Samstag, 17. November 2012

[Rezension] Die Verratenen - Ursula Poznanski


· Titel: Die Verratenen
· Autor: Ursula Poznanski
· Medium: Hardcover (464 Seiten)
· Verlag: Loewe Verlag (Oktober 2012)
· ISBN: 978-3-7855-7546-8
· Genre: Dystopie (ab 14 Jahren)
· Preis: 18,95 Euro (hier versandkostenfrei im Onlineshop meiner Lieblings-buchhandlung bestellen)



K U R Z B E S C H R E I B U N G

Sie ist beliebt, privilegiert und talentiert. Sie ist Teil eines Systems, das sie schützt und versorgt. Und sie hat eine glänzende Zukunft vor sich – Rias Leben könnte nicht besser sein.
Doch dann wendet sich das Blatt: Mit einem Mal sieht sich Ria einer ihr feindlich gesinnten Welt gegenüber und muss ums Überleben kämpfen. Es beginnt ein Versteckspiel und eine atemlose Flucht durch eine karge, verwaiste Landschaft.
Verzweifelt sucht Ria nach einer Erklärung, warum ihre Existenz plötzlich in Trümmern liegt. Doch sie kann niemandem mehr vertrauen, sie ist ganz auf sich allein gestellt.

B U C H T R A I L E R



 

A N K A S   G E B L U B B E R

Nach meinen zwei Top-Poznanski-Titeln "Erebos" und "Saeculum" lag die Messlatte für ihr neues Buch natürlich wahnsinnig hoch. Meine Erwartungen waren groß, doch ich war mir zu 100% sicher, dass mich auch "Die Verratenen" begeistet zurücklassen würde.

Anders als "Erebos" und "Saeculum" ist "Die Verratenen" kein Einzelband, sondern der erste Band einer Trilogie. Wir haben es außerdem nicht mit einem Thriller, der in der "Jetzt-Zeit" spielt zu tun, sondern mit einer Dystopie. Rias Geschichte spielt weit in der Zukunft, in einer Zeit, in der die Menschen in Reagenzgläsern gezeugt werden, eine Zeit, in der die Bevölkerung zweigeteilt ist, eine Zeit, in der Deutschland von einer Art Eiszeit oder Kältewelle heimgesucht wurde.

In dieser Zeit lebt die 18-jährige Ria. Sie gehört zu der Elite des Landes und zählt zu den wohlbehüteten Sphärenbewohnern, denen es an nichts fehlt. Sie darf eine umfangreiche Ausbildung genießen und weiß, dass ihr eine erfolgreiche Zukunft in einer leitenden Position bevor steht. Ihr Fachgebiet ist die Kommunikation - sie kann sich nicht nur perfekt ausdrücken, stark argumentieren oder mit ihrem bloßen Ausdruck überzeugen, nein, sie kann auch ihren Gegenüber lesen und verstehen. Plötzlich, von heut auf morgen, ändert sich alles und die Sphäre ist nicht länger ein zu Hause für die talentierte Studentin. Zusammen mit ihrem Freund und vier anderen Jugendlichen, flieht sie schutzlos in die Welt da "draußen". Eben war sie noch das erfolgreichste Mädchen ihrer Sphäre und ein Vorbild für alle anderen Studenten, jetzt kämpft sie in eisiger Kälte ums bloße Überleben, auf der Flucht vor den Menschen, denen sie einst blind vertraut hat.

Obwohl "Die Verratenen" ganz klar zu den aktuell sehr gehypten "Dystopien" zählt und man es schnell in einen Topf mit anderen Büchern dieses Genres wirft, sollte man hier nicht zu voreilig sein, denn Ursula Poznanski gelingt es, sich von der Masse abzuheben und eine komplett neue Geschichte zu erzählen. Mir kam die gesamte Story und deren Rahmen etwas anspruchsvoller vor, sie hatte für mich mehr Tiefe und strahlte eine gewisse Ruhe aus.

Ria ist eine interessante Hauptfigur, die bereits im Auftakt dieser Trilogie eine Wandlung durchmacht. Für mich war sie nicht die typische Heldin einer typischen Dystopie, mit der man sich direkt verbunden fühlt und die man für ihren Mut und ihre Stärke bewundert. Ursula Poznanski steht ihrer Protagonistin durchaus Schwächen zu und macht sie somit glaubhafter. Ria ist Sphärenbewohnerin aus Leib und Seele, von sich und ihrem Umfeld sehr überzeugt und obwohl sie eine sehr intelligente Schülerin zu sein scheint, nimmt sie anfangs alles so hin, wie es ihr präsentiert wird und hinterfragt nichts. Als es zu einer Art Verschwörung kommt, beginnt sie aus ihrem Dornröschenschlaf aufzuwachen und muss feststellen, dass es niemanden mehr gibt, dem sie zu 100% vertrauen kann. Stück für Stück habe ich mich an Ria herangetastet und am Ende mochte ich sie dann doch sehr.

Die anderen "Mitflüchtlinge" erschienen mir ein bisschen blass, was sicher von der Autorin gewollt ist. Mir fiel es schwer, die einzelnen Charaktere einzuschätzen und so witterte ich in jedem von ihnen einen Verräter... so wie Ria. Die Prims, von denen Ria und ihre Leute auf ihrer Flucht gefangen genommen werden, waren für mich wesentlich interessanter, ganz besonders einer von ihnen, der ganz sicher im nächsten Band ebenfalls eine Rolle spielen wird.

Ein weiterer Punkt, der "Die Verratenen" ein bisschen von anderen Dystopien unterscheidet, ist die (beinahe) fehlende, dramatische Liebesgeschichte. Ria ist zwar mit ihrem Freund Aureljo auf der Flucht, doch ihre Beziehung wird nicht weiter beleuchtet. Hier hält Ursula Poznanski sicher noch ein anderes Schmankerl zurück, das ganz subtil, zum Ende hin etwas offensichtlicher, angedeutet wird und in Band 2 für Herzklopfen und Dramatik sorgen wird (hoffe ich zumindest sehr).

Ziemlich beeindruckt war ich von den vielen kleinen Details, die die Geschichte für mich so interessant gemacht haben, z.B. die Namensgebung der Sphärenbewohner oder auch die Zeichensprache der Prims (tatsächlich saß ich morgens im Zug und habe meine Finger verknotet, um schließlich ein Wildschwein in Zeichensprache darstellen zu können).

Wie ihr seht, ist diese Geschichte für mich absolut rund und perfekt... wäre da nicht meine hohe Erwartungshaltung und mein Kritikpunkt, der mich "Die Verratenen" schließlich etwas enttäuscht zuschlagen lässt. Mir hat die Spannung, der typische "Page-Turner-Effekt" komplett gefehlt. OK, es ist der Auftakt einer Trilogie und es ist wichtig, erstmal die Hintergründe zu verstehen und die Charaktere kennen zu lernen. Ich meine auch nicht die Spannung, die eine atemlose Flucht, begleitet von Wolfsangriffen und bewaffneter Exekutoren, mit sich bringt, sondern einfach den Sog, den die bisherigen Poznanski-Bücher auf mich ausgeübt haben. Ich klebte nicht an den Seiten und konnte das Buch getrost zur Seite legen, als meine Augen müde wurden (im Falle von Erebos hätte ich mir sofort einen Kaffee aufgebrüht).

So gesehen kann ich mich den Begeisterungsschreien nicht ganz anschließen. Diese Dystopie ist anders als andere und besticht mit einer unheimlich interessanten, komplexen Geschichte. Der "Page-Turner-Effekt" blieb bei mir, bedingt durch die fehlende Spannung, leider aus. Trotzdem möchte ich Rias Weg weiter verfolgen. Band 2 soll vorraussichtlich 2013 erscheinen und steht bereits jetzt auf meiner Wunschliste.


Kommentare:

  1. Hm....ddas macht mich nun etwas nachdenklich....ich hatte das buch auch gestern schon in der hand, aber da ich noch "Fünf" und "Erebos" lesen muss, werde ich noch warten und diese zuerst mal lesen, dann muss ich auch nicht soo lange auf den 2. Teil von "Verraten" warten ;)...werde mir noch andere rezis dazu "anhören"
    Liebe Grüße
    Martina

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  2. Die anderen schwärmen ja alle von diesem Buch.
    Mal sehen,ob ich das Buch noch lese.

    LG May

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  3. Hallo Anka.
    Dein erster Poznanski-Roman ohne PTE. Könnte jetzt am "Dehnungsfaktor" einer Handlung in Trilogie liegen. Es besteht also doch die Wahrscheinlichkeit, daß der ersehnte Effekt im Abschlußband kulminiert.
    Das Szenario ist in jedem Fall interessant.

    Du hast meine Neugier geweckt; liest Du einen mitreißenden Thriller gern ein weiteres Mal? Baut sich Deine Anspannung dabei erneut auf, oder bist Du abgeklärter, weil wissend?

    Dein aktuelles Video hat Deine Begeisterung über die Wohnzimmer-Session süperb dokumentiert. Ist die pure Freude.

    bonté

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  4. Hey Herz,
    für mich war das ein Pageturnerbuch :-) aber ich habe noch nicht Erebos gelesen (Alex schwärmt übrigens gerade wie du in den höchsten Tönen!). Ich empfand DV auch nicht unbedingt neu, aber trotzdem perfekt ausgearbeitet. Freu mich schon auf Teil 2 und den Herren mit S :-)
    Drück dich!

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  5. @Martina
    "Fünf" möchte ich auch ganz unbedingt noch lesen. Ursula P. zählt ganz klar zu meinen Lieblingsautorinnen, auch wenn mir in ihrem neuesten Werk der Pageturner-Effekt gefehlt hat. Die Story war ja trotzdem genial und es gibt fast nur 5-Sterne-Bewertungen. Also ich denke, du kannst "Die Verratenen" bedenkenlos lesen.

    @May
    Vielen Dank fürs Folgen *zwinka*
    Ich empfehle dir das Buch gern. Mir hat es ja gefallen, bloß die fehlende Spannung hat bei mir einen Punkt abgezogen, weil ich eben anderes von der Autorin gewohnt bin. Lies es ruhig!

    @RoM
    Hmmm, Dehnungsfaktor? Könnte sein, glaub ich einfach nicht. Viele Leser haben das Buch ja als sehr spannend und durchaus mit PTE empfunden. Vielleicht konnte es nur einfach MICH nicht so richtig erreichen?!
    Also bisher habe ich keinen Thriller 2x gelesen, was aber nicht an dem Thriller selbst liegt, sondern an meinem SuB. Hier stapeln sich soooo viele tolle Bücher, die noch gelesen werden wollen. Ein Buch 2x zu lesen, empfinde ich momentan als "Zeitverschwendung" (böse ausgedrückt). Liest du gute Bücher mehrfach?
    Danke für dein Feedback zum Video. Ich lasse das Youtube-Projekt jetzt nebenher laufen, binde die Videos aber nicht mehr hier bei Ankas Geblubber ein.

    @Damaris
    Ja, ich habe nun auch deine Rezi gelesen. Unsere Meinungen gehen dieses Mal auseinander, hihi. Lustig zu sehen. Auf Mr. S. freu ich mich auch ganz besonders. Das wird sicher noch eine interessante Kiste *zwinka*

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  6. Hi again!
    Ich lese ganz gern diverse meiner Schmöker mehrmals. Wohl, weil ich sie wie einen Film dabei sehe.

    Die Adresse für Deine Video-Statements liegt bereits bei den Lesezeichen. Sehenswert, allein schon weil Du jedes Mal eine andere Atmosphäre schaffst.

    Hoffe, daß es Deinem Gast im Vogelhaus gut geht...

    bonté

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  7. Hallo Anka,
    das hört sich super an. Eine sehr schön geschriebene Rezi. Nach dem was ich bei dir gelesen habe, könnte das eine gute Dystopie für mich sein. Ich muss es ja nicht soooo spannend haben, deswegen bin ich mal gespannt, welchen Eindruck ich von dem Buch haben werde. Es ist auf jeden Fall auf meiner Weihnachtswunschliste und ich hoffe, ich bekomme es ;)

    LG
    Lilly

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  8. Ich habe "Erebos" und jetzt eben "Die Verratenen" gelesen, weil mein 14-jähriger Sohn davon so geschwärmt hat. Ich muss dazu sagen, dass ich immer gern Jugendliteratur lese. Ich finde, dass Ursula Poznanski so toll schreibt, dass ich sie mit J.K. Rowling vergleichen möchte. Im Gegensatz zu anderen Autoren des Genres ( wie z.B. Veronica Roth oder Eschbach) sind die Geschichten bis ins Detail durchdacht und logisch, aber nicht überkandidelt, die Szenarien sind vorstellbar, die Details ( z.B.Zeichensprache) sind bestechend; gleichzeitig gelingt es ihr eine Spannungskurve zu schaffen, die es einem schwer macht das Buch wegzulegen... Ich warte jedenfalls dringend auf den nächsten Band. Ich bin sehr gespannt auf die Entwicklung bzgl. der Prims..da hat sie noch einiges in der Hinterhand! Das Beste seit Harry Potter!!!

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