Samstag, 2. Februar 2013

::: Rezension: Rachekind ~ Janet Clark :::



· Titel: Rachekind
· Autor: Janet Clark
· Medium: Taschenbuch (512 Seiten)
· Verlag: Heyne Verlag (Januar 2013)
· ISBN: 978-3-453-40927-9
· Genre: Mysterythriller
· Preis: 9,99 Euro



 

K U R Z B E S C H R E I B U N G

Sein Schatten verfolgt dich
Hannas Mann Steve verschwindet spurlos. Hanna ist sich sicher, dass etwas Schlimmes passiert ist, doch niemand glaubt ihr, bis ihre einjährige Tochter Lilou fast entführt wird. Als Lilou sich immer mehr verändert, scheint es, als stehe sie in Kontakt mit ihrem Vater. Hanna begreift, dass dies ihre einzige Chance ist, Antworten zu bekommen, da ihre verzweifelte Suche bislang nur eines zutage förderte: Der Mann, den sie unter dem Namen Steve Warrington kennen und lieben lernte, hat offiziell nie existiert. Sie macht sich auf die Suche nach der Wahrheit und begibt sich dabei in tödliche Gefahr ...

A N K A S   G E B L U B B E R

Sehnsüchtig habe ich den neuen Thriller von Janet Clark erwartet - zumal dieser "anders" sein sollte, als ihre bisherigen. Die sympathische Autorin serviert uns einen packenden Thriller der Extraklasse, gespickt mit einem Schuss "Übernatürlichen".

Hanna lebt in einer glücklichen Beziehung mit Steve, deren Höhepunkt das gemeinsame, zuckersüße Töchterchen Lilou bildet. Alle beide sind vernarrt in das quirlige Mädchen und leben ein scheinbar perfektes Leben, bis Hanna eines Abends ihre einjährige Tochter leblos in ihrem Bett vorfindet. Die Reanimationsversuche zeigen Wirkung und Lilous Herz beginnt wieder zu schlagen - doch wo ist Steve? Er sollte auf seine Tochter aufpassen, aber von ihm fehlt jede Spur.
Für Hanna beginnt ein wahrer Alptraum. Auf der Suche nach ihrem Mann erfährt sie, dass Steve nicht der war, für den sie ihn gehalten halt. Mithilfe eines Privatdetektives versucht sie herauszufinden, was hinter Steves plötzlichem Verschwinden steckt und gerät schließlich selbst in Gefahr. Wäre das nicht schon genug, verhält sich Lilou seit ihrer Nahtoderfahrung sehr merkwürdig. Sie brabbelt mit einem unsichtbaren Freund, schnalzt mit der Zunge, so wie es nur Steve getan hat, vergräbt Dinge und wirkt oft viel ernster und in sich gekehrter als vorher.

Oh man, was habe ich mich mit diesem Mystery-Thriller gegruselt. Ich musste schnell am eigenen Leibe feststellen, dass Janet Clark ihr Handwerk versteht. Immer wieder kroch mir eine Gänsehaut über den Körper und es gab Momente, in denen ich beim Lesen vor Schreck so zusammengezuckt bin, dass mir meine Mitreisenden in der Bahn skeptische Blicke zugeworfen haben.

Hanna ist eine Protagonistin, mit der ich mich leicht identifizieren konnte. Ihre Angst, ihre Panik und ihr schließliches Misstrauen gegenüber Gott und der Welt, waren für mich nachvollziehbar. Ich hatte Mitleid mit ihr, hätte sie liebend gern getröstet und in den Arm genommen. Trotz des grausamen Alptraums, in dem sie sich befindet, bleibt sie stark, kämpft für ihr Kind und um ihre Ehe. Während ihre Freunde davon ausgehen, dass Steve abgehauen ist, verlässt sie sich auf ihr tiefes Gefühl, die Liebe, die sie immer verbunden hat und glaubt an ein Verbrechen.
Auch die Nebencharaktere haben mir gut gefallen. Sei es nun der engagierte Privatdetektiv Marten, Hannas neue Freundin Britt oder Steves Mutter. Sie alle runden die Geschichte ab, lenken die Spur mal auf sich und dann doch wieder in eine ganz andere Richtung, sodass nicht nur Hanna, sondern auch der Leser selbst, nicht mehr weiß, wem zu trauen ist und wem nicht.

Der Autorin gelingt es, die Spannung von Anfang an aufzubauen und konstant aufrecht zu erhalten. Beim Lesen war ich stets unter Strom und traute der plötzlichen Ruhe nicht, die sich zwischenzeitlich immer mal wieder über die Seiten zog - zu Recht, denn für Hanna sind die durchlebten Wochen alles andere als ruhig.

Immer wieder gibt es anhand kurzer Tagebucheinträge kleine Rückblenden in Steves Kindheit, die ein bisschen mehr Aufschluss über sein Verhalten und die Umstände seines Verschwindens geben sollen. Am Ende ließen mich die Beschreibungen beklemmt und fassungslos zurück. Wie grausam können Menschen sein?

Das Setting der Geschichte hat mir besonders gut gefallen. Während ihrer Nachforschungen zieht es Hanna mit ihrer Tochter nach England, um dort Steves Eltern ausfindig zu machen. Am liebsten hätte ich mich mit ins Flugzeug gesetzt und mich in dem urigen Haus der Warringtons und dessen Umgebung umgeschaut.

Während ich als Leserin aufgrund einer beschriebenen Szene im Prolog geahnt habe, was mit Lilou los ist, tappt Hanna völlig im Dunkeln. Hier kommt der etwas übernatürliche "Mystery-Touch" ins Spiel, der ganz wunderbar in diese Geschichte passt. Nicht zu übertrieben, sondern mit einer großen Portion Skepsis, nähern sich sowohl die Autorin Janet Clark, als auch ihre Protagonistin Hanna dem Thema und machen das Buch somit zu etwas ganz besonderem. Mir hat dieser Hauch Mystery unheimlich gut gefallen - es gibt so vieles zwischen Himmel und Erde, das wir uns einfach nicht erklären können.

Zum Ende hin dröselt Janet Clark alles Stück für Stück auf, wobei sie natürlich nicht auf einen aufregenden Showdown verzichtet. Alle Fragen, die ich mir im Laufe der Handlung gestellt hatte, wurden beantwortet und führten mich zu einem rührenden Ende.

"Rachekind" ist ein wahnsinnig intensiver, packender und spannender Thriller, mit dem ich so manch gruselige Stunde verbracht habe. Er ist aufgrund der mystischen Elemente etwas ganz besonderes und verdient zu meinem Monats-Lesehighlight im Januar 2013 gekürt worden.

Ich freue mich auf den nächsten Jugendthriller von Janet Clark, der bereits im März 2013 unter dem Titel "Sei lieb und büße" im Loewe Verlag erscheinen wird. Wer nicht so lange warten möchte und ihre bisherigen Bücher noch nicht kennt, findet in "Schweig still, süßer Mund" (Jugendthriller) und "Ich sehe dich" (Erwachsenenthriller) ebenfalls spannende Unterhaltung.


W E I T E R F Ü H R E N D E   I N F O S

Janet Clark hat sich vor Kurzem in mein Autoren Poesiealbum eingetragen

Wenn euch dieses Buch gefallen hat, schaut euch auch mal diese Titel an:
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