Montag, 3. Mai 2021

Grenzfall - Der Tod in ihren Augen | Anna Schneider | Rezension

Alexa Jahn heißt die 32-jährige Kommissarin, die in der neuen Krimireihe „Grenzfall“ von Anna Schneider ermittelt. In ihrem ersten Fall „Der Tod in ihren Augen“ wird die Aschaffenburgerin ins tiefste Oberbayern nach Weilheim versetzt und dort nicht nur mit einem spektakulären Mord, sondern auch mit Steinen konfrontiert, die ihr ihre neuen Kollegen in den Weg legen. Bei ihrem Eintreffen rechnet Alexa noch nicht damit, dass ihr Vorgesetzter kurz darauf krankheitsbedingt ausfällt und sie mit der Leitung dieses besonderen Grenzfalls und einer spektakulär in Szene gesetzten Leiche betraut.

Warum dieser Mord zu einem „Grenzfall“ wird und somit länderübergreifende Ermittlungen stattfinden, hängt mit den Fundorten der Leiche zusammen – mehr verrate ich euch nicht.

Mich hat dieser Krimi positiv überrascht. Der Autorin Anna Schneider ist ein perfekter Balanceakt zwischen spannender Ermittlungsarbeit und Charakter-Vorstellung gelungen. Alexa ist eine toughe Protagonistin, die sich immer wieder behaupten muss, die zwischendrin auch mal an sich selbst zweifelt aber dennoch auf ihre Kompetenz und Intuition vertraut. Ich konnte ihre Ängste und Zweifel, aber auch ihre Wut und ihren Ehrgeiz nachempfinden. Meine anfängliche Befürchtung, dass die Autorin ihre sympathische Kommissarin am Ende einen unüberlegten, naiven Alleingang machen lässt, blieb glücklicherweise unbegründet. Ich freue mich schon jetzt darauf, im nächsten Fall erneut Alexa bei ihren Ermittlungen über die Schulter schauen zu dürfen.

In einem Krimi spielt aber nicht nur die Kommissarin oder der Kommissar eine wichtige Rolle, sondern natürlich auch der Fall an sich. Anna Schneider hat sich für ihren Reihenauftakt eine besonders kreativ drapierte Leiche ausgedacht, deren Fundorte sofort für Verwirrung sorgen. Viele Fragen werden gestellt, nach Tatverdächtigen gesucht und mögliche Motive in die Runde geworfen. Die Ermittlungsarbeit erschien mir absolut schlüssig und wurde zu keiner Zeit langweilig – ganz im Gegenteil. Gespannt habe ich den Ermittlerinnen und Ermittlern über die Schulter geschaut und tappte trotzdem bis zum Ende im Dunkeln. Die Auflösung war schlussendlich gut begründet und logisch aufgedröselt. Ich bin nämlich kein Fan von aus der Luft gegriffenen Paukenschlag-Enden, auf die man während des Lesens nicht selbst kommen kann.

Ein schönes Schmankerl ist das besondere Setting. Wir befinden uns zum Teil mitten in den Bergen und ich sah den Gipfel des Braunecks vor meinem inneren Auge bedrohlich vor mir aufragen. Auch wenn die Ortsbeschreibungen nicht ausufern und sich die Autorin nicht mit Lokalkolorit aufhält, konnte ich mir die Umgebung prima vorstellen und hatte insbesondere Lenggries sehr bildlich vor mir.

"Sie musterte das mächtige Bergmassiv, das vor ihr lag, die grauen, steinigen Wände, ohne jedes Grün, ohne Spuren von Leben. Sofort stieg ein mulmiges Gefühl in ihr auf." (S. 19)  


Mein einziger Kritikpunkt, der mich bei diesem für mich sehr runden und gelungenen Krimi am Ende doch noch sehr gestört hat, war eine Erkenntnis auf den letzten Seiten, deren Konsequenzen sich natürlich auf die Folgebände auswirken werden. Für mich war diese Offenbarung zu konstruiert und unglaubwürdig. Dieser Kritikpunkt hinterlässt zwar ein kleines „Geschmäckle“, macht den Krimi aber nicht weniger lesenswert. Ich empfehle „Grenzfall – Der Tod in ihren Augen“ sehr gern weiter und freue mich schon jetzt auf Alexa Jahns nächsten Fall.

Übrigens kann ich euch auch das gleichnamige Hörbuch, erschienen im Argon Verlag, ans Herz legen. Julia Nachtmann verleiht nicht nur Alexa Jahn die passende Stimme, sondern fängt auch die Atmosphäre gelungen authentisch ein.



W E I T E R F Ü H R E N D E   I N F O S

Taschenbuch* | 432 Seiten | erschienen am 27. Januar 2021 im Fischer Taschenbuch Verlag | ISBN 978-3-596-70050-9 | Zur Leseprobe

* = dieser Titel wurde mir vom Fischer Verlag und der Autorin als kostenfreies Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt, was jedoch keinerlei Einfluss auf meine persönliche Meinung zum Titel hat

Mehr über die Autorin bei Ankas Geblubber findet ihr HIER

Band 2 der Krimireihe wurde bereits angekündigt. "Grenzfall - Ihr Schrei in der Nacht" erscheint am 26. Januar 2022.


Wenn euch dieses Buch gefallen hat, schaut euch auch mal diese Titel an:

  

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