Montag, 27. August 2012

Meine Eindrücke vom 8. Fantasy Festival am 24.08.12 in Rüsselsheim [Teil 1]


Am vergangenen Freitag fand in Rüsselsheim das 8. Fantasy Festival statt. Ich freut mich schon seit Wochen darauf und konnte es kaum erwarten, Freitag um 12:00 Uhr meine Bloggerkollegin Melie von Melies Buchlounge einzusammeln und mich zusammen mit ihr auf den Weg zu machen.


Anreise, Ankunft und
ein spontaner Überfall auf Thomas Thiemeyer

Die Fahrt nach Rüsselsheim (kurz hinter Frankfurt) verlief problemlos und so kamen wir um kurz nach 15:00 Uhr in der Stadt am Main an. Da das Festival erst um 19:00 Uhr beginnen würde, hatten wir noch ausreichend Zeit, um unsere Hotelzimmer zu beziehen und ein bisschen durch die Stadt zu bummeln. Unser erster Weg führte uns zum Bücherhaus Jansen, das zusammen mit der GRKW (Gesellschaft zur Rekultivierung der Kiesgrubenlandschaft Weilbach mbh) diese besondere Veranstaltung, in Kooperation mit dem Loewe Verlag, dem Droemer-Knaur Verlag dem Bücher-Medien-Magazin "HITS für KIDS", und den Buchhandlungen in der Villa Herrmann und dem Haus mit der Eule, auf die Beine stellte. Dort entdeckten wir neben vielen tollen Büchern, einen richtigen "Bücheraltar", aufgebaut anlässlich des Fantasy Festivals.

 (anklicken, um das Bild zu vergrößern)

Nach ausführlichem Stöbern verließen wir die gemütliche Buchhandlung wieder, bummelten noch durch ein paar Gässchen und hinunter zum Main. Plötzlich entdeckte ich einen Mann, der mir - dank seiner sympathischen Vlogs - mittlerweile sehr bekannt war. Kein geringerer als Thomas Thiemeyer schlenderte mit seiner Frau an uns vorbei. Wir zögerten kurz doch dann ging mir das gerufene "Thomas!" doch wie von allein über die Lippen. Es war schon ein merkwürdiges Gefühl ihm plötzlich, live und in Farbe, gegenüber zu stehen, vor allem als auf mein "Hallo!" ein "Hallo Anka!" folgte. Hoppla! Wir plauderten ganz kurz und zogen dann weiter, alle mit derselben Vorfreude auf den fantastischen Abend. Melie und ich genehmigten uns noch einen leckeren Eiskaffee und nahmen uns danach noch ein bisschen Zeit, um die Beine hochzulegen... oder die ersten Eindrücke unter dem Hashtag #FFF8 bei Twitter zu posten!

Melie und ich schicken euch Grüße aus Rüsselsheim

Die Veranstaltung sollte um 19:00 Uhr und der Einlass um 18:00 Uhr beginnen. So trafen wir also - gut erholt und aufgehübscht, vor dem Adler Saal ein. Normalerweise findet das Fantasy Festival in den Weilbacher Kiesgruben statt und ist eine Open Air Veranstaltung. Der Wetterbericht für Freitag verhieß jedoch nichts Gutes, weshalb sich die Veranstalter kurzerhand entschlossen, das Festival nach drinnen zu verlegen. Vor dem Saal warteten bereits ein paar Fantasy Fans, einige bewaffnet mit Campingstühlen, Picknick-Decken, großen Kissen und Schlafsäcken. Ich schmunzelte, denn ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sie mit diesem großen Gepäck in einer Halle viel Erfolg haben würden - ich wurde eines Besseren belehrt, doch dazu später mehr.

Das Pressegespräch

Um 18:00 Uhr trennten sich, für kurze Zeit, Melies und meine Wege. Sie stürzte sich, mit dem Auftrag 2 super Plätze zu ergattern, ins Geschehen, während ich mich zum Pressegespräch begab, zu dem mich Herr Jansen freundlicherweise eingeladen hatte. In einer kleinen Gruppe bestiegen wir eine urige Empore, auf der bereits die ersten Autoren und "Stars des heutigen Abends" Jennifer Benkau, Mechthild Gläser und Thomas Thiemeyer warteten. Ich war ziemlich nervös, schließlich war es meine erste Veranstaltung dieser Art. Gern möchte ich euch ein bisschen von diesem Pressegespräch erzählen, denn es war für mich eine interessante, neue Erfahrung.
Wir setzten uns in einen Stuhlkreis, bekamen Infos in Form von Pressemappen, dem Programmablauf etc. ausgehändigt und wurden dann von Herrn Jansen persönlich begrüßt. Er erläuterte das Programm des Abends und stellte, neben den anwesenden Autoren, auch Monika Trapp vor. Monika Trapp ist Mitglied in der Jury des deutschen Jugenditeratur-Preises und verantwortlich für die Redaktion des Bücher-Medien-Magazins HITS für KIDS. Sie würde wieder die Moderation des Festivals übernehmen und die Zuhörer durch den Abend begleiten. Nicht nur sie zählte zum "Urgestein der Veranstaltung", auch der Drummer Dieter Arnold war wieder mit dabei, um die gelesenen Texte der Autoren musikalisch zu interpretieren.

Nun stieß auch Nina Blazon dazu (Wolfgang Hohlbein und Dieter Winkler waren auf einem anderen Termin und noch nicht in der Halle eingetroffen) und "die Presse" bekam die Möglichkeit Fragen zu stellen. Obwohl die Atmosphäre super freundlich war, war ich als kleine Bloggerin doch noch recht nervös und wartete die ersten Fragen ab.
Eine Fragestellerin wollte wissen, wie sich die Autoren in ihrer Rolle als "Idol" sehen, schließlich kamen viele junge Leser nur, um mal die Erfinder ihrer Lieblingsgeschichten live zu erleben.
Jenny Benkau wollte sich lieber nicht zu sehr mit dieser Frage beschäftigen. Für sie war es eine unheimliche Vorstellung, nicht so wirklich greifbar. Stünde sie vor ihren Lieblingsautoren, würde sie sicher kein Wort heraus kriegen, verriet sie. Auch die anderen anwesenden Autoren äußerten sich sehr sympathisch und verhalten. Thomas Thiemeyer war der Meinung, dass es dieser Moment war, für den alles gemacht ist. Der Moment, in dem Leser und Autor aufeinander treffen. Auch die Jüngste in der Runde, Mechthild Gläser, freute sich auf das Aufeinandertreffen, denn oftmals liest man als Autor Rezensionen, weiß deshalb zwar wie das Buch ankommt, aber nicht, wie die Leser aussehen. Wer kauft und liest mein Buch? Für dieses Aufeinandertreffen von Autoren und ihren Lesern, gab es "den Ort der Begegnung", wie ihn Herr Jansen nannte. Die Leser könnten hier, während der Veranstaltung, ihre Autorenlieblinge treffen, sich ihre Bücher signieren lassen und auf einen kurzen Plausch vorbei schauen. Eine ganz tolle Idee, wie ich fand und die auch rege genutzt werden würde.

Warum hatten sich die Autoren für das Genre "Fantasy" entschieden, war die nächste Frage.
Jenny erzählte, dass sie sich mit ihren Geschichten ganz schön durchboxen musste. Nicht jeder Verlag schreit "Hurra!", wenn ihm eine Fantasy-Story angeboten wird. Sie schreibt am liebsten das, was sie selbst gern liest. Es ist nicht so, dass sie sich hinsetzt und überlegt, welches Genre sie gern mal bedienen möchte, nein. "Die Geschichte ist da, so wie sie erzählt werden möchte.", erst danach entscheidet sich, in welche Kategorie sie sich einordnen oder welchem Genre sie zugeteilt wird... aber das ist dann nicht mehr ihr Problem. Thomas, Mechthild und Nina stimmten ihr zu. Auch sie schreiben am liebsten das, was sie selbst gern lesen und worin sie sich wohl fühlen. Nina fügte noch hinzu, dass sie es mag, den Rahmen selbst abzustecken und eine Umgebung zu erschaffen, die dem Leser noch nicht so bekannt und vertraut ist.

Dann kamen wir auf das Thema "Anthologien" zu sprechen, da Jenny im Laufe des Abends eine Kurzgeschichte vorstellen würde, die im Dezember in einer Anthologie (=Kurzgeschichtensammlung) erscheint. Es war interessant zu hören, wie solche Anfragen ablaufen. Welche Vorgaben bekommt man vom Verlag? Nina Blazon meinte, dass eine gute Zusammenarbeit möglich ist, wenn sie ein paar wichtige Vorgaben bekommt, z.B. dass die Geschichte ein Krimi werden soll, eine Geheimorganisation muss auftauchen und die Protagonistin ist weiblich. Für Jenny war die Frage wichtig, "Traue ich mir das zu?" Was ist, wenn es sich z.B. um eine Krimi-Anthologie handelt, man also "genre-fremd" schreiben soll. Fremdgehen musste sie mit ihrer mitgebrachten Kurzgeschichte aber nicht, denn auch diese spielt in einer "fantastischen" Welt! Thomas Beitrag zum Thema fiel etwas kürzer aus und bestand aus wenigen Worten: "Kurzgeschichten ist die Hölle!"

Ein weiteres, interessantes Gesprächsthema war der gesellschaftspolitische (eventuell kritische) Ansatz in Dystopien. Warum waren dystopische Geschichten plötzlich so erfolgreich?
Thomas erzählte, dass er bereits vor den Tributen von Panem seine Idee zu "Das verbotene Eden" angeboten hat. Diese wurde jedoch eher belächelt und abgelehnt, bis schließlich doch, nach Suzanne Collins Erfolg, die sozialkritisch betrachtete Liebesgeschichte, die in der Zukunft spielt, auf Interesse staß. Jenny vertrat die Meinung, dass das allgemeine Interesse der Jugendlichen für das aktuelle Weltgeschehen gewachsen ist. In jeder Gesellschaft gibt es kritikfähige Punkte. Diese Kritik wird von den Lesern erwartet und kommt deshalb in Dystopien so gut an.

Für mich war es ein unheimlich spannendes und interessantes Gespräch. Mein Stift flog nur so über meinen Notizblock und ich hoffe, ich konnte euch ein paar Einblicke geben. Danach löste sich die Runde auf, es wurde noch ein bisschen locker geplaudert und in den ausliegenden Büchern und Presseinfos geblättert. Dann war es auch schon kurz vor 19:00 Uhr. Der Adlersaal hatte sich zwischenzeitlich gefüllt. Knapp 350 Besucher wurden erwartet.

Wie unsere gemütliche Runde beim Pressegespräch aussah, könnt ihr u.a. auf diesem Bild und auf diesem Bild sehen. Generell könnt ihr euch gern mal durch die tolle Bildergalerie von Roger Murmann klicken.

Wie die Veranstaltung ablief, welche Programmpunkte uns erwarteten und welche interessanten Gespräche wir am "Ort der Begegnung" führen konnten, erzähle ich euch im zweiten Teil meines Berichtes, der in den nächsten Tagen folgen wird!