Samstag, 8. September 2012

[Rezension] Hypnose - Sina Beerwald





· Titel: Hypnose
· Autorin: Sina Beerwald
· Medium: Taschenbuch (400 Seiten) 
· Verlag: Heyne Verlag (August 2012) 
· ISBN: 978-3-453-43636-7
· Genre: Thriller
· Preis: 8,99 Euro (versandkostenfrei bestellen)






K U R Z B E S C H R E I B U N G

Ein eiskalter Mord im Freundeskreis. Die Journalistin Inka Mayer hat Zweifel am Geständnis ihrer Freundin Annabel. Inka hegt den Verdacht, dass Annabel das Opfer eines Klinikleiters ist, der unter Hypnose Experimente an ahnungslosen Patienten durchführt – und bei dem sie beide in Behandlung sind. Oder ist Hypnose so harmlos, wie er sie glauben machen will? Irgendwer hat es auch auf die Journalistin abgesehen. Ein Spiel um freien Willen, Wirklichkeit und Paranoia beginnt. Ein Spiel auf Leben und Tod.


Buchtrailer inkl. Hörprobe


Ankas Geblubber

Noch nie hat mich ein Buch so wahnsinnig gemacht, wie dieses. Beim Lesen der 400 Seiten tauchte ich ein in ein wahres Wechselbad der Gefühle...

Dass Menschen unter Hypnose skurrile Sachen machen, ist mir durchaus bekannt. In vielen Bühnenshows wird Hypnose als Unterhaltungsinstrument genutzt (denn ist es nicht komisch, wenn der Freiwillige aus dem Publikum plötzlich auf allen Vieren über die Bühne läuft und bellt?), sie wird eingesetzt, um in Rückführungen mehr über die eigene Vergangenheit zu erfahren oder sie dient als psychische Therapie (sei es nun bei der Hilfe zur Überwindung von Ängsten, der Raucherentwöhnung, der Schmerztherapie oder der Verarbeitung von Erlebnissen, die die Psyche beeinträchtigen). Hypnose ist ein interessantes, umfangreiches Thema, das sich Sina Beerwald in ihrem ersten Thriller vorgeknöpft hat. Welche Auswirkungen kann eine regelmäßige Hypnosesitzung haben? Wozu führt eine Hypnose? Zu was ist ein Mensch unter Hypnose fähig? Und was passiert, wenn Hypnose zum Mordwerkzeug eines Kriminellen wird?

"Der Wille eines Menschen ist auch unter Hypnose nicht steuerbar. selbstverständlich aber lässt sich jeder Mensch beeinflussen und lenken. Vor allem durch Respekt, aber auch durch Abhängigkeit."
S. 368

Mir ist das Thema Hypnose noch nie ganz geheuer gewesen. Es fasziniert mich zwar sehr, doch ich würde mich nicht trauen, mich selbst einmal hypnotisieren zu lassen.... ABER was ist, wenn es nicht schön längst passiert ist, nur dass ich so geschickt manipuliert worden bin, dass ich mich jetzt nicht mehr daran erinnern kann?! Dieser Gedanke ist zu weit hergeholt? Denkt ihr? Dann greift schnell zu Sina Beerwalds Thriller und lasst euch eines Besseren belehren...

"Wenn dieser Psychopath tatsächlich da drin war, dann stand nach allem, was sie von Peter bislang über Täterpsychologie und Profiling gehört hatte, zu befürchten, dass dieser Kerl eine ganz andere Waffe bei sich trug: seine kranke Psyche, mit der er die Seele seines Opfers in seine Gewalt zu bringen gedachte."
S. 95 

Der Einstieg in die Geschichte fiel mir unglaublich schwer. Ich kam mit dem etwas holprigen Schreibstil nicht zurecht und auch die Protagonisten waren mir alle unsympathisch - sogar die Romanheldin Inka, eine erfolgreiche Journalisten, die aufgrund einschneidender Erlebnisse in ihrer jüngsten Vergangenheit, derzeit pausieren muss und sich in psychischer Behandlung befindet.
Nach einem sehr unheimlichen Prolog, der eine Hynosesitzung beschreibt, lernen wir Inka, ihren Mann und ihre Freunde kennen, kurz darauf ist einer von ihnen tot. Inka kann nicht glauben, dass ihre Freundin ihren Mann ermordet hat und beginnt Nachforschungen anzustellen. Ab diesem Punkt (etwa nach dem ersten Fünftel) wirds wirr... chaotisch.... unglaubwürdig... unglaublich... wahnsinnig... spannend... unrealistisch... bizarr... an den Haaren herbei gezogen... absurd... mitreißend... Ich habe geflucht, mitgefiebert, den Kopf geschüttelt und am liebsten hätte ich das Buch sogar zeitweise in die Ecke geschmissen. Inkas Verhalten war für mich nicht mehr nachvollziehbar und im nächsten Moment so unglaublich merkwürdig, dass ich schon nach 150 Seiten nicht mehr wusste, wem und was ich glauben sollte. Ich ließ mich also weiter durch das Buch treiben, denn aus der Hand legen konnte ich es nicht mehr.

"Wenn sie doch nur die Zeit zurückdrehen könnte, diesen schrecklichen Film, in dem sie sich seit Monaten befand, einfach löschen, die Kamera anders einstellen und neu anlaufen lassen. Wenn es nur so einfach wäre."
S. 195

100 Seiten vor dem Ende, beginnt Sina Beerwald das Tempo ein bisschen zu reduzieren und einzelne Knoten aus dem Kabelsalat zu entwirren. Die ersten Fragen werden beantwortet und langsam verstand ich, warum diese ganzen mehr als skurrilen Szenen ihren Platz in dieser Geschichte hatten.

Mit "Hypnose" ist der Autorin ein grandioser Einstieg in die Welt der (Psycho-)Thriller gelungen. Auf das Wiedersehen mit ihrer Heldin Inka Mayer freue ich mich sehr, denn "Hypnose" ist der Start einer spannenden Thrillerreihe!

Mein ganz persönliches Highlight in diesem nervenaufreibenden Buch ist das Setting, denn Inkas Geschichte spielt in Stuttgart. Es war schon ein merkwürdiges Gefühl, zusammen mit Inka an meinem "realen" Arbeitsplatz vorbei zu düsen und an einer Ampel zu halten, an der ich Tags zuvor noch die Straße überquert hatte...

Lang habe ich auch noch nach dem Lesen über dieses Buch nachgedacht und ich weiß immer noch nicht sorecht, wo ich es einordnen soll. Es war eine rasante Achterbahnfahrt, die ich so schnell nicht vergessen werde. Wer auf deutsche (Psycho-)Thriller steht, und neben Fitzek, Dorn und Co. auch mal einer AutorIN eine Chance geben will, dem empfehle ich diese Hypnosetherapie bei Sina Beerwald!


Weiterführende Infos

Da mich dieses Buch beim Lesen so aufgewühlt hat, habe ich meine "Live-Lese-Updates" mit euch geteilt. --- hier geht's lang zu allen Leseupdates inkl. kleinem Fazit!

Die sympathische Autorin Sina Beerwald hat sich in mein Autoren-Poesiealbum eingetragen. --- hier geht's lang zu ihrem Eintrag!

Ihr möchtet noch weitere Meinungen zu "Hypnose" lesen? Dann schaut unbedingt vorbei bei meinen Bloggerkollegen


1 Kommentar:

  1. Feinen Sonntag, Anka!
    Wohl kein Buch zur entspannenden Lektüre, nebst angenehmem Teegenuß. In meinem Kopf lief bei Deiner Rezi ein Film ab, der Dich in allen Stadien engagierter Lesearbeit zeigt. Händerringend, mit großem Fragezeichen, wissend schmunzelnd, hastig weiter blätternd.

    Ein Thriller, der demnach seine Bezeichnung verdient. Mit Extra-Koffein im eingeschweißten Beutelchen!

    bonté

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