Sonntag, 24. März 2013

Rezension ~ dark destiny ~ Jennifer Benkau


dark destiny


·  Autor: Jennifer Benkau
·  Medium: Hardcover (464 Seiten)
·  Verlag: script5 (März 2013)
·  ISBN: 978-3-8390-0145-5
·  Genre: Dystopie

Reiheninfo:
(2) dark destiny







Kurzbeschreibung des Verlages

Hilflos musste Joy mit ansehen, wie Neél von ihren eigenen Leuten gefangen genommen und gefoltert wurde. Ihre große Liebe, all ihre Hoffnungen und Zukunftspläne zersplittern zu einem Scherbenhaufen, als sie schließlich von Neéls Tod erfährt. Trotz ihrer unendlichen Trauer fasst Joy einen folgenschweren Entschluss: Sie will nicht länger zu Matthials Clan gehören. Also macht sie sich allein und schlecht ausgerüstet auf den Weg durch Bomberland und von feindlichen Clans besetztes Gebiet. Es ist eine Suche nach Antworten: Wie starb Neél? Und warum? Doch es ist auch eine Suche, an deren Ende Hoffnung steht. Hoffnung auf eine zweite Chance.
Textquelle: script5


Ankas Geblubber


Endlich geht es weiter. Schon lange habe ich keine Fortsetzung mehr so herbeigesehnt wie diese. "Dark Canopy" zählt zu meinen absoluten Lieblingsbüchern, hat mich zu 10000% begeistert und am Ende mit einem richtig fiesen Cliffhanger zurückgelassen. Als ich nun "Dark Destiny" in der Hand hielt, hätte ich es am liebsten sofort aufgeschlagen und losgeschmökert. Wie geht es mit Joy weiter? Sie ist zwar frei, aber wird sie sich auch wieder den Rebellen anschließen? Was ist mit Neél? Ist er wirklich tot?

Ich bemühe mich, eine spoilerfreie Rezension zu schreiben. Ihr braucht also keine Angst haben, ich werde euch (fast) nichts zum Inhalt verraten, aber ich kann nicht garantieren, dass ich euch nicht mit meiner Begeisterung für diese außergewöhnliche Dilogie anstecke. - Suchtgefahr - ihr seid gewarnt.

"Dark Destiny" schließt nahtlos an die Ereignisse in Band 1 an. Joy hört Neéls Schrei, auf den eine eisige Stille folgt... 

Für die einst so toughe Joy ist klar, dass sie nicht länger in Matthials Nähe leben kann. Trauer, Wut, Verzweiflung, Schmerz und ein kleines Fünkchen Hoffnung treiben sie an und ebnen ihr den steinigen Weg durch den eiskalten Winter. Sie kämpft nicht nur gegen die erschwerlichen Witterungsbedingungen oder ihre ehemaligen Verbündeten, nein, den wohl härtesten Kampf fechtet sie mit sich selbst aus. Als Leserin bekam ich einen tiefen Einblick in Joys Gefühle, ihre Zerrissenheit und ihre Hilflosigkeit. Ich fühlte mit ihr und spürte, wie sie trotz des schweren Schicksalsschlags, ihren Mut und ihre Stärke nie verlor.

"Auch wenn ich vieles verloren hatte: 
Diesem Wunsch blieb ich treu. 
Ich wollte ich selbst sein dürfen. 
Bisher war mir das immer gelungen."
S. 271 

Joy ist für mich die wohl interessanteste Protagonistin, die mir je über den Weg gelaufen ist. Sie hat ihre Ecken und Kanten, das ist richtig, aber genau diese und die Menschlichkeit, die sie ausstrahlt, machen sie zu einem ganz besonderen Charakter. Ich finde es großartig, dass Jennifer Benkau ihrer Heldin so viel Platz und Raum zur eigenen Entfaltung lässt. Ich konnte ihr Verhalten, jeden ihrer Schritte und ihre Entwicklung komplett nachvollziehen. Irgendwann hatte ich sogar das Gefühl, ihr nicht nur über die Schulter zu schauen, sondern in ihr drin zu stecken, so authentisch und intensiv wird sie dargestellt.

Natürlich gibt es auch ein Wiedersehen mit "alten Bekannten", lieb gewonnenen oder gehassten Charakteren aus Band 1. Matthial als Person hat mich sehr beeindruckt - positiv oder negativ, das sei dahingestellt. Während er mir in Band 1 noch sympathisch war und ich es bewundert habe, wie er um Joy gekämpft hat, so verliert er in Band 2 zwar an Sympathie, gewinnt aber an Authentizität. Auch er ist kein leichter Charakter. Seine Entwicklung ist für mich mit die spannendste.

Der Fokus liegt für mich klar auf den Protagonisten, ihren Gefühlen und den Beweggründen, die sie zu den Personen machen, die sie am Ende des Buches sind. Hierbei verliert die eigentliche Handlung für mich an Wichtigkeit, wobei die Veränderungen, der sich ankündigende Aufstand und die "Mission dark destiny" (ich nenne sie jetzt mal so, damit ich nicht spoilern muss. Ich denke, diejenigen, die das Buch bereits gelesen haben, wissen was ich meine) spannende Lesemomente versprechen. So kommt es, dass die ersten 250 - 300 Seiten zwar sehr emotional und intensiv sind, die eigentliche Action aber erst auf den letzten 100 - 150 Seiten Platz findet. Auf diesen Seiten überschlagen sich die Ereignisse förmlich. Es passiert so viel, meiner Meinung nach ZU viel für diese wenige Anzahl an Seiten. Mein Wunsch wäre es gewesen, aus der Dilogie vielleicht doch eine Trilogie zu machen. In diesem außergewöhnlichen Plot steckt einfach so viel mehr. Insbesondere zur "Mission dark destiny" und alles was danach passiert, hätte ich mir mehr Infos gewünscht, da sich hier noch mal eine ganz neue Welt offenbart (im wahrsten Sinne des Wortes). 

Jennifer Benkaus Schreibstil ist und bleibt für mich einzigartig. Er passt sich automatisch den Protagonisten an. Ich liebe ihre stellenweise harte, dann im nächsten Moment wieder ganz zart und verletzlich klingende Art. Ich finde es großartig, dass auch mal Kraftausdrücke fallen, während der folgende Abschnitt wieder etwas Poetisches in sich trägt. Frech, direkt, bilderreich und voller Emotionen.

Wie es sich für den Abschlussband einer Reihe gehört, gelingt es der Autorin sehr gut, alle wichtigen, offenen Fragen zu klären. Trotzdem (und das finde ich unglaublich toll) lässt sie den Leser irgendwann von der Hand, sodass er eigene Vermutungen anstellen und die Geschichte für sich selbst weiterspinnen kann. Ich möchte nicht von einem komplett offenen Ende sprechen, trotzdem bleibt genug Raum für die eigenen Träume.

"Morgen schon, versprach ich ihm in Gedanken, 
bin ich nur noch eine Erinnerung."
S. 141

Noch nie habe ich ein Buch SO zufrieden zugeschlagen, obwohl es das Ende ganz schön in sich hat. Sobald es auf die letzten Seiten zugeht, sollten Taschentücher in Reichweite bereitliegen. Trotz seiner Härte hätte es jedoch kein anderes Ende geben dürfen. Ich danke Jennifer Benkau für ihren Mut, den sie durchaus mit diesem Abschluss bewiesen hat. Er passt wie die Faust aufs Auge, auch wenn vielleicht nicht jeder Leser so denkt.

Meiner Meinung nach heben sich "Dark Canopy" und "Dark Destiny" mit ihren außergewöhnlich authentischen, intensiven und spannenden Charakteren von anderen Dystopien ab. Diese Dilogie ist erwachsener, echter und führt ihre Leser ganz nah an ihre Protagonisten heran.
Für mich ganz klar ein außergewöhnliches Lesehighlight. Ich bin sehr froh darüber, dass ich in diese bewegende und packende Geschichte eintauchen durfte und werde die Charaktere, insbesondere Joy, noch lange im Herzen bei mir tragen.


Blubbert mit mir!