Lesemonat April 2026: Vier Bücher, viel Lesespaß und eine echte Überraschung
Mein Lesemonat April war so ein Monat, bei dem quantitativ vielleicht noch ein bisschen Luft nach oben war, qualitativ aber wirklich kaum. Vier Bücher habe ich beendet und ein Hörbuch angefangen. Letzteres habe ich bisher bis zur Hälfte gehört und mit in den Mai genommen. Dass ich so wenig gehört habe, lag ausnahmsweise mal nicht am Hörbuch, sondern schlicht daran, dass Hörbücher gerade nicht so richtig in meinen Alltag passen. Sehr ungewöhnlich für mich, weil das lange Zeit genau andersherum war. Aktuell lese ich wieder mehr.
Umso schöner, dass mich dieser Lesemonat auf andere Weise sehr happy gemacht hat. Es war wirklich eine bunte Mischung dabei: ein Reihenauftakt, auf den ich schon lange neugierig war, ein dicker Wälzer, der mich komplett überrascht hat, ein viel diskutierter Thriller und zum Schluss noch eine leichte Rockstar Romance. Genau diese Mischung hat den April für mich rund gemacht. Mein Video zum Lesemonat findet ihr am Ende des Beitrags.
Mein Lesemonat und das TBR-Game
Seit Anfang des Jahres entscheide ich nicht mehr frei aus dem Bauch heraus, welches Buch ich als Nächstes lese, sondern lasse mein TBR-Game für mich wählen. Ich bin absolute Mood-Readerin, weshalb klassische Leselisten bei mir leider gar nicht funktionieren. Sobald ich ein Buch auf meine Leseliste schreibe, verliere ich dass Interesse daran. Kennt ihr das? Was dagegen erstaunlich gut funktioniert, ist dieses Spiel.
Dafür habe ich Aufgaben gesammelt, die ihr mit gestellt habt, diese auf kleine Zettel geschrieben und in ein Glas gepackt. Immer wenn ich ein Buch beendet habe, ziehe ich eine neue Aufgabe und suche mir danach meinen nächsten Read aus. Das macht nicht nur Spaß, sondern sorgt auch dafür, dass ich viel öfter zu Büchern greife, die sonst ewig auf dem SuB verstauben würden.
In diesem Lesemonat konnte ich mich wieder mehrfach mit meiner Wahl überraschen.
Todesfrist von Andreas Gruber: Ein starker Einstieg in die Todes-Reihe
Die erste Aufgabe lautete: Lies ein Buch passend zur Jahreszeit.
Eigentlich denkt man dabei im April ja sofort an irgendwas Leichtes, Pastelliges, Erblühendes – vielleicht ein schöner YA-Roman oder eine Romance. In meinem Kopf war aber etwas ganz anderes präsent: Todesfrist von Andreas Gruber, also der Auftakt zur Todes-Reihe rund um Maarten S. Sneijder und Sabine Nemez.
Wie ich daraus trotzdem ein Frühlingsbuch gemacht habe? Ganz einfach: Nach dem Prolog beginnt die Handlung am 22. Mai. Und Mai ist Frühling. Aufgabe erfüllt.
Worum geht es in Todesfrist?
Wir sind in München, wo ein Mord geschieht, der sehr schnell deutlich macht, dass es sich hier nicht um einen gewöhnlichen Fall handelt. Das Opfer wird in einer bizarren Situation aufgefunden, und Sabine Nemez, 26 Jahre alt und beim Kriminaldauerdienst in München, gehört zu den Ersten am Tatort.
Sabine möchte irgendwann zum BKA, und genau dieser Fall bringt Bewegung in ihr Leben. Denn die Ermittlungen deuten bald darauf hin, dass hier ein Serienmörder am Werk ist, der sich bei seinen Taten von einem Kinderbuch inspirieren lässt.
Allein diese Idee fand ich schon ziemlich heftig. Kinderbücher und Märchen sind ja oft viel grausamer, als man auf den ersten Blick meint, und Andreas Gruber nutzt diesen Kontrast wirklich wirkungsvoll.
Dann betritt Maarten S. Sneijder die Bühne. Er ist Profiler, forensischer Kriminalpsychologe, arbeitet beim BKA in Wiesbaden und erfüllt zunächst sehr stark das Bild des verschrobenen, aber brillanten Ermittlers. Zusammen mit Sabine bildet er ein Duo, das mir auf Anhieb richtig gut gefallen hat.
Meine Leseeindrücke
Besonders spannend fand ich den Aufbau. Andreas Gruber erzählt nicht nur aus Sicht der Ermittlungen, sondern führt mehrere Handlungsstränge und Perspektiven zusammen. Am Anfang war ich dadurch durchaus kurz ein bisschen verloren, weil noch gar nicht klar war, wie diese verschiedenen Fäden miteinander zusammenhängen. Doch nach und nach greifen sie ineinander, bis sich am Ende alles sinnvoll verbindet.
Sehr gelungen fand ich außerdem, dass der Thriller nicht künstlich ewig ein Geheimnis daraus macht, wer hinter den Taten steckt. Irgendwann im weiteren Verlauf wird das für die Lesenden und auch für die Ermittler*innen deutlich. Und trotzdem verliert das Buch nicht an Spannung. Im Gegenteil: Gerade das Wissen darum verschiebt die Spannung auf ein anderes Level. Es geht dann nicht mehr nur um das Wer, sondern auch um das Warum und darum, wie das Ganze gestoppt werden kann.
Der Schreibstil hat mir ebenfalls gefallen. Er ist schnörkellos und gut lesbar, dabei aber nicht platt. Genau die Art von Thrillerstil, der einen zügig durch die Seiten trägt.
Unterm Strich war Todesfrist für mich ein sehr gelungener Reihenauftakt. Ich verstehe absolut, warum so viele diese Reihe lieben, und möchte definitiv weiterlesen. Band 2 steht auch schon hier und wartet darauf, verschlungen zu werden.
Der Joker von Markus Zusak: Meine große Überraschung im Lesemonat
Die nächste Aufgabe aus dem TBR-Jar hatte es dann in sich: Lies ein dickes Buch.
Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber dicke Bücher flößen mir erstmal Respekt ein. Sie wirken wie kleine Herausforderungen im Regal. Gleichzeitig habe ich beim Nachdenken gemerkt, dass mich dicke Bücher am Ende eigentlich fast nie enttäuschen. Gerade weil sie mehr Raum haben für Figuren, Entwicklung und Atmosphäre, tun sie oft besonders weh, wenn man sie wieder verlassen muss.
Also habe ich mich getraut und zu einer echten SuB-Leiche gegriffen: Der Joker von Markus Zusak, in der Übersetzung von Alexandra Ernst.
Warum mich dieses Buch so überrascht hat
Ich hatte vorher noch nichts von Markus Zusak gelesen, obwohl Die Bücherdiebin natürlich längst im Regal steht. Die Inhaltsbeschreibung von Der Joker war so kryptisch, dass ich ehrlich gesagt nicht viel damit anfangen konnte. Also blieb nur eins: reinlesen.
Und ziemlich schnell war klar, dass dieses Buch in zwei Richtungen kippen könnte. Entweder ich würde komplett genervt abbrechen oder ich würde es lieben.
Geworden ist es Letzteres.
Der Joker ist ein Jugendbuch, ein Coming-of-Age-Roman, aber auch viel mehr als das. Es geht um Zivilcourage, um die kleinen großen Momente des Lebens und um einen Protagonisten, der auf den ersten Blick so gar nicht dem klassischen Heldenbild entspricht.
Worum geht es?
Im Mittelpunkt steht Ed, und ich würde ihn sofort als perfekt unperfekten Antihelden bezeichnen. Er ist unscheinbar, eher jemand, der unter dem Radar läuft, jemand, der nicht besonders heldenhaft wirkt.
Eines Tages findet Ed eine Spielkarte in seinem Briefkasten, das Karo-Ass. Diese Karte ist der Startschuss für eine Reihe von Aufgaben, die er erfüllen muss. Welche Aufgaben das sind, wer dahintersteckt und worauf das alles hinausläuft, solltet ihr wirklich selbst entdecken, weil genau darin ein großer Teil des Reizes liegt.
Was dieses Buch besonders macht
Vor allem der Schreibstil. Er ist so ... besonders. Außergewöhnlich, mutig, roh, direkt und gleichzeitig immer wieder von einer Tiefe durchzogen, die mich wirklich berührt hat. Obwohl das Buch schon älter ist, wirkte die Sprache auf mich frisch und lebendig.
Ich mochte auch diese komplette Schrulligkeit, dieses Skurrile an der Handlung. Das Buch ist in vielerlei Hinsicht anders und genau das war so erfrischend. Nicht jedes Buch muss Literatur mit großem Anspruch sein, aber manchmal ist es einfach wunderschön, wenn ein Roman einen daran erinnert, warum man Literatur überhaupt liebt.
Eds Entwicklung hat mir ebenfalls unglaublich gut gefallen. Ich hatte lange keine Ahnung, worauf die Geschichte hinauswill, und gerade diese Unsicherheit hat die Spannung getragen. Die Auflösung fand ich dann richtig stark.
Kleine Kritikpunkte
Ganz perfekt war das Buch für mich nicht. Es gibt einzelne Szenen und Entscheidungen, bei denen ich heute im Lektorat vermutlich die Stirn runzeln würde. Darunter ein übergriffiger Kuss ohne Konsens und eine Gewaltszene gegenüber einem Minderjährigen. Ich verstehe zum Teil, warum diese Momente erzählerisch gesetzt wurden, aber ich bin ziemlich sicher, dass man manches davon heute so nicht mehr in einem Jugendbuch finden würde.
Das ist auch der Grund, warum ich nicht bei der Höchstwertung gelandet bin. Aber trotzdem war Der Joker für mich ein absolutes Highlight in diesem Lesemonat. Dieses Buch hat mich überrascht, berührt und begeistert.
Wenn sie wüsste von Freida McFadden: Erst Skepsis, dann Lesespaß
Die nächste TBR-Aufgabe lautete: Lies ein Buch passend zu deinem Oberteil.
Ich trug einen schwarzen Hoodie mit Animal Print und habe mich letztlich für einen Thriller entschieden, der farblich dazu passte: Wenn sie wüsste von Freida McFadden, in der Übersetzung von Astrid Gravert und Renate Weitbrecht.Das war mein erster Freida-McFadden-Thriller überhaupt. Und ich war wirklich neugierig, weil ihre Bücher ja ständig besprochen werden. Manche feiern sie komplett, andere verdrehen eher die Augen. Oft heißt es sinngemäß: literarisch vielleicht kein Meisterwerk, aber unfassbar unterhaltsam. Genau das wollte ich endlich selbst überprüfen.
Der Einstieg: eher schwierig
Im Mittelpunkt steht Millie, die gerade aus dem Gefängnis kommt und eine Stelle als Hausmädchen bei einer reichen Familie annimmt. Sie hat eine Vergangenheit, über die man zunächst nur bruchstückhaft etwas erfährt, und sie kämpft darum, überhaupt wieder irgendwie Fuß zu fassen.
Dann haben wir das Ehepaar, bei dem sie arbeitet, samt Tochter. Und am Anfang wirkte die Konstellation auf mich ziemlich stereotyp: die schwierige, boshaft wirkende Ehefrau, der attraktive Ehemann, zu dem sich Millie hingezogen fühlt. Ich saß da erstmal und dachte: Bitte nicht! Das kenne ich doch schon.
Dazu kam, dass das Mobbing und die Gemeinheiten im Haus wirklich unangenehm zu lesen waren. Ich hatte anfangs nicht besonders viel Spaß damit, obwohl das Buch gut und flüssig geschrieben ist.
Warum sich das Dranbleiben gelohnt hat
Was mich trotzdem gehalten hat, war zum einen die Lesbarkeit und zum anderen natürlich die Frage: Wann kommt der Plot Twist?
Ich war zum Glück überhaupt nicht gespoilert und wusste nur, dass Freida McFadden für ihre Plot Twists bekannt ist. Also habe ich gewartet. Und ja, das hat sich gelohnt.
Ohne zu viel zu verraten: Die Geschichte nimmt Wendungen, mit denen ich so nicht gerechnet hatte. Ein paar Vermutungen hatte ich zwar, aber das Buch hat es trotzdem geschafft, mich noch einmal anders zu überraschen. Genau da hat es mich dann bekommen.
Ich kann inzwischen gut nachvollziehen, warum dieser Thriller so beliebt ist. Vielleicht ist das kein Buch, bei dem man auf jeder Seite literarische Wunder bewundert, aber es ist genau die Art von Geschichte, die einen packt, wenn sie einmal richtig ins Rollen kommt. Und das Ende macht definitiv Lust auf die Fortsetzung der Housemaid-Reihe.
Ein Song für Alexis von Poppy J. Anderson: Leichte Romance für zwischendurch
Im April hatte ich aus meinem TBR-Jar nicht nur einen, sondern gleich zwei Joker gezogen. Einen habe ich mir aufgehoben, den anderen eingelöst. Das bedeutete: Ich durfte frei wählen, worauf ich gerade Lust hatte.
Und nach mehreren spannenden oder intensiveren Büchern war klar, dass ich jetzt eine Romance brauchte. Etwas Leichtes, vielleicht sogar ein bisschen Seichtes. Also wurde es eine Rockstar Romance: Ein Song für Alexis von Poppy J. Anderson, Band 1 der Rockstar-Love-Reihe.
Auch dieses Buch war eine SuB-Leiche.Worum geht es in der Rockstar Romance?
Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven erzählt.
Da ist zum einen Taylor, früher Leadsänger der Rockband Spring Break. Die Band war erfolgreich, feierte internationale Erfolge und trennte sich dann irgendwann. Viele Jahre später hat Taylor den Anschluss im Musikbusiness nicht mehr wirklich geschafft. Eine Solokarriere ist gescheitert, und nun hält er sich mit kleineren Aufträgen über Wasser, schreibt Werbejingles oder singt Demos ein.
Die zweite Perspektive gehört Alexis, einem erfolgreichen Popstar mit makellosem Image. Dieses Image bekommt allerdings Risse, als sie sich öffentlich nicht so verhält, wie ihr Umfeld es erwartet. Die Plattenfirma möchte Schadensbegrenzung betreiben und braucht eine gute Story für die Öffentlichkeit.
Die Lösung: Fake Dating. Alexis soll sich mit Taylor zeigen, damit ihr Image aufpoliert wird. Für Taylor winkt im Gegenzug ein neuer Plattenvertrag. Das Problem daran ist nur, dass die beiden sich bereits kennen und eine gemeinsame Vergangenheit haben.
Was funktioniert und was nicht
Ich mag Fake-Dating-Geschichten grundsätzlich sehr. Man weiß natürlich meistens schon, in welche Richtung das Ganze geht, aber ich liebe dieses Erzählmuster trotzdem.
Womit ich allerdings immer Schwierigkeiten habe, ist schlechte Kommunikation. Wenn zwei Figuren Gefühle entwickeln und dann ewig nicht miteinander reden, obwohl eigentlich längst alles auf dem Tisch liegen könnte, treibt mich das regelmäßig in den Wahnsinn. Nicht genau so ein Moment, aber ein ähnlicher (auch begründet durch bewusstes Verschweigen einer Entwicklung) taucht hier am Ende auch auf und hat mich mit den Augen rollen lassen, weil er einfach so unnötig war.
Trotzdem hat das Buch genau das geliefert, was ich in dem Moment gesucht habe:
- leichte Unterhaltung
- ein bisschen Musikbusiness-Flair
- eine unkomplizierte Liebesgeschichte
- ein angenehmes Lesegefühl für zwischendurch
Man merkt schon, dass der Roman eher an der Oberfläche bleibt. Wer einen tiefgründigen Liebesroman sucht, wird hier vermutlich nicht voll auf seine Kosten kommen. Auch die Figuren hätten an manchen Stellen mehr Raum vertragen, und durch Zeitsprünge wirkt einiges etwas gerafft. Aber schlecht war das nicht. Für den Moment war es genau passend.
Ich habe das Buch irgendwo bei drei bis dreieinhalb Sternen eingeordnet. Kein neuer All-Time-Favorite, aber durchaus unterhaltsam. Und ich habe durchaus Lust, auch die anderen Bände der Reihe zu lesen.
Mein Fazit zum Lesemonat April
Dieser Lesemonat war ein schönes Beispiel dafür, dass nicht immer die Menge zählt. Vier Bücher sind vielleicht kein riesiger Stapel, aber wenn gleich mehrere davon richtig gut funktionieren, dann bleibt am Ende vor allem ein sehr gutes Lesegefühl.
Für mich sah das im April so aus:
- Todesfrist war ein starker Thriller-Auftakt mit spannendem Ermittlerduo.
- Der Joker war die große Überraschung und wahrscheinlich sogar mein Highlight des Monats.
- Wenn sie wüsste hat mich erst skeptisch gemacht und dann doch noch gekriegt.
- Ein Song für Alexis war genau die leichte Romance, die ich in dem Moment gebraucht habe.
Wenn ich aus diesem Lesemonat etwas mitnehme, dann vor allem das: Ich liebe mein TBR-Game und es lohnt sich, ihm mehr zu vertrauen, auch wenn die gezogene Aufgabe im ersten Moment nach Herausforderung klingt. Gerade dadurch habe ich im April zu Büchern gegriffen, die ich sonst vielleicht noch länger vor mir hergeschoben hätte.
Und manchmal wartet genau dort die größte Überraschung.
Jetzt seid ihr dran: Wie war euer Lesemonat?
Erzählt mir super gern von eurem Lesemonat April. Hattet ihr Highlights dabei? Gab es auch Low Lights? Und wenn ihr eines der genannten Bücher kennt, dann schreibt mir unbedingt, wie es euch damit ging.
Ich freue mich wie immer sehr auf den Austausch mit euch.




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