Montag, 30. September 2013

"Wir sprechen heute Abend über Angst" ~ Wulf Dorn am 26.09.2013 in Leipheim [Lesungsbericht]



Im letzten Jahr hatte ich, ebenfalls anlässlich einer Lesung von Wulf Dorn, das Zehntstadel in Leipheim als eine ganz besondere Event-Location kennengelernt. Ich war beeindruckt von der urigen Atmosphäre, in die Wulf Dorn mit "Dunkler Wahn" ganz hervorragend hinein passte.

Am vergangenen Donnerstag erklomm ich die Stufen zum Zehntstadel ein weiteres Mal und freute mich auf einen spannenden, gruseligen und sicher auch unterhaltsamen Abend. Anfang September erschien Wulf Dorns neuer Thriller "Phobia", den er seinen rund 70 anwesenden Leserinnen und Lesern in gemütlicher Runde vorstellen wollte. Organisiert und veranstaltet wurde diese Lesung von der Hutter Buchhandlung in Kooperation mit der Stadtbücherei Leipheim.

Da ich bereits um 19:15 Uhr vor Ort war, ergatterte ich einen tollen Platz in der ersten Reihe. Wie schon beim letzten Mal gab es kleine 4er bzw. 6er Tische und keine Stuhlreihen, was ich für einen Lesungsabend mehr als angenehm empfand. Ein kurzer, freundlicher Plausch mit Uwe Geiger, dem verantwortlichen Mitveranstalter der Stadtbücherei Leipheim, der mich doch tatsächlich als eine Lesungsbesucherin vom letzten Jahr wiedererkannte und ein Kaltgetränk später, absolvierte Wulf Dorn seinen Soundcheck. Ich freute mich sehr darüber, dass er danach noch Zeit für eine persönliche Begrüßung hatte. Es war ein schönes Wiedersehen!

"Wir sprechen heute Abend über Angst."

Um 20:00 Uhr hieß uns der Veranstalter Herzlich Willkommen und übergab das Wort direkt an den komplett in Schwarz gekleideten Autor. Gewohnt charmant blubberte Wulf Dorn direkt drauf los und rief seine Zuhörerinnen und Zuhörer dazu auf, ihre ortsansässigen Buchhandlungen zu unterstützen, schließlich sind sie es, die solch tolle Abende ermöglichen. Nicht amazon, nein - die Buchhändler laden die Autoren ein, geben ihren Kunden die Möglichkeit, ihre Lieblingsautoren hautnah zu erleben, nehmen Überstunden für solche Events gern in Kauf und haben immer eine passende Buchempfehlung parat.

"Angst hat viele Facetten"

Dann sprach Wulf über das Cover seines aktuellen Thrillers "Phobia", denn wie schon bei "Dunkler Wahn" oder "Mein böses Herz", hat auch dieses eine besondere Bedeutung in der Geschichte. Schon vor der Veröffentlichung erhielt er viele Zuschriften und Reaktionen auf den Puppenkopf. Die meisten waren recht angetan und eher positiv - nur eine Dame fällte ein niederschmetterndes Urteil - nämlich seine eigene Mutter. Mittlerweile steht das Buch natürlich in ihrem Bücherregal - jedoch falsch herum, so dass sie das grausige Cover nicht ansehen muss.

Wir erfuhren einiges über Wulfs Arbeit an "Phobia", dessen Titel er sich schon vor einigen Jahren gesichert hatte. Er wollte ein Buch über Ängste schreiben, erzählte er und klärte uns über die verschiedenen Arten von Ängsten auf. Neben den konkreten Ängsten (wie z. B. der Angst vor Spinnen, Höhenangst, oder der Angst vor einer Gruppe frei zu sprechen) existieren auch abstrakte Ängste, die schwerer zu benennen sind. Die Angst vor dem "Unbekannten".

"Kinder wissen noch nicht viel von den wahren Schreckgestalten, die jenseits der dunklen Fensterscheibe auf sie lauern. Von den Ängsten, die weitaus komplexer sind als jeder schwarze Mann und jedes noch so grässliche Monster. Denn sie haben kein Gesicht, keine Gestalt, so sehr man auch versucht, sie beim Namen zu nennen."
Zitat aus PHOBIA, Seite 37

An dieser Stelle machte sich Wulf auf den Weg ins Publikum und fragte seine Zuhörer nach ihren Ängsten, bevor er uns von seiner eigenen Angst erzählte. Wusstet ihr, dass Wulf Dorn Angst vor Schlangen hat? Im Plauderton ließ er uns an einer Anekdote aus seinem Urlaub in Indonesien teilhaben, während dem ihm eine erschreckend große Boa als lebendes Accessoire für ein typisches Touristenfoto entgegengehalten wurde. "Es ist mir schon unangenehm einen Gartenschlauch anzusehen", beichtete er schmunzelnd.

Ängste begegnen uns tagtäglich. Bevor Wulf mit der eigentlichen Lesung begann, belegte er diese These mit einer weiteren Geschichte, die sich vor einigen Jahren tatsächlich so in London zugetragen hatte. Dass eine versehentlich im Bus stehen gelassene Einkaufstüte einer orientalisch aussehenden Frau der Grund dafür sein kann, dass die Londoner Polizei die komplette Innenstadt abriegelt, ist ebenfalls auf die ängstlicher und vorsichtiger gewordene Gesellschaft zurückzuführen.




Bei flackerndem Kerzenlicht griff der Autor schließlich zu seinem Buch und stellte uns in einem schaurigen Kapitel zuerst seinen Antagonisten vor. Ein Raunen ging durch die Zuhörer, als Wulf die letzten Worte las. Wer Wulf Dorn bereits auf einer Lesung erleben durfte weiß, dass er ein begnadeter Vorleser ist. Nicht vielen Autoren gelingt es, ihre Geschichten so atmosphärisch vorzutragen. Gekonnt wurde hier betont und die Stimme verstellt, so dass ich schnell mitten ins Geschehen eintauchte. Die Gänsehaut, die bereits beim Lesen des Buches immer wieder über meine Arme gekrochen war, machte sich im anschließenden Lesungsteil wieder bemerkbar. An der Seite seiner Protagonistin Sarah schlich ich vorsichtig in das Zimmer ihres 6-jährigen Sohnes, um das gruselige Klopfgeräusch am Fenster zur orten. Schließlich folgte (von inneren Jubelschreien begleitet) meine Lieblingsszene, in der Sarah ihren Mann viel zu früh von seiner Geschäftsreise zurückkommen hört. Als die Spannung und der Gruselfaktor beinahe unerträglich wurden, besaß der schelmisch grinsende Autor tatsächlich die Frechheit, das Buch sinken zu lassen und uns zu fragen, ob er denn weiter lesen soll... Was für eine Frage! Ich brachte nur ein heiseres "Jaaaaaaa" heraus - ... als Einzige! Im Zehntstadel hätte man eine Stecknadel fallen hören... nach meiner emotionalen Reaktion natürlich nicht mehr, denn die Lacher ließen nicht lange auf sich warten. Auch Wulf konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, kommentierte meine Äußerung sehr charmant und las wirklich noch ein paar Sätzchen weiter, bevor er uns mit dem schaurigen Anblick des Narbenmannes in den Abend entließ.  

Nach seinem wohlverdienten Applaus verriet er uns noch, dass wir es in "Phobia" mit vielen kleinen Erlebnissen zu tun bekommen, die auf wahren Begebenheiten basieren - klingt spannend, oder? 

Natürlich stand der Autor auch nach der Lesung noch für Fragen und Signierwünsche zur Verfügung. Auch ich reihte mich in die Schlange (tzzzzzzzzzzz) ein und ließ mir "Phobia" mit einer lieben Widmung versehen. So endete ein erneut sehr unterhaltsamer und spannender Abend im Leipheimer Zehntstadel. 

Vielen Dank an die Veranstalter - und natürlich Wulf Dorn selbst - für einen schaurig-schönen Abend, an den ich auch jetzt noch gern zurückdenke.

Solltet ihr die Möglichkeit haben, Wulf Dorn einmal live auf einer Lesung zu erleben, dann ergreift sie. Seine aktuellen Lesungstermine findet ihr HIER AUF SEINER HOMEPAGE.

oder



Kommentare:

  1. Hallo Anka,
    ich habe gerade heute nachmittag mit Phobia angefangen. Ja, ja die Klopfgeräusche... gruselig... ich hatte als Kind immer Angst, das jemand unter dem Bett lag, oder im Schrank... bbbrrr... mag ich gar nicht dran denken...
    Danke für deinen Bericht.
    LG Ina

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    1. Hallo Ina,

      oh wie spannend! Ich freue mich sehr auf dein Fazit! Mal sehen, ob du ebenso begeistert bist wie ich! Ich hoffe es :)))
      Spannende Lesestunden wünsche ich dir!
      Liebe Grüße
      Anka

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  2. Ich lese im Moment sehr wenig bis gar keine Thriller, aber der Lesungsbericht war super spannend und die kleinen Tischenchen hören sich total gemütlich an. Hab noch nie drüber nachgedacht, dass es natürlich auch anders geht, als in Stuhlreihen zu sitzen.

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    1. Hallöchen!
      Wieso liest du momentan keine Thriller? Allgemein eher selten? Ich muss gestehen, dass es bei mir auch eher selten vorkommt, dass ich so viele Thriller in so kurzer Zeit lese. So langsam ist mir mal wieder nach 'ner Mütze Chick-Lit :P
      Gell? Die Tisch-Idee ist klasse und soooo passend. Gemütlich mit einem Glaserl Wein oder 'ner Tasse Tee einer tollen Lesung lauschen... herrlich :)
      Liebe Grüße
      Anka

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  3. Grüß Dich, Anka.
    Ich kann auch nur unterstreichen, daß der heimelige Saal so ideal wie besonders für eine Lesung ist. Dicke Empfehlung!
    Als Wulf Dorn die Geschichte von der aufgelösten Frau in London ausführte, kam mir wieder in den Sinn wie leicht die Menschen immer noch beeinflußt werden können. Etwas muß nur lange genug durch die Medien getrieben werden.

    Du kannst versichert sein, daß Dein dezent geäußertes "Jaaaaa", auf Wulfs Frage, genau in die Situation paßte!
    :-)

    A bientôt et

    bonté

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