Die Flut – Rezension zum neuen Psychothriller von Arno Strobel

Rezension Die Flut von Arno Strobel

[Disclaimer: Diese Rezension wurde ursprünglich 2016 veröffentlicht und für 2026 strukturell (nicht inhaltlich) überarbeitet.]

Endlich ist er da, der neue Psychothriller von Bestsellerautor Arno Strobel. Als großer Fan seiner Bücher habe ich diesem Tag natürlich ganz besonders entgegengefiebert. Ich war unheimlich gespannt, hatte aber auch ein kleines bisschen Angst. Aufgrund der vielen Buchprojekte, an denen der Autor momentan arbeitet, hatte ich die Befürchtung, dass die Qualität eventuell der Quantität zum Opfer fällt. Ob dies tatsächlich der Fall ist, erfahrt ihr in meiner Rezension.

Worum geht's in Die Flut von Arno Strobel?

Die Geschichte von Die Flut wird aus 3 verschiedenen und unterschiedlich gewichteten Perspektiven erzählt. Am ausführlichsten lernen wir Julia & Michael kennen. Das Paar freut sich auf den gemeinsamen Kurzurlaub auf der Nordseeinsel Amrum, den es im Ferienhaus von und mit Michaels Kollegen Dr. Andreas Wagener und seiner Frau Martina verbringen wird. Gleich zu Beginn ihres Aufenthaltes werden sie mit einem grausamen Mord konfrontiert, dessen Tatort sich in direkter Nähe zum Ferienhaus befindet. Nicht nur die zwei Paare, sondern auch die Einwohner der Insel, sind in heller Aufruhe. Die Sensationsgier wird durch Angst abgelöst, als ein weiterer Mord begangen wird, der dem ersten sehr ähnelt. Schnell ist klar, dass hier ein Psychopath am Werk ist, der es auf Paare abgesehen hat.

Meine Leseeindrücke: Psychospielchen, jede Menge Verdächtige und dann dieses ENDE

Die Charaktere waren klasse. Klasse im Sinne von sehr passend für die Geschichte. Obwohl ich mich mit keiner Figur irgendwie identifizieren konnte (ist ja nun auch nicht wirklich beabsichtigt) oder Sympathien aufgebaut habe, war es spannend sie zu beobachten und alle immer wieder zu hinterfragen. Ich glaube, Julia fand ich am schlimmsten. So naiv wie die kann man doch gar nicht sein! 
Hier kommt die zweite Perspektive ins Spiel, denn erst im späteren Verlauf tauchen zwei Kommissare auf, die die Ermittlungen aufnehmen. Der leitende Kommissar ist ein komischer Kauz und verleiht der Geschichte ein paar Ecken und Kanten. Nicht nur die Polizei, sondern auch der Leser beginnt nun alles und jeden zu verdächtigen. Dem Autor gelingt es mithilfe geschickt eingestreuter Hinweise, den Kreis der Verdächtigen immer größer werden zu lassen, sogar der Kommissar selbst geriet für mich ins Visier. Da alle Figuren recht oberflächlich beleuchtet werden, baut man zu keiner von ihnen besondere Sympathien auf, sodass wirklich jeder der Täter sein könnte. Immer wieder habe ich die einzelnen Protagonisten hinterfragt und mich in die Irre führen lassen. Da ich jedoch von Strobels Psychothrillern nichts anderes gewohnt bin, hatte ich dabei und beim ständigen Beobachten der Figuren (ein bunter Mix aus sehr schräg, nervig, naiv, unheimlich und (zu) normal) eine große Freude. Dieses andauernde Grübeln und Verdächtigen macht das Buch übrigens unheimlich kurzweilig. Kaum hat man sich versehen, sind die nächsten 100 Seiten inhaliert.
Solche Psychospielchen sind genau mein Ding! Sowas möchte ich in Psychothrillern lesen. 
Die dritte Perspektive, die uns bereits im Prolog vorgestellt wird und die auf keinen Fall fehlen darf, ist die des Täters. Was treibt diese Person zu den grausamen Morden an? Was geht in dem Kopf eines solchen Psychopaths vor? Die Ermittler sind sich sicher, der Täter ist unberechenbar und sehr intelligent, denn die Morde scheinen genau geplant und gut durchdacht zu sein. Für uns Leser ist von Anfang an etwas ganz anderes klar: auch unsere zwei Paare werden ins Visier geraten, nicht nur ins Visier der Polizei, sondern auch ins Visier des Mörders, der mit seiner perfekten Mordserie die Aufmerksamkeit der ganzen Welt gewinnen möchte.

Als ich in der Kurzbeschreibung gelesen habe, dass der Mörder sein weibliches Opfer bei Ebbe bis zum Kopf eingräbt und den Partner dabei zusehen lässt, wie die Flut kommt, wurde mir gleich ganz anders. Ich selbst kann es überhaupt nicht brauchen mit dem Kopf unter Wasser zu sein - so war ich mit meiner Panik ein gefundenes Fressen für den Autor und seinen Täter. Zum Glück verzichtet Arno Strobel auf Details bei der Beschreibung der Morde. Obwohl er die Taten weder ausschmückt noch verherrlicht, hatte ich dennoch beim Lesen den ständigen Drang nach Luft zu schnappen.
Genial fand ich die letzten Worte. Ein perfektes Ende! Ganz genau so muss es sein!

Fazit: Kann Die Flut mit anderen Thrillern von Arno Strobel mithalten?

Spätestens beim Zuschlagen des Buches weiß man, warum auf dem Cover Psychothriller steht. Wer Action, wilde Schießereien, tiefgründige Charaktere oder eine anspruchsvolle Handlung erwartet, dem rate ich von diesem Titel ab. Wer jedoch nach einem Buch sucht, in das man beim Lesen regelrecht abtauchen kann, das einen alles um sich herum vergessen lässt, das einem eine kurzweilige, spannende und leicht amüsant-sarkastische Unterhaltung bietet und das mit der ein oder anderen Überraschung aufwarten kann, der sollte zugreifen und den Kurzurlaub auf Amrum buchen. Das Setting war für mich als gebürtiges Nordlicht übrigens ein zusätzliches Bonbon und eine gelungene Abwechslung zu all den Krimis & Thrillern, die im Großstadtmilieu spielen.

Bleibt zum Schluss nur noch eine Antwort auf meine Frage vom Anfang. Hat dieser Thriller, im Vergleich zu den anderen Titeln des Autors, an Qualität eingebüßt? Nein, ganz im Gegenteil! Ich hatte sogar das Gefühl, dass sowohl dieser Plot als auch seine Auflösung noch raffinierter durchdacht wurden. Ein absolut gelungener Titel, der mich bestens unterhalten hat!

*die eingefügten Zitate sind Auszüge aus meinen Notizen, die ich mir direkt nach Lesen des Buches gemacht habe

Weiterführende Infos zum Buch

  • Titel: Die Flut
  • Autor: Arno Strobel
  • Medium: Taschenbuch (368 Seiten)
  • Verlag: Fischer Verlage (Januar 2016)
  • ISBN: 978-3-596-19835-1
  • Genre: Psychothriller
  • Tags: Psychopath, Amrum, perfekte Mordserie
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Kommentare

  1. Hallo Anka!

    Eine super Rezension hast du geschrieben finde ich, ich habe das Buch auch eben beendet und direkt meine Rezi verfasst. In vielen Punkten bin ich ganz bei dir :)
    Mich hat es am meisten fasziniert, dass es so spannend ist, einfach nur durch die Angstsituation die aufgebaut wird und weil man, wie ich finde, selber auch die ganze Zeit das Gefühl hat an der Nase herumgeführt zu werden ... jedenfalls ging es mir so und ich war einfach ziemlich sprachlos am Ende ... ;)

    [gut, dass ich mich nur beim Thriller lesen mit sowas beschäftige, ich wäre wahrscheinlich der tollpatschigste und dämlichste Ermittler aller Zeiten geworden]

    Jedenfalls hat es mir auch super gefallen =)

    liebe Grüße, Meike

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    1. Hey Meike!
      Wie schön, dass wir uns einig sind und du auch ganz viel Freude mit der Flut hattest! Arno Strobel weiß einfach, wie er seine Leser immer und immer wieder an der Nase herumführen kann. Hattest du eine Lieblingsfigur?
      Liebe Grüße
      Anka

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