Samstag, 22. April 2017

Nachts im afrikanischen Busch | 16.01.2017 | Namibia Diary 2017


OkutalaMontag, der 16. Januar 2017

Mit gepackten Rucksäcken treffen wir uns am Pick-up. Hier werden wir bereits von Mathew, Josua und Jacob erwartet. Mit dem Game Viewer steuern wir nun das Farmhouse an. Auf Okutala werden gern und häufig Sleep-Outs gemacht. Wann hat man schon mal die Möglichkeit, die Nacht im afrikanischen Busch zu verbringen und der wilden Natur mit all ihren Geräuschen so nah zu sein?

Da das Wetter noch etwas unbeständig ist, wollen wir heute auf dem Gelände des Farmhouses übernachten. Es ist riesig, hat eine schöne Feuerstelle und ein eigenes Wasserloch, an dem wir die wilden Tiere beobachten können. Hier sind normalerweise die Xplorer untergebracht. Da unsere Gruppe jedoch diesmal so klein ist, durften wir einen Urlauber-Bungalow beziehen.

Nach einer 10 minütigen Fahrt sind wir da und auch Simone stößt kurz darauf zu uns. Zusammen entladen wir den Game Viewer. Neben unseren Rucksäcken und Schlafsäcken haben wir nämlich auch einige Kühlboxen dabei, in denen sich kalte Getränke und alle Zutaten für eine leckere Pizza-Night befinden. 

Okutala

Okutala

Es dämmert bereits, als die ersten Flammen aus dem Steinofen züngeln. Während sich unsere Guides um die Vorbereitungen kümmern, können wir uns gar nicht am schönen Sonnenuntergang sattsehen. Es war ein anstrengender Tag, weshalb wir die ruhige Abendstimmung sehr genießen. In weiter Ferne können wir in einem großen Wolkenknäuel grelle Blitze zucken sehen. Ob uns das Gewitter heute Nacht ebenfalls heimsuchen wird? Den Gedanken schieben wir zur Seite, als wir uns ans Belegen unserer Pizzen machen dürfen. Es ist tatsächlich für alles gesorgt. Kurz darauf sitzen wir im Stuhlkreis zusammen und genießen unser Abendessen. Einfach herrlich!

Okutala Namibia

Unter freiem Himmel und in so gemütlicher Runde kommen wir schnell ins Plaudern, denn traditionell steht heute das so genannte „Who is who?“ auf der Agenda. Jeder von uns, egal ob Guide oder Xplorer, soll sich vorstellen und ein bisschen was von sich erzählen. Diese Vorstellungsrunde wird immer gemacht, wenn neue Xplorer zur Gruppe hinzustoßen, was, natürlich insbesondere bei einer größeren Anzahl an Volontären, sehr hilfreich ist. Auch wenn wir uns in den letzten Tagen schon ganz gut beschnuppern konnten, lernen wir an diesem Abend auch neue Dinge über uns. Ich hätte beispielsweise nie damit gerechnet, dass die Strauße zu Jacobs Lieblingstieren gehören. Man merkt, dass unsere Guides gern auf Okutala sind und Spaß an ihrer Arbeit haben. In ihrer Betreuung von Mensch und Tier steckt viel Herzblut, stellen wir fest. Dass die Unterhaltungen hier auf Englisch geführt werden, daran habe ich mich längst gewöhnt. Deshalb versuche ich zwischendurch immer mal wieder, das ein oder andere Wort auf Afrikaans zu lernen.

Okutala

Indes kommt die Frage auf, wo wir heute Nacht schlafen wollen. Drinnen in den Xplorer-Zimmern oder draußen auf der überdachten Terrasse? Kurzerhand überstimmen Fiona und ich Alana und entscheiden uns für eine ganz andere Variante. Wir ziehen das große Trampolin ins Freie und breiten unsere Schlafsäcke darauf aus. So können wir unter freiem Himmel schlafen, mit bestem Blick auf den gigantischen Sternenhimmel. Alana ist noch nicht ganz so happy wie wir. „Welche Tiere können uns denn heute Nacht besuchen kommen?“, fragt sie Simone. Die meisten Wildtiere würden sich gar nicht so dicht an uns herantrauen. Natürlich kann es sein, dass die Giraffen und Nashörner vorbeikommen und auch das typische Namibische Wild wie Kudus, Oryx oder Springböcke – doch die sind eher scheu. „Ach ja, und ein Leopard hat hier sein Revier“, fügt Simone noch hinzu, als wir uns gerade entspannen. „Ehrlich? Ciao!“ Alana ist kurz davor, ihren Schlafsack zu packen und nach drinnen zu gehen. Klar, auch Hyänen wurden schon in der Gegend gesehen – man darf nicht vergessen, dass die Farm 24.000 ha groß ist und auf ihr unzählige wilde Tiere unterwegs sind, so auch Raubkatzen. Doch normalerweise scheuen sie den Kontakt mit Menschen, schließlich finden sie in Kudus, Springböcken und Co. viel leichtere Beute.

Trotzdem wollen wir das Risiko eingehen, zumal wir ja wirklich bloß wenige Meter vom schützenden Haus entfernt sind. Sollten wir uns tatsächlich gruseln, können wir immer noch unters Dach oder auch ganz rein gehen. Auf dem Boden empfiehlt uns Simone aber nicht zu schlafen, da Schlangen und andere Kriechtiere eher eine Gefahr darstellen, als die Raubkatzen. Auf dem Trampolin können wir ihnen aus dem Weg gehen. 

Okutala
Leitspruch im Farmhouse

Langsam aber sicher verabschieden sich Simone, Jacob und Josua, lediglich Mathew wird die Nacht mit uns verbringen. Nachdem alles aufgeräumt ist, machen Alana, Fiona und ich es uns auf dem Trampolin gemütlich. Alana nehmen wir natürlich in die Mitte. Sollte einer von uns außen liegenden gefressen werden, kann sie schließlich immer noch die Flucht ergreifen, meint sie grinsend. Mathew setzt sich noch eine Weile auf die Veranda mit Blick auf das sehr nahe gelegene Wasserloch, während wir drei in den Himmel starren. Die Wolken haben sich verzogen. Immer mehr Sterne blitzen auf. Der Anblick ist so überwältigend. Noch nie habe ich so viele Sterne gesehen! Innerhalb von zehn Minuten zähle ich drei Sternschnuppen – uns fehlen die Worte. Halt mal! Was machen wir hier eigentlich? Liegen da und gucken in den Himmel… Das können wir doch die ganze Nacht noch machen. Also schälen wir uns wieder aus unseren Schlafsäcken und leuchten uns den Weg zu Mathew. Am Wasserloch tummelt sich gerade eine Herde Oryx. Die Antilopen sind wunderschön und die Ruhe, in der sie trinken oder sich kurzzeitig ausruhen, ist ansteckend. Das Wasserloch ist natürlich beleuchtet, sodass wir die Tiere, die nah genug ans Wasser kommen, auch gut sehen können.

Aber wir sehen nicht nur diese Tiere. Als es plötzlich raschelt und wir auf den Boden zu unseren Füßen leuchten, entdecken wir einen riesigen Tausendfüßler. Ein ganz besonders langes Exemplar. Die Bisse dieser Kerle können echt unangenehm sein, erzählt uns Mathew. Auch wenn sie nicht sehr giftig sind, kann man noch Wochen oder gar Monate nach dem Biss spüren, wann das Wetter wechselt. Also ziehen wir die Füße an. Leise unterhalten wir uns und beobachten das ruhige Treiben am Wasser. Irgendwann beschließen Fiona und Alana schlafen zu gehen. Ich bin noch längst nicht müde und bleibe. Diesen Augenblick holt mir schließlich niemand zurück. Endlich haben auch Mathew und ich mal wieder Zeit, ausgiebig miteinander zu reden. Ihr könnt euch vorstellen, dass die Gespräche in solch einer Atmosphäre schnell an Tiefgang gewinnen. Wir reden über die Zukunft und was sie wohl für uns bereithalten wird. Wie entscheidet sich die Zukunftsplanung in Namibia von der in Deutschland? Was haben wir für Vorstellungen?

Als ich plötzlich ein Schnauben höre, halte ich inne und starre aufs Wasserloch. Ein Großteil der Oryx Antilopen hat sich verabschiedet und ich traue meinen Augen kaum, als eine Herde Zebras anmarschiert kommt. Ich liebe diese Tiere und habe sie bei meiner letzten Reise viel zu selten gesehen. Am Wasserloch der Lodge lassen sie sich so gut wie gar nicht blicken. Umso mehr genieße ich nun diesen besonderen Augenblick und bekomme sogar feuchte Augen. Hier in der Abgeschiedenheit scheinen sie sich deutlich wohler zu fühlen. Namibia schafft es immer wieder mich zu überwältigen und tief ins Herz zu treffen.

Bis 01:00 Uhr sitzen wir noch zusammen, reden leise und genießen den Anblick. Als Mathew schlafen gehen möchte, schließe auch ich mich an. So ganz allein hier zu bleiben ist mir dann doch nicht so geheuer, obwohl ich wohl die ganze Nacht hier sitzen und mein Glück nicht fassen könnte. Während sich Mathew unters Dach verzieht, klettere ich aufs Trampolin. So viel geht mir plötzlich durch den Kopf. Das Gespräch tat unheimlich gut und hat mich mir selbst wieder ein Stück näher gebracht. Es dauert eine Weile, bis mich der Schlaf zu sich holt. Immer wieder horche ich kurz auf, als ich es in der Nähe rascheln höre. Welche Tiere da wohl gerade um uns herumschleichen? Na, und wenn ich heute Nacht vom Leopard gefressen werde – ich hatte davor die aufregendste und schönste Zeit meines Lebens!

Fortsetzung folgt… am nächsten Freitag!
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Mein Namibia Diary 2017:

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Ein Blick zurück...

1 Kommentar:

  1. Hallo Anka,
    was für ein wundervoller Bericht. Ich habe mich bei deinen Worten direkt in die Wildnis versetzt gefühlt. Du hast wirklich meinen vollen Respekt. Ich glaube, ich wäre einfach zu feige für so eine Reise gewesen. Dass Alana bei der Erwähnung des Leoparden kurz davor war ihren Schlafsack einzupacken und reinzugehen, kann ich gut verstehen. Ich glaube ich hätte mich da auch nicht mehr wirklich entspannen können ;o)

    Ich wünsche dir und deinen Reisegefährten noch eine wundervolle Zeit und viele schöne Erlebnisse.

    Ganz liebe Grüße
    Tanja :o)

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