Lesemonat Mai: Nur 3 Bücher, aber vielleicht war genau das mein bester Lesemonat
Dieser Lesemonat war was die Menge an Büchern angeht wieder eher überschaubar. Ich habe im Mai nur drei Bücher beendet. Aber ganz ehrlich: Wenn diese drei Bücher im Schnitt bei 4,5 Sternen landen und mich jedes auf seine eigene Art begeistert, dann darf man schon mal sagen, dass weniger manchmal wirklich mehr ist.
Mein Lesemonat Mai hatte also vielleicht nicht quantitativ etwas zu bieten, dafür aber richtig viel Qualität. Mit dabei waren eine geliebte Kinderbuch-Reihenfortsetzung, ein absolutes Hörbuch-Highlight voller Buchmagie und eine Sci-Fi-Romcom im Weltall, die mich überraschend oft zum Schmunzeln gebracht hat.
Mein Video zum Lesemonat findet ihr am Ende dieses Beitrags.
Mein Lesemonat in Zahlen
- Gelesen bzw. gehört: 3 Titel
- Durchschnittsbewertung: 4,5 Sterne
- Fazit: Kein einziges Buch war ein Reinfall
Und genau deshalb hat mir dieser Lesemonat trotz weniger Bücher so gut gefallen. Es gab keine Enttäuschung, keine zähe Pflichtlektüre, kein Buch, durch das ich mich durchkämpfen musste. Stattdessen durfte ich drei Geschichten erleben, die wirklich eine Bühne verdient haben.
Baskerville Hall 3: Das Tal der Lügen von Ali Standish
Werbung: Dieses Buch wurde mir als kostenfreies Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.
Das erste Buch in diesem Lesemonat war der dritte Band der Baskerville-Hall-Reihe von Ali Standish, übersetzt von Jessika Komina und Sandra Knuffinke. Ich habe mich wahnsinnig darauf gefreut, denn diese Reihe hat sich für mich längst zu einer Kinderbuchserie entwickelt, die ich mit viel Begeisterung verfolge.
Empfohlen wird sie ab 10 Jahren. Ich muss aber sagen: Gerade dieser Band enthielt ein oder zwei Szenen, die ich schon eher heftig fand. Da würde ich persönlich die Altersempfehlung mindestens im Hinterkopf noch ein kleines bisschen nach oben schieben.
Worum geht es in der Reihe?
Im Mittelpunkt steht der junge Arthur Conan Doyle, also der spätere Schöpfer von Sherlock Holmes. Über sein echtes Leben ist einiges bekannt, über seine Internatszeit dagegen deutlich weniger. Genau dort setzt diese Reihe an und füllt die Lücken mit einer fiktiven Geschichte.
Die Idee dahinter liebe ich sehr, weil hier quasi die Grundlagen für sein späteres Schreiben gelegt werden. Deshalb tauchen auch Namen und Anspielungen auf, die man aus dem Sherlock-Holmes-Kosmos kennt. Wer an solchen literarischen Spielereien Freude hat, kommt hier wirklich auf seine Kosten.
Was in Band 3 anders ist
Anders als die ersten Bände spielt dieser Teil nicht dauerhaft direkt im Internat. Die Kids begeben sich schon zu Beginn auf eine Art Klassenfahrt, die sich ziemlich schnell in ein Abenteuer mit Schatzsuche verwandelt.
Besonders spannend ist, dass Arthur diesmal enorm unter Druck steht. Warum das so ist, solltet ihr unbedingt selbst herausfinden. Nur so viel: Er kann nicht wie sonst alles gemeinsam mit seinen Freund*innen lösen. Und genau das verändert die Dynamik dieses Bandes spürbar.
Warum ich diese Reihe so gern mag
Ali Standish schafft es jedes Mal, mich innerhalb weniger Seiten wieder komplett in diese Welt hineinzuziehen. Ich bin sofort drin, sofort wieder bei den Figuren, sofort in dieser Atmosphäre, die gleichzeitig geheimnisvoll, abenteuerlich und sehr lebendig ist.
Ich finde, junge Leser*innen können aus diesen Büchern viel mitnehmen. Gleichzeitig steckt auch für Erwachsene genug zwischen den Zeilen.
Feministische und gesellschaftskritische Untertöne
Was mir bei diesem Band wieder aufgefallen ist: Die Geschichte hat einen feinen, für mich aber spürbaren feministischen Einschlag. Nicht mit dem Holzhammer, sondern eher so, dass es ganz natürlich mitschwingt.
Es gibt starke weibliche Figuren und auch Arthurs Blick auf diese ist angenehm offen für die damalige Zeit, sehr wertschätzend und bewundernd. Ein weiteres Beispiel aus diesem Buch ist die Begegnung mit einer Autorin, die von einem Verlag nicht ernst genommen wird, weil sie eine Frau ist. Damit wird ein historischer Missstand aufgegriffen, ohne dass das Buch dabei belehrend wirkt. Zur damaligen Zeit gab es einige Frauen, die unter männlichen Pseudonymen veröffentlichen mussten.
Ich mag das sehr. Solche Themen bekommen Raum, aber die Geschichte bleibt trotzdem in erster Linie ein spannendes Abenteuer.
Mein Eindruck zum dritten Band
Vor allem zum Ende hin zieht die Spannung richtig an. Da passieren Dinge, bei denen ich schon kurz dachte: Hui, das ist für ein ab zehn Jahren empfohlenes Buch nicht ohne.
Einziger kleiner Kritikpunkt: Zum ersten Mal hatte ich in dieser Reihe das Gefühl, dass es zwischendurch minimale Längen gab. Weil Arthur anfangs stärker auf sich allein gestellt ist, gibt es weniger Dialoge und mehr Recherche, mehr Nachdenken, mehr Alleingänge. Das hat sich für mich an ein paar Stellen etwas gezogen.
Trotzdem bleibt mein Fazit sehr eindeutig: Diese Reihe macht mir weiterhin unglaublich viel Freude, und ich hoffe sehr, dass noch viele weitere Bände folgen.
Bewertung: 4,5 von 5 Sternen
Die magische Bibliothek der Buks 3: Der phantánasische Schlüssel von Nina George und Jens J. Kramer
Wenn ich an meinen Lesemonat zurückdenke, dann war das hier vermutlich mein emotionalstes Highlight. Wobei ich eigentlich sagen muss: Es war nicht nur das Buch selbst, sondern ganz besonders das Hörbuch.
Und ich lehne mich wirklich nicht weit aus dem Fenster, wenn ich sage: Das ist für mich eines der allerbesten vertonten Hörbücher, die ich jemals gehört habe.
Die Ausgangsidee der Reihe
Auch das hier ist eine Reihenfortsetzung, deshalb möchte ich zum Inhalt des dritten Bandes nicht zu viel verraten. Die Grundidee der Reihe ist so schön, deshalb nehme ich euch gedanklich noch mal an den Anfang mit:
Wir befinden uns in einer Welt der nahen Zukunft, in der Bücher praktisch keine Rolle mehr spielen. Kinder wachsen auf, ohne überhaupt zu wissen, dass es einmal Bücher gegeben hat. Gleichzeitig existieren aber noch einige Exemplare, und auf diese passen die Buks auf. Das sind Buchschutzgeister, die in einer verborgenen Bibliothek leben.
Das Problem: Die Bücher sind in Gefahr. Buchstaben verschwinden, Wörter lösen sich auf, in Geschichten entstehen regelrechte leere Stellen. Es gibt also eine Bedrohung, die die Bücher von innen heraus zerstört.
Eine Prophezeiung kündigt an, dass irgendwann Kinder kommen werden, die diese Bücher retten können. Genau dort setzt die Geschichte ein.
Warum diese Reihe so viel Buchliebe transportiert
Diese Reihe ist im Kern eine Liebeserklärung an Bücher. Und zwar nicht auf kitschige Weise, sondern so, dass man beim Hören oder Lesen wirklich spürt, warum Geschichten so wichtig sind.
Besonders berührend ist der Moment, in dem Kinder zum ersten Mal ein Buch aufschlagen und entdecken, was Lesen eigentlich bedeutet. Dass da nur Zeichen auf Papier stehen und daraus plötzlich ganze Welten entstehen. Genau diese Magie fängt die Geschichte wunderbar ein.
Was Band 3 mitbringt
Im dritten Band wird es wieder abenteuerlich, spannend, stellenweise auch ein wenig unheimlich, aber immer mit Wärme und Humor erzählt. Die Kinder können in Bücher eintauchen, sie also nicht nur lesen, sondern Geschichten tatsächlich betreten. Allein diese Idee ist schon großartig.
Diesmal läuft bei einer solchen Reise etwas schief. Ein Kind möchte nicht einfach nur ein Abenteuer erleben, sondern jemanden aus einer Buchwelt in die echte Welt holen. Dabei gerät vieles aus dem Ruder ...
Gleichzeitig steht auch die Bibliothek selbst unter Druck und muss geschützt werden. Und dann gibt es noch ein weiteres Highlight: Man erlebt zum ersten Mal mit, wie ein neuer Buk geboren wird. Allein diese Szene und die ganze Zeremonie drumherum fand ich absolut bezaubernd.
Mehr als nur Abenteuer
Natürlich geht es auch hier um Freundschaft, Zusammenhalt und darum, füreinander einzustehen. Aber die Reihe hat zusätzlich auch eine kleine Coming-of-Age-Komponente. Die Kinder fragen sich, wer sie sind, was sie können und welchen Weg sie einschlagen wollen.
Dadurch bekommt die Geschichte noch mehr Tiefe, ohne ihre Leichtigkeit zu verlieren.
Warum das Hörbuch so außergewöhnlich ist
Marian Funk liest dieses Hörbuch nicht einfach nur ein. Er macht daraus etwas, das sich wie ein Hörspiel anfühlt.
Jede Figur bekommt eine eigene Stimme, eine eigene Klangfarbe, eine eigene Persönlichkeit. Ohne große Effekte, ohne klassische Hörspielmachart mit vielen Sprechenden, nur durch seine Art zu lesen. Das ist schon ziemlich beeindruckend.
Er trifft die lauten, witzigen, actionreichen Momente genauso gut wie die stillen, gefühlvollen Szenen. Man merkt in jeder Minute, wie viel Gefühl und Energie darin steckt.
Deshalb würde ich bei dieser Reihe sogar sagen: Lesen ist sicher schön, aber wer das Hörbuch ignoriert, verpasst wirklich etwas.
Bewertung: 5 von 5 Sternen
Full Speed to a Crash Landing von Beth Revis, übersetzt von Karin Will
Werbung: Dieses Buch wurde mir als kostenfreies Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.
Mit dem dritten Titel in diesem Lesemonat ging es dann einmal direkt ins All. Und zwar mit einer Mischung aus Sci-Fi, Romcom und Space Opera, die mir richtig viel Spaß gemacht hat.
Wenn euch Beth Revis bekannt vorkommt: Sie hat unter anderem die Godspeed-Reihe geschrieben und auch im Star-Wars-Kosmos gearbeitet. Hier zeigt sie aber noch einmal eine ganz andere Seite, nämlich eine ziemlich charmante, humorvolle, prickelnde und zugleich clevere.
Die Ausgangssituation
Die Geschichte beginnt mit einer brenzligen Szene. Ada ist gerade dabei, ein anderes Raumschiff zu plündern, als ihr die Luft ausgeht. Sie sendet einen Notruf und wird ausgerechnet von einem Regierungsschiff gerettet.
Dort trifft sie auf den Agenten Rian White. Zwischen den beiden funkt es nicht nur ein bisschen, sondern ziemlich schnell und ziemlich deutlich. Gleichzeitig ist von Anfang an klar, dass White ihr nicht ganz traut, und damit liegt er auch nicht daneben.
Ada ist nämlich keineswegs zufällig auf diesem Schiff gelandet. Sie verfolgt eigene Ziele, spielt ihr eigenes Spiel und ist ihrem Gegenüber dabei oft mindestens einen Schritt voraus.
Warum mir Ada so gut gefallen hat
Ada ist für mich ganz klar das Herzstück dieses Buches. Sie ist klug, schlagfertig, charmant, zielstrebig und absolut nicht auf den Mund gefallen. Sie weiß, was sie will, und sie weiß meistens auch sehr genau, was sie tun muss, um ihre (unkonventionellen) Ziele zu erreichen.
Gerade die Szenen mit White leben von dieser Dynamik. Die beiden necken sich, testen einander aus und liefern sich Dialoge, die einfach Spaß machen. Ich hätte problemlos noch viel mehr von diesen Interaktionen lesen können.
Sci-Fi, aber nicht zu technisch
Wer bei Science Fiction sofort Sorge hat, mit komplizierten Erklärungen überladen zu werden, kann hier erst einmal entspannen. Ja, es gibt Hintergrundinformationen. Die braucht es auch, denn wir befinden uns nicht nur irgendwo im Weltall, sondern in einem größeren politischen und historischen Setting.
Es wird erklärt, wie diese Welt funktioniert, welche Planeten bewohnt sind und was mit der uns bekannten Erde passiert ist. Das nimmt Raum ein, ist aber insgesamt gut verständlich und nicht permanent hochtechnisch.
Trotzdem haben genau diese Passagen mein Lesetempo ein wenig gebremst. Nicht, weil sie schlecht gewesen wären, sondern weil ich die zwischenmenschlichen Szenen so stark fand, dass ich am liebsten immer direkt dorthin zurückwollte.
Humor, Twists und ein überraschendes Detail
Was ich an diesem Buch mochte, war die Mischung aus Tempo, Witz und kleinen Überraschungen. Es gibt einige Wendungen, die mich wirklich erwischt haben. Ich mag das sehr, wenn ein Buch mich nicht nur unterhält, sondern zwischendurch auch kurz aus dem Gleichgewicht bringt.
Und dann gibt es noch ein Detail, mit dem ich im Leben nicht gerechnet hätte: ziemlich weit hinten im Buch taucht plötzlich eine Art leidenschaftliche Verteidigung von Tauben auf. Ja, wirklich. Das war so unerwartet und gleichzeitig so leidenschaftlich! Natürlich hat mein Tierschutz-Herz sofort schneller geschlagen.
Mein Fazit zu diesem Ausflug ins All
Auch wenn ich an ein paar Stellen leichte Längen hatte, hat mir das Buch insgesamt richtig gut gefallen. Das Setting ist besonders, die Prämisse macht Spaß, und Ada ist eine Protagonistin, die ich sofort wieder begleiten würde.
Wenn ihr sonst eher Romcoms lest und euch Science Fiction bisher fremd ist, könnte das ein schöner Einstieg sein. Gerade weil das Buch nicht in technischem Ballast versinkt, sondern seine Stärke vor allem aus Figuren, Dynamik und Tempo zieht.
Bewertung: 4 von 5 Sternen
Warum mich dieser Lesemonat trotz weniger gelesener Bücher so glücklich macht
Wenn ich meinen Lesemonat Mai auf einen Satz herunterbrechen müsste, dann wäre es wohl dieser: Manchmal ist weniger tatsächlich mehr.
Ich hatte:
- eine starke Kinderbuch-Fortsetzung voller Atmosphäre, Freundschaft und Abenteuer
- eine buchverliebte Fantasy-Reihe mit absolut herausragendem Hörbuch
- eine clevere Sci-Fi-Romcom mit einer großartigen Hauptfigur
Und genau deshalb fühlt sich dieser Lesemonat für mich so rund an. Nicht jeder Monat muss aus einer Vielzahl an gelesenen Büchern bestehen, um mich glücklich zu stimmen. Manchmal reichen drei Titel völlig aus, wenn sie genau den richtigen Ton treffen.
Was ich als Nächstes lese
Aktuell begleitet mich Elias & Laia: Die Herrschaft der Masken von Sabaa Tahir, also der Auftakt einer vierbändigen Reihe. Nachdem mich der doch etwas sehr brutale Anfang ziemlich überrumpelt hat, bin ich nun doch wirklich sehr angetan und ziemlich froh, dass ich endlich dazu gegriffen habe.
Ich bin schon jetzt gespannt, ob sich dieser positive Eindruck hält und ob sich das Buch im nächsten Lesemonat dann ebenfalls in meine Lesehighlights einreihen wird.
Fazit zum Lesemonat Mai
Dieser Lesemonat war der beste Beweis dafür, dass Quantität einfach nicht alles ist. Drei Bücher, drei starke Leseerlebnisse, kein Flop. So darf ein Monat gern öfter aussehen.
Welche Bücher haben euch durch den Monat begleitet?




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