Orcasommer von Sabine Giebken: Ein bewegendes Jugendbuch über Orcas, Meeresschutz und die Rettung eines Wals

Rezension: Orcasommer, Sabine Giebken, Jugendbuch

Orcasommer von Sabine Giebken: Ein bewegendes Jugendbuch über Orcas, Meeresschutz und die Rettung eines Wals

[Disclaimer: Diese Rezension wurde ursprünglich 2020 veröffentlicht und für 2026 strukturell überarbeitet und inhaltlich ergänzt.]

Die dramatische Rettungsaktion eines gestrandeten Buckelwals in der Ostsee berührt aktuell viele Menschen. Solche Geschichten wie Timmys oder Hopes, wie der Wal genannt wurde, zeigen, wie faszinierend diese Meeresriesen sind. Ich möchte euch ein Buch vorstellen, in dem es ebenfalls um einen jungen Wal geht, der Hilfe benötigt. In diesem Fall ist es jedoch ein Orca und wir befinden uns in Kanada.

Warum Geschichten über Wale gerade so berühren

Wenn aktuell über gestrandete oder verirrte Wale berichtet wird, bewegt das viele Menschen. Die Bilder eines riesigen Meeressäugers, der plötzlich in Küstennähe auftaucht oder Hilfe braucht, lösen sofort starke Emotionen aus. Wale faszinieren uns seit jeher, sie gelten als intelligent, sozial und geheimnisvoll.

Vielleicht liegt genau darin der Grund, warum Geschichten über Orcas und andere Wale uns so besonders berühren. Sie erinnern uns daran, wie eng Mensch und Natur miteinander verbunden sind und wie verletzlich diese beeindruckenden Tiere trotz ihrer Größe sein können.

Auch in Orcasommer spielt diese besondere Beziehung zwischen Mensch und Tier eine zentrale Rolle. Der junge Orca, der sich in die Bucht von Solitary Cove verirrt, wird für Svenja und die Bewohner des kleinen Küstenortes zu einer Herausforderung, aber auch zu einer Chance, mehr über den Schutz der Meere und den respektvollen Umgang mit wilden Tieren zu lernen.

Worum geht es in Orcasommer?

Svenja sitzt im Flugzeug und fragt sich, welche fixe Idee sie geritten hat, als sie zugestimmt hat, die Ferien bei ihrem Vater in Kanada zu verbringen. Allein fliegt sie in ein fremdes Land zu einem fremden Mann, der zwar ihr leiblicher Vater ist, den sie aber bisher nie persönlich kennengelernt hat. 

Am liebsten würde sie diese Entscheidung rückgängig machen, erst recht, als sie wenig später in Vancouver landet. Ihr Vater sieht etwas verwildert aus und begrüßt sie unterkühlt und wortkarg. Schnell verabschiedet sich Svenja von dem Gedanken, ihn besser kennenlernen zu wollen und hofft, dass sie die Zeit in Kanada zumindest nutzen kann, um Vancouver zu erkunden, shoppen zu gehen und hippe, vegane Restaurants ausfindig zu machen. 

Doch die Fahrt im Auto ihres Vaters führt sie aus der Großstadt heraus. Svenjas Dad lebt in Solitary Cove, einem winzig-kleinen Küstenort auf Vancouver Island, mitten in der kanadischen Wildnis. 

Für die Großstadtpflanze Svenja ein Albtraum. 

Als sie dann auch noch während ihrer ersten Tage in Solitary Cove einer Bärenfamilie gegenübersteht, reicht es ihr. Sie will nur noch eins: Zurück nach Hause. Zurück nach Berlin.

Doch dann kommt alles anders. 

Ein kleiner Orca verirrt sich in die Bucht von Solitary Cove und Svenja scheint eine besondere Bindung zu ihm zu haben, schließlich ist auch er ganz allein. Welche Konsequenzen das Auftauchen dieses Wals für Svenja aber auch für die Bewohner von Solitary Cove hat und warum der junge Orca nicht wieder verschwindet, solltet ihr selbst herausfinden.


Ein Jugendbuch über Orcas, Natur und Meeresschutz

Ab Seite 1 hatte ich einen Draht zu Svenja und konnte ihre Angst im Flugzeug total nachempfinden. Auch ihre Enttäuschung und schließlich ihre Verzweiflung während ihrer ersten Tage in Solitary Cove übertrugen sich schnell auf mich. 

Obwohl ich ein sehr naturverbundener Mensch bin, hätte ich mich in ihrer Situation ebenfalls unwohl gefühlt. Die ablehnende Haltung von Svenjas Vater und der kaum vorhandene Kontakt zur Außenwelt (Handyempfang ist nur auf dem „Bärenfelsen“ ausreichend) laden nicht unbedingt zum Wohlfühlen und Verweilen ein.

Erst als der kleine Orca auftaucht, ändert sich die Stimmung. Fast schon magisch fühlt sich Svenja zu ihm hingezogen. 

Ich fand es großartig, wie es der Autorin Sabine Giebken gelungen ist, spannende und interessante Fakten rund um Orcas und Wale in die Geschichte einzuflechten. Tatsächlich konnte ich viel aus diesem Buch mitnehmen, ohne dabei die Geschichte aus den Augen zu verlieren. 

Die magischen Begegnungen mit Solo haben mich immer wieder berührt und zugleich fasziniert.


Die Charaktere: Zwischen Familienkonflikt und neuer Freundschaft

Sowohl die Haupt- als auch die Nebencharaktere empfand ich als sehr „lebensecht“. Ich mochte die Bewohner und Bewohnerinnen von Solitary Cove, allen voran natürlich den wortkargen Brummbär Matt, dem von heut auf morgen eine Teenager-Tochter vor die Tür gesetzt wird. 

Aber auch der eifrige Meeresbiologie-Student Alex hat mein Herz erobert. Sein Engagement für den Schutz der Wale hat mich beeindruckt und sofort mitgerissen. Die zarte Annäherung zwischen ihm und Svenja fand ich sehr niedlich, auch wenn (oder gerade weil) sie nicht im Mittelpunkt steht.

Orca Solo: Wie hilft man einem Wal?

Im Mittelpunkt steht natürlich der kleine Orca Solo, der in diesem Buch viele Wal-Schicksale vertritt und auf sie aufmerksam macht. 

Sabine Giebken führt ihre Leserinnen und Leser ganz dicht an dieses faszinierende Tier heran. Ist es nicht unglaublich, einem so großen und zugleich sensiblen Meeresbewohner so nah zu kommen? Ihn sogar berühren zu können?

Nicht nur Svenja ist hin und weg – ich war es auch. 

Doch… ist das richtig? 

Mir hat es unheimlich gut gefallen, wie unbedarft und teilweise auch naiv die Autorin ihre Protagonistin Svenja an diese Fragen herangehen lässt. Ihre Hin- und Hergerissenheit, ihr Hinterfragen, ihr Zurückrudern, ihre Zweifel und ihre Liebe für dieses Tier haben sich auf mich als Leserin übertragen. 

Es ist so wichtig, dass sich (junge) Leserinnen und Leser mit diesem Thema und den gleichen Fragen auseinandersetzen. Aufklärung ist ein zentraler Schritt im Umweltschutz und genau diese Aufklärung liefert die Autorin.


Walrettung und Verantwortung: Was ist das beste für den jungen Wal?

Besonders spannend wurde es bei Fragen rund um Solos Zukunft. 

Natürlich ist uns allen klar, dass man wilde Tiere nicht einfach einsperren sollte. Aber kann man das so pauschal sagen? 

Solo ist allein, getrennt von seiner Familie und wird nun von vielen Schaulustigen bedrängt. Wie kann man seine Unversehrtheit gewährleisten? 

Der kleine Orca ist neugierig, verspielt und schwimmt von sich aus auf die Menschen zu, sucht den Kontakt. Die Touristen sind ganz aus dem Häuschen. 

Hier ein Selfie mit dem Wal, dort schnell eine Hand ins Wasser gehalten, um ihn zu berühren. 

Doch ist das wirklich harmlos oder vielleicht sogar gefährlich für das Tier? 

Was kann man tatsächlich tun, um einen verirrten Wal zu schützen?


Fazit: Ein bewegendes Jugendbuch über Orcas, den Schutz der Meere und Menschlichkeit

Ich empfehle euch, die Antworten auf diese Fragen in diesem über 400 Seiten starken Jugendroman selbst zu entdecken. 

Für mich zählt Orcasommer zu meinen Lese-Überraschungen in diesem Jahr. In der Geschichte steckt wesentlich mehr, als man vermutet, wenn man den Klappentext liest. 

Ein tolles, wichtiges und zugleich kurzweilig-unterhaltsames Jugendbuch über Orcas, Meeresschutz und Verantwortung, mit einer wunderbaren Botschaft, liebevollen Charakteren, einer berührenden Vater-Tochter-Geschichte und einem sehr naturverbundenem Setting.

Meine Katze mit dem Jugendbuch Orcasommer von Sabine GiebkenBuchcover Orcasommer, Sabine Giebken


Weiterführende Infos zum Buch

Taschenbuch* | 464 Seiten | empfohlen ab 14 Jahren | erschienen am 17. Juni 2020 im Magellan Verlag | ISBN 978-3-7348-8208-1 | Hier findet ihr mehr über die Autorin Sabine Giebken bei Ankas Geblubber 

* = dieser Titel wurde mir vom Magellan Verlag als kostenfreies Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt, was jedoch keinerlei Einfluss auf meine persönliche Meinung zum Titel hat

Ein weiteres Buch der Autorin Sabine Giebken heißt Über uns das Meer. In diesem Beitrag habe ich meine ersten Leseeindrücke mit euch geteilt.

Weitere Stimmen zu Orcasommer findet ihr u.a. bei

Die Bücherwelt von Corni Holmes | Linienblock | Kasimira

Wenn euch dieses Buch gefallen hat, schaut euch auch mal diese Titel an:

  




Kommentare

  1. Hallo liebe Anka,
    dieses Buch hatte ich vor langer Zeit auch mal im Blick. Ich freue mich daher sehr, dass du gerade eine Rezension dazu veröffentlicht hast. Der Magellanverlag hat mich schon oft mit der Art seiner Geschichten überraschen können. Gerade, weil diese oft eine Richtung einnehmen, die man anfangs nie vermutet hätte.

    Es freut mich, dass auch dieses Buch so viel Tiefe zeigt und auch wichtige Themen aufgreift.

    Du hast meine Neugierde definitiv nochmal geschürt.

    Vielen Dank für diesen informativen Beitrag.

    Ganz liebe Grüße
    Tanja :o)

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    1. Liebe Tanja,
      ich freue mich sehr über deinen Blubberbesuch. Toll, dass ich dich neugierig machen konnte. Ich habe das Buch vor Ewigkeiten gelesen, denke aber noch gern daran zurück. Vor allem in der aktuellen Medien-Debatte rund um "Hope" ist mir "Solo" wieder eingefallen. Es gibt da die ein oder andere Parallele im Verhalten der Menschen *räusper*
      Falls du zum Buch greifen solltest, wünsche ich dir eine tolle Lesezeit.
      Liebe Blubbergrüße
      Anka

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