Samstag, 24. April 2021

Diese eine Lüge | Dante Medema | Rezension

Delia hat sich in ihrer Familie schon immer fehl am Platz gefühlt. Sie liebt ihre Eltern und Geschwister – keine Frage, jedoch hat sie ständig das Gefühl „irgendwie anders“ zu sein.

Ein Schulprojekt zum Thema Herkunft nimmt sie schließlich zum Anlass, um einige Nachforschungen anzustellen. Sie beginnt mit einem Gen-Test, um mehr über ihre ethnischen Wurzeln zu erfahren. Als sie das Ergebnis erhält, fühlt sie sich zum einen in ihrem Gefühl bestätigt, zum anderen verfällt sie in eine Schockstarre. Das Testergebnis zeigt ihr nämlich sämtliche Verwandte an, die ebenfalls einen solchen Test gemacht haben, so zum Beispiel ihre ältere Schwester. Aber auch ihr Vater erscheint auf der Liste, jedoch handelt es sich bei der genannten Person nicht um den Mann, der sie großgezogen hat.

Was macht Delia jetzt mit dieser Information? Wieso hat ihre Mutter ihr nie gesagt, dass ihr Vater nicht ihr leiblicher Vater ist? Wer ist dieser Mann, dessen Namen Delia nun nicht mehr aus dem Kopf geht? Und wie geht eine Familie mit solch einer sensiblen Enthüllung um?

Dante Medema hat sich in ihrem außergewöhnlichen Jugendbuch mit einem sehr sensiblen Thema auseinandergesetzt und eine wunderbare Möglichkeit gefunden, Delias Geschichte so nah und nachfühlbar wie möglich zu erzählen. Den typischen Romancharakter sucht man in diesem Buch nämlich vergeblich. Die in Alaska lebende Autorin kombiniert Chatverläufe und E-Mails mit Poetry Slam-artigen Texten. Beim Lesen hört man Delias Gedanken – mal emotional und voller Bilder, im nächsten Moment eher sprunghaft. Außergewöhnlich. Außergewöhnlich gut.

Als Leserin habe ich mich Delia unheimlich nah gefühlt. Sie macht kein Geheimnis aus ihren Gefühlen, Wünschen und Ängsten – wie auch, wenn ich das Gefühl hatte, ihren Gedanken zu lauschen. Delia hat mich sehr berührt, ihre Emotionen waren für mich nachvollziehbar und mitreißend.

„Diese eine Lüge“ erzählt eine bewegende Geschichte, in der sich ein junges Mädchen die Frage stellt „Wer bin ich eigentlich?“. Es ist ein Coming-of-Age-Roman, der ganz außergewöhnlich geschrieben wurde und der die Themen Identität, Familie, Freundschaft und die erste Liebe behandelt. Mir hat er sehr gut gefallen – er war echt, nicht übertrieben dramatisch und für uns Buchliebhaberinnen & Buchliebhaber etwas ganz Besonderes, wenn man sich auf eine andere Art des „Geschichtenerzählens“ einlassen möchte.


W E I T E R F Ü H R E N D E   I N F O S

Hardcover* | 384 Seiten | aus dem Amerikanischen übersetzt von Bettina Obrecht | erschienen am 15. Oktober 2020 im Thienemann-Esslinger Verlag | empfohlen ab 13 Jahren | ISBN 978-3-522-20271-8

* = dieser Titel wurde mir vom Thienemann-Esslinger Verlag als kostenfreies Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt, was jedoch keinerlei Einfluss auf meine persönliche Meinung zum Titel hat

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