Please Unfollow von Basma Hallak – Rezension zum YA-Roman über Family Influencer und Kinder auf Social Media
Kinder, die vor der Kamera aufwachsen, tägliche Familienvlogs und Millionen von Followern: Auf
YouTube und Social Media gehören sogenannte Family Influencer längst zum Alltag. Doch was bedeutet es eigentlich für Kinder, wenn ihr gesamtes Leben öffentlich im Internet stattfindet?
Genau dieser Frage widmet sich der Jugendroman Please Unfollow von Basma Hallak. Die Autorin erzählt eine Geschichte über die Schattenseiten eines Lebens, das von klein auf für Social Media dokumentiert wird.
In meiner Rezension erfahrt ihr, worum es in Please Unfollow geht, welche Themen der Roman anspricht und für wen sich das Buch besonders lohnt.
Worum geht es in Please Unfollow von Basma Hallak?
Seit ihrer Geburt findet Sherrys Leben auf YouTube statt. Ihre Eltern sind Family Influencer, die ihren Alltag mit Millionen von Followern auf YouTube und Social Media teilen. Ihre kleine Tochter ist der Star der Familie. Die Fans lieben sie, wissen alles über sie, kommentieren und bewerten jeden ihrer Schritte.
Was macht das mit einem Kind?
Was für Außenstehende nach einem glamourösen Leben voller Follower, Kooperationen und Reichweite aussieht, fühlt sich für ein Kind wie Sherry jedoch ganz anders an. Denn während Millionen Menschen ihr Leben verfolgen, wird der Druck immer größer: Erwartungen der Community, Konflikte innerhalb der Familie und die Frage, wie viel vom Leben eines Kindes eigentlich öffentlich sein sollte.
Der Roman beleuchtet damit ein hochaktuelles Thema: Kinder, deren Leben von klein auf in Familienvlogs und auf Social Media stattfindet.
Family Influencer: Wenn das Familienleben zum Content wird
Family Influencer gehören inzwischen fest zur Social-Media-Landschaft. Auf Plattformen wie YouTube Instagram oder Tiktok teilen Eltern ihren Alltag mit Kindern, filmen Familienmomente und lassen ihre Community an Erziehung, Urlauben, ganz normalen Alltags-Situationen oder besonderen Ereignissen teilhaben.
Doch je größer solche Accounts werden, desto häufiger wird auch kritisch diskutiert, welche Rolle Kinder in diesem Content einnehmen.
Kritikerinnen wie die YouTuberin Alicia Joe werfen dabei immer wieder Fragen auf, die in der Öffentlichkeit zunehmend an Bedeutung gewinnen:
- Können Kinder wirklich zustimmen, wenn ihr Leben regelmäßig gefilmt und online veröffentlicht wird?
- Was passiert mit den digitalen Spuren, die schon im Kindesalter entstehen und (möglicherweise) ein Leben lang im Internet bleiben?
- Wo verläuft die Grenze zwischen Familienalltag teilen und Kinderarbeit im Internet?
- Besteht die Zielgruppe wirklich nur aus anderen Familien, die sich im Content wiederfinden oder landen Videoausschnitte und Screenshots vielleicht in ganz anderen Bereichen des Internets?
- Und was macht das mit einem Kind, das 24/7 performen muss und für das Einkommen der Familie zuständig ist?
An diesen und ähnlichen Fragen setzt Please Unfollow an. Der Roman zeigt eindrücklich, wie sich ein Leben anfühlen kann, wenn die eigene Privatsphäre schon in jungen Jahren Teil einer digitalen Öffentlichkeit wird.
Erzählt Please Unfollow eine wahre Geschichte?
Eines vorweg, bevor ich meine Leseeindrücken mit euch teile: Beim Lesen stellt sich schnell die Frage, ob hinter der Geschichte reale Ereignisse stecken.
Die Antwort: Nein. Tatsächlich ist es kein (auto)biografischer Tatsachenbericht, sondern ein
Jugendroman. Die Autorin Basma Hallak betont sowohl in einem kleinen Vorwort als auch im Nachwort, dass es sich bei
Please Unfollow um eine fiktive Geschichte handelt, die nicht die Lebensgeschichte eines realen Menschen erzählt. Dennoch sei die Handlung von "öffentlich getätigten Aussagen und dem Weltgeschehen inspiriert", wurde aber "verfremdet, emotional aufgearbeitet und in einen kreativen, fiktiven Kontext gesetzt".
Trotzdem wirkt die Handlung erschreckend realistisch und geht unter die Haut – was sie meiner Meinung nach auch sollte.
Meine Meinung zu Please Unfollow
Stimmen im Internet behaupten, dass einem beim Lesen von Please Unfollow das Herz gebrochen, am Ende jedoch wieder zusammengesetzt wird. Dem kann ich zustimmen.
Der Roman ist interessant aufgebaut. Zum einen befinden wir uns in der Gegenwart an Sherrys Seite. Aus Gründen, die zu Beginn nicht aufgeklärt werden, ist die 17-jährige Sherry nicht mehr bei ihren Eltern. Sie wird in einem Programm für straffällig gewordene Jugendliche untergebracht, um dort die Möglichkeit zu haben, ihre Geschichte aufzuarbeiten. Im Zuge dessen trifft sie auf andere Jugendliche, in denen sie erstmals echte Freund*innen findet und herausfindet, was Familie wirklich bedeutet.
Diese Passagen nehmen den größten Teil des Buches ein und spiegeln auch ganz klar den Jugendbuch- und den Coming-of-age-Charakter wieder. Die Jugendlichen, ihr Zusammenhalt, ihr Humor und ihre Leichtigkeit in all der Schwere haben mich sehr berührt.
Zum anderen bekommen wir in Rückblenden Einblicke in die Videoproduktionen von Sherrys Familie. Diese lässt die Autorin Basma Hallak chronologisch einfließen, sodass wir als Leser*innen, genau wie die Abonnent*innen des Familien-Kanals, das kleine Mädchen beim Aufwachsen erleben. Wir werden Zeugen ihre Wutausbrüche, ihres ständigen Nasenblutens, ihres vergnügten Planschens im Bikini in der Badewanne, ihrer Ausflüge, ihrer geplatzten Geburtstagsparty und ihres erstes Dates. Im Anschluss dürfen wir dann die Kommentare lesen, die Fans als auch Kritiker*innen unter die jeweiligen Videos geschrieben haben.
Diese Rückblenden sind teils schwer zu ertragen. Was wird alles für Klicks getan? Merken die Eltern denn gar nicht, was sie ihrem Kind antun? Auch die Kommentare sind alles andere als leichte Kost, zumal sie erschreckend real wirken. Genau so stehen sie tausendfach unter echten Familienvlogs. Widerlich, unangenehm und angsteinflößend.
Während sich in den Rückblenden die Ereignisse immer weiter zuspitzen und kaum noch erträglich sind, konnte ich in der Gegenwart ein Mädchen beobachten, das sich entwickelt, das aufblüht, das heilt und das eine unglaubliche Stärke beweist. Sherry so zu sehen hat mich zu Tränen gerührt. Der Trope
Found Family ist einer meiner liebsten und hier wird er sowohl einfühlsam, als auch leichtfüßig erzählt.
Mein Fazit zu Please Unfollow
Meiner Meinung nach hat Basma Hallak mit Please Unfollow einen brandaktuellen und höchstrelevanten Jugendroman geschrieben, der einen wichtigen Platz in der Gegenwartsliteratur einnimmt. Er sollte nicht nur in jedem Bücherregal stehen, er sollte auch an Schulen thematisiert und besprochen werden. Sprachlich authentisch, inhaltlich gewaltig, emotional und gleichzeitig mit einer gewissen Leichtigkeit erzählt.
Dieser Roman bleibt im Gedächtnis und im Herzen. Nicht nur Jugendliche sollten ihn lesen, sondern auch alle anderen, die vielleicht selbst gern in den Alltag von Family Influencern reinschalten und sich über die ach-so-süßen Aufnahmen der tollpatschigen Kinder freuen.
Meine Empfehlung: Lest dieses Buch!
Die Nominierungen für den Deutschen Jugendliteraturpreis sowie den
Buxtehuder Bullen sind absolut gerechtfertigt und verdient.
Altersempfehlung: Für wen eignet sich der Jugendroman?
Der Roman richtet sich vor allem an jugendliche Leser*innen, spricht aber auch Erwachsene an, die sich für gesellschaftskritische Themen im Zusammenhang mit Social Media und Family Influencern interessieren.
Meiner Einschätzung nach eignet sich das Buch besonders für:
Weiterführende Infos zum Buch
Hardcover | 416 Seiten | erschienen im Oktober 2025 im Arctis Verlag | ISBN: 978-3-03880-223-5 | empfohlen ab 14 Jahren
Weitere Stimmen zu Please Unfollow findet ihr u.a. bei
Wenn ihr weitere Jugendbuch-Tipps entdecken möchtet, schaut euch gern diese Rezensionen an:
Kommentare
Kommentar veröffentlichen
Wenn du auf meinem Blog kommentierst, werden die von dir eingegebenen Formulardaten (und unter Umständen auch weitere personenbezogene Daten, wie z. B. deine IP-Adresse) an Google-Server übermittelt. Mehr Infos dazu findest du in meiner Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google.