konnte mich packen und mitreißen. Da ich den Autor bisher noch nicht kannte (Schande über mich) werde ich mich nun mal auf die Suche nach weiteren spannenden Büchern von ihm machen.
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Beim Stöbern auf euren tollen Blogs habe ich entdeckt, dass "Unsichtbare Blicke" ebenfalls zu Gast war bei...

Kommentare:

  1. Eine sehr gut geschriebene Rezension. Mir ist das Buch schon im Buchladen durch sein interessanten Klappentext aufgefallen, doch ich war mir nicht so sicher. Jetzt weiß ich, dass ich es lesen will.

    Liebe Grüße, Diti

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    1. Hi Diti!
      Vielen Dank!
      Ja, gell? Der Klappentext macht neugierig, aber da das Buch ansonsten recht unscheinbar bzw. uninteressant ausschaut, vergisst man es schnell wieder.
      Freut mich, dass ich dich an dieses Buch erinnern und dich zum Lesen animieren konnte :)
      Liebe Grüße
      Anka

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  2. Wow, das tönt echt spannend und unheimlich.. Ich mag Thriller gar nicht so, aber solche Beschreibungen fesseln mich doch immer wieder!!
    Also falls du noch auf der Suche nach Lesestoff bist, wäre vielleicht meine Bücherbörse etwas für dich?

    LG Carlin

    p.s. toller blog, wirklich!

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    1. Hi Carlin!
      Hmmm, wenn du Thriller nicht magst, dann empfehle ich dir dieses Buch lieber nicht. Vielleicht lieber einen "leichteren" Jugendthriller wie z.B. "Mein Böses Herz" von Wulf Dorn.
      Deine Bücherbörse schau ich mir gern mal an.
      Liebe Grüße
      Anka

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  3. Grüß Dich, Anka.
    Die Thematik des Buches ist ausgesprochen spannend und sicher nicht inaktuell. So birgt jede neue Technologie auch die Potentiale zum Missbrauch in sich. Ein altbekanntes Lied der Menschheit, denn ein Stein läßt sich gebrauchen, um ihn in ein Haus zu fügen. Oder es wird ein Wurfgeschoss daraus gemacht. Konstruktiv gegenüber Destruktiv. Ein Haus ist und bleibt ewig das Erstrebenswerte in der Alternative.
    Freut mich, daß Dir wiederum ein Buch zu gefallen wußte.

    bonté

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    1. Hey bonté!
      Schöön von dir zu lesen!
      Dein "Haus"-Vergleich ist interessant, danke! Recht hast du...
      Liebe Grüße
      Anka

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