Dienstag, 5. März 2019

Lucky Loser | Heidemarie Brosche

Manchmal scheint es so, als würde wirklich alles schief gehen. Erst wird Lukas „Lucky“ Loser zum wiederholten Mal beim Schwarzfahren erwischt und daraufhin zu Sozialstunden im Altenheim verdonnert, dann blockiert ihn seine Freundin Kim plötzlich auf WhatsApp. Der 15-jährige würde sich am liebsten in sein Zimmer verkrümeln, GTA zocken und all den Problemen den Rücken zukehren, doch stattdessen stapft er missmutig in das Altenheim, in dem er in den kommenden Tagen seine „Strafe“ ableisten muss. Dass ausgerechnet ein alter Mann mit einem dunklen Geheimnis Lukas Leben verändern wird, ahnt der Junge natürlich noch nicht, als er das Büro der Heimleitung betritt.

Ich bin erstaunt, welch schöne und intensive Geschichte man auf nur 144 Seiten erzählen kann. Aufgrund des nicht wirklich ansprechenden Covers war ich zu Beginn noch etwas skeptisch, doch bereits nach wenigen Seiten hatte mich die Geschichte in ihren Bann gezogen. Das lag nicht zuletzt an dem herrlichen Humor, den die Autorin Heidemarie Brosche ihrem jungen Helden schenkt. Gespickt mit viel Situationskomik erzählt sie erfrischend und frech die berührende Geschichte über die Begegnung zwischen Lukas und Willy Winning.


Ich kann mir vorstellen, dass sich viele junge Leserinnen und Leser schnell mit Lukas identifizieren. Wer kennt das Gefühl nicht, dass sich alles und jeder gegen einen verschworen hat. Die Schule nervt, die Eltern verstehen einen nicht, dauernd summt und brummt das Handy, die Freundin straft einen mit Ignoranz und dann muss man auch noch für Fehler einstehen, die man bei all dem Drunter und Drüber blöderweise begangen hat – die Probleme häufen sich zu einem unerklimmbaren Berg. Die Autorin kann ihre jungen Leserinnen und Leser genau dort abholen, wo sie sich gerade befinden und sie dabei zusehen lassen, wie Lukas mit all dem Trouble zurechtkommt. Er kann schon manchmal ein kleiner Quatschkopf sein, über dessen Gedanken ich immer wieder schmunzeln musste, den ich jedoch trotzdem oder gerade deshalb schnell ins Herz geschlossen habe. Aber auch er verzweifelt, auch er flucht und resigniert – bis Willy in sein Leben tritt.

Anfangs fühlte ich mich von der jugendlichen Sprache und dem doch sehr einfach gehaltenen Schreibstil etwas überrumpelt und befürchtete, dass mir dieser eventuell zum Verhängnis werden könnte. Doch schon bald nahm ich ihn gar nicht mehr wahr, genoss die kurzweiligen Kapitel und inhalierte die jugendliche Frische. Trotz an die Jugend angepasster Sprache, übertreibt es die Autorin mit dem Slang nicht.

Ich finde, Heidemarie Brosche hat einen guten Weg gefunden, junge Leserinnen und Leser, die eventuell nicht so häufig zum Buch greifen, sowohl inhaltlich, als auch sprachlich abzuholen. Die Gestaltung des dünnen Büchleins trägt ebenfalls dazu bei, dass man gern durch die Seiten blättert. Die bunten Illustrationen wurden passend zur Geschichte gestaltet und ermöglichen kleine Verschnaufpausen während des Lesens. Die Schrift ist groß und die Seiten wirken nicht überfüllt, was ein sehr angenehmes Lesegefühl vermittelt. In kürzester Zeit sind viele Seiten gelesen – was sicher auch für den einen oder anderen Leser bzw. die ein oder andere Leserin ein echtes Erfolgserlebnis sein kann.

Liebevoll und nachdenklich, im nächsten Moment wieder witzig und albern erzählt – diese Geschichte macht Spaß und berührt gleichzeitig. Am Ende entlässt sie die jungen Leserinnen und Leser mit einer schönen Message und einem guten Gefühl.


W E I T E R F Ü H R E N D E   I N F O S

Taschenbuch* | 144 Seiten | erschienen im Januar 2019 im Hase und Igel Verlag | ISBN 978-3-86760-261-7 | Mehr über die Autorin bei Ankas Geblubber findet ihr HIER

* = dieses Buch wurde mir kostenlos- und bedingungslos vom jeweiligen Verlag bzw. AutorIn zur Verfügung gestellt


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