Sonntag, 29. Juli 2012

Rückblick auf zwei spannende Lesungen mit Wulf Dorn [Teil 2 - Leipheim]


Dieser Bericht ist längst überfällig, oder? Da die Lesung schon über einen Monat zurück liegt, dachte ich, ich lasse den Lesungsbericht klammheimlich unter den Tisch fallen. In den letzten Tagen habt ihr aber vermehrt den ersten Teil meines Berichte-Duetts gelesen und nach der Fortsetzung gefragt. Gerne lass ich den Abend, am 21.06.2012 jetzt doch noch mal vor meinem inneren Auge Revue passieren und teile meine Erinnerungen und Eindrücke mit euch.

Am 21.06.2012 ging es also zu meiner dritten Lesung von Wulf Dorn. Ich habe lang überlegt, ob ich wirklich hinfahren sollte, aber als Bianca, Betreiberin des schönen Blogs "Buchmenschlein bloggt" ankündigte ebenfalls anwesend zu sein, fiel meine Entscheidung schnell. Diese Begegnungen mit anderen Lesebegeisterten und vor allem mit anderen Bloggerinnen, sind jedes Mal wieder etwas ganz besonderes für mich.

Leipheim ist, mit seinen rund 6.600 Einwohnern, ein hübscher, kleiner Ort nahe Günzburg in Bayern. Die Location des Abends war das urige Zehntstadel, ein ehemaliges Schlossstadel aus dem Jahre 1583. Neben einem Restaurant befindet sich heute ein schöner, atmosphärischer Veranstaltungsraum in dem alten (aber renovierten und modernisierten) Gebäude. Anstatt für Stuhlreihen hatten sich die Veranstalter, nämlich die Leipheimer Stadtbücherei im Kantorhaus, für 6er Tisch-Grüppchen entschieden. Eine gute Wahl! So konnte man, gemütlich bei einem Gläschen Wein, der spannenden Lesung lauschen. 

Wenige Minuten, nachdem ich mir einen Platz gesucht hatte, trafen auch Bianca und ihre Freundin ein. Obwohl wir uns noch nie gesehen hatten, erkannten wir uns sofort. Die Zeit bis zum Beginn der Lesung nutzten wir um ausgiebig zu quasseln. 
Das Zehntstadel füllte sich. Als Wulf die Bühne betrat, hatten gerade die letzten der rund 50 Zuhörerinnen und Zuhörer Platz genommen. Als Einstieg in die Lesung wählte Wulf dieses Mal das Cover von "Dunkler Wahn". Es gab eine Zeit, in der immer wieder ein Vogel auf dem Cover verschiedener Thriller auftauchte, obwohl er nie eine Rolle spielte. Sein Rotkehlchen aber hat eine Daseinsberechtigung, verriet Wulf. Diejenigen, die den dunklen Wahn schon gelesen hatten, wussten auf welche Szene er anspielte und verzogen die Gesichter. Wulf erzählte, wie er auf die Idee zu "Dunkler Wahn" kam und als er das Buch aufschlug, veränderte sich - wie inszeniert - die Atmosphäre. Das Licht war gedimmt, Wulf nur durch einen Spot angestrahlt. Auf den Tischen flackerten die Kerzen und draußen braute sich ein Unwetter zusammen. Die ersten Seiten waren gelesen und es begann zu regnen, zu blitzen und zu donnern. Im alten Zehntstadel knarrten die Holzbalken - einen besseren Ort für diese Thrillerlesung hätte es in diesem Moment nicht gegeben.

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Eine Woche zuvor (meinen Bericht zur Lesung in Oberkochen findet ihr HIER) hat Wulf als "Special" anlässlich des historischen Hintergrundes der Oberkochener Stadtbücherei eine zusätzliche Szene gelesen, die sich in der Fahlenberger Kirche abspielt. Dieser Ausschnitt kam sehr gut an, vor allem weil sie viel Platz für die hervorragende Interpretation des Autors ließ. Was in Oberkochen stellenweise noch etwas holprig klang, wurde in Leipheim perfekt vorgetragen. Wulf lebte diese bedeutende "Beichtstuhlszene" regelrecht und baute sogar "Special-Effects" ein, die seine Zuhörer zusammenzucken ließen. Bianca hat den Anfang dieser Szene aufgenommen, schaut mal ...


Diese Lesung war die beste, die ich bisher von Wulf Dorn gehört hatte. Die Atmosphäre war perfekt und Wulf in absoluter Bestform. Nach der Veranstaltung kam Lob von allen Seiten. Selten sieht man einen Autor, der seine Protagonisten so lebt und beim Lesen so tief in die Geschichte eintaucht, dass man als Zuhörer das Gefühl hat, einen Film zu sehen. 

Nach der einstündigen Lesung stand der Autor natürlich wieder für Fragen zur Verfügung. Wie gewohnt stand er äußerst charmant und sympathisch Rede und Antwort. Ich wollte wissen, wie er denn in "Schreibstimmung" kommt? Hat er bestimmte Rituale während bzw. vor dem Schreiben? Geht er, um sich zu gruseln, in den Keller oder schaut einen Horrorfilm an? Nichts dergleichen. Manchmal hört er sich als Inspiration Klanglandschaften an, ansonsten benötigt er keine weiteren Anreize, um in die Tasten zu hauen. Es kann auch sein, dass er mal nicht an seinem Schreibtisch arbeitet, sondern ein schattiges Plätzchen in seinem Garten vorzieht (was machen die Unwetter-Schäden, Wulf? Ist der Apfelbaum wieder ok und sind die blauen Flecken verheilt??) und seiner Katze beim Herumtollen zusieht, während er einen Mord begeht... auf dem Papier versteht sich.

Immer wieder werden die Autoren nach ihren Anfängen gefragt. Wie bereits im letzten Bericht erwähnt, hat Wulf damals seine erste Geschichte in ein Vokabelheft geschrieben, sein erstes "Honorar" hat er dann mit einer Kurzgeschichte verdient, die er bei einem Steven King Schreibwettbewerb eingereicht hatte. Damals war er "stolz wie Bolle" unter den besten 6 von ca. 1400 Teilnehmern gewesen zu sein.
Eine weitere Frage, die gern nach seinen Lesungen aufkommt ist, ob er Erlebnisse aus seiner beruflichen Tätigkeit in einer psychiatrischen Klinik mit in seine Bücher einfließen lässt. Diese Frage hat er direkt verneint. Er möchte diese zwei Seiten nicht miteinander vermischen, außerdem sollte der Respekt vor den Patienten gewahrt werden. 
Zum Schluss kam der sympathische Autor noch auf die Verfilmung seines Debüts "Trigger" zu sprechen. Das Drehbuch liegt schon seit zwei Jahren bereit und auch der Regisseur steht in den Startlöchern. Leider besteht in Deutschland bei den Filmproduzenten immer noch eine gewisse Scheu vor deutschen Psychothrillern, sodass dieses Projekt noch nicht abgesegnet wurde. Schade, aber nun warten wir mal den Kinostart von Fitzeks "Das Kind" ab. Vielleicht sehen die Leutchen dann, welche Diamanten sich hier verbergen und dass nicht nur die Skandinavier oder Amerikaner mit gelungenen Psychothrillern zu fesseln wissen.

Wulf Dorn umringt von seinen Leserinnen in Leipheim

Nach dem "offiziellen Teil" verließ Wulf die Bühne und setzte sich zum Signieren seiner Bücher an einen Tisch zu seinen Zuhörern. Während sich eine lange Schlange bildete, begleitete ich Bianca und ihre Freundin zum Büchertisch. 2x Trigger und 1x Dunkler Wahn wanderten über den Verkaufstresen. Wir blubberten noch ein Weilchen mit den Veranstaltern der Lesung und stellten uns schließlich ans Ende der Schlange, um Biancas Bücher signieren zu lassen und uns von Wulf zu verabschieden. 

Es war wieder ein gelungener Abend und ich bin froh, dass ich doch dabei war. Nicht nur die Lesung, sondern auch den Heimweg werde ich in besonderer Erinnerung behalten. Es schüttete wie aus Kübeln und Blitze erhellten die dunklen Straßen. Ich wollte eine Abkürzung zu meinem Auto nehmen, was dazu führte, dass ich mich plötzlich in irgendeiner Gasse wiederfand und die Orientierung verlor. Tja, so lief ich also eine Viertelstunde durch den Regen, bis ich schließlich klitschnass vor meinem Auto stand.  Das weitere Spektakel des Unwetters, die gigantischen Blitze und die mächtigen Donnerschläge konnte ich dann - Gott sein Dank - im trockenen Auto mitverfolgen.

Vielen Dank an die freundlichen Mitarbeiter der Stadtbücherei Leipheim, vielen Dank für die 1A Lesung an Wulf und vielen Dank für die wunderbare Begleitung ans Buchmenschlein und ihre Freundin! Es war wiedermal ein toller und ganz besonderer Abend!

P.S. schaut doch mal bei Bianca vorbei. Auch sie hat über diesen schönen Abend berichtet -- > KLICK


Kommentare:

  1. Hallo, Anka.
    Angenehme Eindrücke von Deiner Lesungs-Reise (Leipheim liegt ja nicht um die Ecke). Obschon Dir die Regenwand auf dem Rückweg sicher lieber erspart geblieben wäre (und keine Gentlemen mit Regenschirmen in der Nähe).

    Da Du Verfilmungen zum Ende hin ansprichst - 'Rubinrot' von Kertin Gier hat einen Kinostart für den 14. März 2013.
    Denke, daß es Dich freut zu lesen...

    bonté

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    1. @RoM
      Na ja, so weit ist Leipheim auch nicht weg ;)
      Da es sehr warm war, war der Regen auch halb so schlimm. Es hatte was :)
      Klasse, danke für die RUBINROT-Info! Ich freue mich schon sehr auf die Verfilmung!
      Viele Grüße
      Anka

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  2. Liebe Anka, danke, dass du immer so viel über Wulf Dorn berichtest :-) Durch dich bin ich auf ihn aufmerksam geworden. Zwar habe ich bisher nur "Mein kaltes Herz" gelesen, aber das fand ich super! Ich bin jemand, der nicht so auf viel Blut+Folter+Innereien außerhalb des Körpers steht. Welche Bücher von Wulf Dorn würdest du mir da noch empfehlen? Oder gehen die alle mehr in Richtung Psychothriller und weniger in Richtung Organpamperei?^^

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    1. @Bookaddicted
      Hey Katharina! Haha, gerne doch :) Hat sich nun mal so ergeben. Praktisch, wenn so ein großer Autor in der Gegend wohnt und dann auch noch auf Lesungen anzutreffen ist ;) Ich freue mich sehr, dass dir "Mein böses Herz" gefallen hat. Ich finde es auch klasse!
      Übrigens steh' ich auch überhaupt nicht auf solch "Splatter"-Thriller, da bevorzuge ich doch das noch fiesere Verwirrspiel mit der Psyche! In Wulfs Psychothrillern gibt es keine herumfliegenden Innereien oder Organe außerhalb des Körpers *grins* Sicher sind seine "Erwachsenen-Psychothriller" nicht ganz ohne, aber besonders "eklige" Szenen sind sehr sehr selten bzw. gar nicht vorhanden. Mein Favorit ist "Trigger", aber auch "Dunkler Wahn" konnte mich begeistern (wobei ich dir raten würde, vor "Dunkler Wahn" noch die "Kalte Stille" zu lesen). Starte aber mit Trigger, damit kannst du nichts falsch machen ;)
      Liebe Grüße
      Anka

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    2. Alles klar, danke dir! Werde ich mal die Bücher auf meine WL setzen und bei Tauschticket als Suchauftrag eingeben ;-)

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    3. @Bookaddicted.de
      Super! Bin gespannt, wann das erste Buch bei dir einzieht! Du wirst du sicherlich berichten ;)
      Liebe Grüße
      Anka

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