Donnerstag, 13. August 2020

14 min gelogene Wahrheit | Sarah Lyu | Rezension

Ich bin eigentlich kein Fan davon, euch den Klappentext vor die Nase zu halten, wenn es darum geht, etwas über den Inhalt eines Buches zu sagen. Aber dieser Klappentext zählt zu den wenigen Ausnahmen. Er verrät nicht viel über die Geschichte an sich und man weiß nicht wirklich, worauf man sich einlässt, wenn man dieses Buch aufschlägt und zu lesen beginnt. Dennoch macht der Klappentext neugierig und lässt sofort das Kopfkino anspringen.

"Alles, was Remy weiß: Jack, ihre große Liebe, ist tot. Erschossen. Und ihre beste Freundin Elise hat abgedrückt. Wieso? Egal, wie sehr Remy sich auch anstrengt, sie kann sich einfach nicht an die entscheidenen 14 Minuten dieser Nacht erinnern.

14 Minuten, die alles verändert haben. 14 Minuten, die alles auf den Kopf stellen. Wem kann Remy noch glauben, wenn nicht einmal sich selbst?"
Textquelle: Klappentext

Wieso musste Remys Freund durch die Hand ihrer besten Freundin sterben?


Dies ist weder ein Wohlfühl- noch ein Spannungsroman. Es geht der Autorin weder darum, dass sich ihre Leserinnen und Leser mit den Protagonisten anfreunden, noch befriedigt sie ihre Sensationsgier oder die Spannungslust. Dieses Buch ist kein typischer Pageturner und zielt auch nicht darauf ab, sich mit Plottwists oder Cliffhangern an Kapitelenden zu überschlagen.

"Elise war pure Elektrizität. Ich war die Nacht. Sie vertrieb die Dunkelheit aus meinem Leben und ließ mich in gleißendem Licht erstrahlen." (S. 88)

„14 min gelogene Wahrheit“ erzählt eine Geschichte, die unter die Haut geht. Wobei… an und für sich trifft diese „Floskel“ schon zu, aber wenn ich genauer darüber nachdenke, hat es sich eher so angefühlt, als würde sich die Geschichte wie ein schwerer, muffiger Wintermantel über mich legen, die Sommersonne aussperren und mich unter sich begraben.

Remys, Elises und Jacks Geschichte ist tragisch, düster und schwer. Für dieses Buch sollte man definitiv in der richtigen Stimmung sein, denn man lädt sich beim Lesen doch eine gewisse Last auf. Diese wird einem zwar am Ende wieder abgenommen, ich konnte unter dem schweren Wintermantel herauskriechen, dennoch war die Lesezeit nicht ohne. Für mich gab es lediglich ein Kapitel, das etwas Positives an sich hatte, die restlichen waren eher von negativen Gedanken geprägt. 

"Wir waren wie ein Flächenbrand, wild und verheerend. Wir waren unser eigenes Sonnensystem aus Millionen funkelnder Sterne. In diesem Moment schien alles möglich." (S. 37)

Für mich war es nicht leicht, dieses Buch zu lesen. Anfangs tat ich mich etwas schwer damit, in die Geschichte hineinzufinden. Lediglich der tolle, teils sehr hochwertige Schreibstil hat mich dazu ermuntert weiterzulesen. Tatsächlich hatte ich dann nach ungefähr 100 Seiten aber einen Punkt erreicht, an dem ich dranbleiben und wissen wollte, was in diesen 14 Minuten passiert ist. Auch wenn ich mir immer mehr negatives bzw. deprimierendes Gedankengut auflud, rauschte ich schließlich durch die Seiten.

"Kann man etwas als Lüge bezeichnen, wenn es gefühlt die Wahrheit ist? Wenn die Wahrheit kompliziert ist und die Lüge einfach?" (S. 58)

Die Geschichte ging mir sehr nah, ich war emotional dicht an den Figuren dran und doch wieder sehr weit von ihnen entfernt. Die (er-)drückende Stimmung war spürbar, übertrug sich beim Lesen wie selbstverständlich auf mich, trotzdem versuchte ich, mich nicht zu sehr in die Tiefe ziehen zu lassen. Leserinnen und Leser, die sehr empathisch und empfänglich für solche Stimmungen sind, können sicher verstehen, was ich meine. Greift also bitte nur zu diesem Buch, wenn ihr es emotional gerade mittragen könnt. Wenn ihr euch ablenken möchtet, auf eine spannende Geschichte aus seid, die euch aus eurem Alltag entführt, dann empfehle ich euch gern andere Bücher – dies ist für solch eine Lesestimmung eher ungeeignet. Wenn ihr jedoch sehr gefasst seid und euch auch gern mal mit etwas schwereren Themen auseinandersetzt, dann ist dieses Buch die richtige Wahl.

Von mir gibt’s also eine eingeschränkte Leseempfehlung. Generell ein sehr starkes Jugendbuch, sprachlich stellenweise ein absolutes Schmankerl, thematisch wichtig & schwer.

"Ich starre auf den Boden, wünsche mir, ich wäre unsichtbar, wünsche mir, ich wäre überall, nur nicht hier, irgendwer anders, nur nicht ich.(S. 10)
 

W E I T E R F Ü H R E N D E   I N F O S

Hardcover* | Originaltitel: The Best Lies, übersetzt aus dem Englischen von Sandra Knuffinke & Jessika Komina | empfohlen ab 14 Jahren | erschienen am 15. Juli 2020 im Magellan Verlag | 400 Seiten | ISBN 978-3-7348-5047-9 | Mehr über die Autorin bei Ankas Geblubber findet ihr ggfs. HIER 

* = dieses Buch wurde mir vom Magellan Verlag als kostenfreies Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt, was jedoch keinerlei Einfluss auf meine persönliche Meinung zum Titel hat


Wenn euch dieses Buch gefallen hat, schaut euch auch mal diese Titel an:

  

Weitere Blogger-/Leserstimmen zu "14 min gelogene Wahrheit" findet ihr u.a. bei

Blubbert mit mir!